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Cornelia Kurth trifft Cornelia Kurth: Wegen ihrer Namensgleichheit werden die beiden Frauen oft verwechselt

Beim Telefonflirt falsch verbunden

„Wie schaffen Sie das nur, so viele lange Artikel zu schreiben?“ Wenn Cornelia Kurth (49), Geschäftsstellenleiterin der Schaumburger Agenturen für Arbeit, diese Frage hört, dann weiß sie schon, was wieder passiert ist: Man hat sie mit ihrer Namensvetterin, der Journalistin (52), verwechselt. Die wird auch immer wieder mit dieser Verwechslung konfrontiert. „Sagen Sie, Sie arbeiten doch nebenbei fürs Arbeitsamt – passt das denn zusammen?“ Zwei Frauen mit gleichem Namen im Gespräch.

veröffentlicht am 01.03.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 24.01.2019 um 14:15 Uhr

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Reporterin zur Autorenseite

Immer waren wir durchaus neugierig aufeinander, die Arbeitsamt-Beamtin und die freie Journalistin mit demselben Namen. Verbindet uns vielleicht mehr, als nur der Name und der Umstand, dass wir beide einen öffentlichkeitswirksamen Beruf haben?

Auf Fotos von der jeweils anderen hatten wir schon sehen können, dass wir beide eher der burschikose Frauentyp sind, wir wussten, dass uns vom Alter her nur drei Lebensjahre trennen, und wir kannten auch die verblüffend ähnliche Adresse unserer Namensdoppelgängerin, da die Postboten nicht selten Sendungen in meinen damaligen „Dingelstedtwall“ brachten, statt in die „Dingelstedtstraße“ nach Rehren, und umgekehrt.

Als wir vor vielen Jahren einmal miteinander telefonierten, konnten wir feststellen, dass wir beide recht lebhafte, redefreudige Menschen sind, und ich erfuhr außerdem, dass ein charmanter Freund von mir aus Versehen ein paar Minuten am Telefon mit seiner „Conni Kurth“ geflirtet hatte, bis er begriff, dass er es mit einer völlig Unbekannten zu tun hatte und geschockt auflegte.

Nun also wollten wir uns wirklich mal von Frau zu Frau begegnen, in der Rintelner Agentur für Arbeit, wo Cornelia Kurth, die sich sonst überwiegend in der Stadthäger Geschäftsstelle aufhält, einmal pro Woche für organisierende und beratende Gespräche mit ihren Mitarbeitern vorbeikommt. Wir wollen darüber reden, ob es bloßer Zufall ist, dass manche Leute meinen, wir könnten gleichzeitig sowohl für Arbeitsagentur und für die Zeitung arbeiten, oder ob tatsächlich ähnliche Neigungen nützlich sind, um in unseren Berufen zu bestehen. „Also eins mal vorweg“, sagt Cornelia Kurth, „ich wollte eigentlich auch Journalistin werden! Am liebsten bei der Bild-Zeitung angefangen und dann rein in den Wirtschaftsjournalismus.“ Aha!

Bei der Berufsberatung, an der sie noch während der Schulzeit teilnahm, erklärte man ihr allerdings, dass sie in ihrem geburtenstarken Jahrgang kaum eine Chance auf ein Volontariat haben würde, und so absolvierte sie ein Fachholschulstudium, um dann eine Beamtenlaufbahn im Arbeitsamt Hameln zu beginnen. „In meiner Familie war es eh schon was Besonderes, zu studieren, und schließlich passte es mir gut, dass ich viel mit Menschen zu tun haben und gleich auch richtig Geld verdienen konnte.“ Anfangs hatte sie hauptsächlich mit Jugendlichen in der Arbeitsvermittlung tun, „ja, da habe ich mir meine Sporen verdient, in der Vermittlung von Lehrstellen, eine echte Herausforderung.“

Nun, mit Jugendlichen hatte ich in einem ähnlichen Alter ebenfalls zu tun. Ich wollte Lehrerin werden, studierte Deutsch und Philosophie in Hamburg und machte ein Praktikum an meiner alten Schule, hauptsächlich im Unterricht von Mittelstufenklassen.

Mit 21 war ich so unbefangen und euphorisch, dass ich glaubte, die perfekte Berufswahl getroffen zu haben. Erst später dann, während des Referendariats, merkte ich, dass mir die Regeln des Schulalltags gar nicht gefielen und die Vorstellung, von jetzt ab bis zur Rente Lehrerin zu sein, nichts Verlockendes hatte – Beamtenstatus hin oder her. In dieser Situation blieb mir mit meiner Fächerkombination kaum was anderes übrig, als mich dem Journalismus zuzuwenden.

Auch Cornelia Kurth hatte noch andere Pläne und spezialisierte sich nach zwei Jahren des Umgangs mit den jugendlichen Lehrstellsuchenden auf die Akademikervermittlung. Im Hin und Her unseres Gespräches zeigen sich dann tatsächlich echte Parallelen in der Arbeitsweise von Arbeitsvermittlerin und freier Journalistin.

„Ich kannte bald alle Betriebe und Firmen vor Ort“, so Cornelia Kurth. „Ich sprach mit Geschäftsführern und Angestellten, ließ mich durch die Betriebe führen, erfuhr viel über den jeweiligen Arbeitsalltag, und genau das musste ich ja auch alles wissen, um die Arbeitssuchenden an einen für sie geeigneten Platz zu bringen.“ Gleichzeitig führte sie intensive Gespräche mit ihren Klienten, sei es, weil junge Leute erst noch herausbekommen mussten, was sie eigentlich vom Leben wollten, sei es, weil sie mit älteren Arbeitslosen zu tun hatte, die manchmal voller Energie nach der großen Wende in ihrem Leben strebten oder aber, im Gegenteil, Angst vor einer Umschulung und Neuorientierung hatten. „Das waren oft geradezu psychotherapeutische Gespräche, die einem wirklich nahegehen konnten.“

Überschneidungen

gibt es auch in den Erwerbsbiografien

Nicht viel sah es für mich aus, als ich in der „taz“-Bremen erst als bloße Vertretung, dann als Redakteurin unendlich viele Artikel für die „lokale Kultur“ und über die Menschen in der Stadt schrieb. Auch ich lernte Betriebe von innen kennen, sprach mit mittelständischen Unternehmern (und warf dabei allerlei jugendlich-linke Vorurteile über Bord), und vor allem waren da die Interviews mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten, aus denen oft ausführliche Portraits entstanden (in Rinteln dann entwickelte sich daraus die Serie „Menschen von Nebenan“).

Wir beide Cornelia Kurths machten die Erfahrung, dass viele der Menschen, mit denen wir sprachen, gar nicht daran gewöhnt waren, dass jemand mit echtem Interesse etwas über ihre Biografie wissen wollte. Natürlich verfolgten wir jeweils ein Ziel – die eine wollte Menschen in Arbeit bringen, die andere eine lesenswerte Geschichte schreiben – und doch waren solche Gespräche meisten sowohl für Interviewerinnen als die Interviewten ein Gewinn, wenn sich tatsächlich ein vorher gar nicht bewusster roter Lebensfaden herauskristallisierte.

„Ich habe natürlich keinen Erziehungsauftrag“, sagt Cornelia Kurth. „Ich lasse die Leute erst mal das machen, was sie für richtig halten, auch wenn sie nicht erkennen, wie sehr sich der Arbeitsmarkt gewandelt hat. Hauptsache, sie schaffen den Neueinstieg, bevor sie dann ins Jobcenter wechseln muss, als Bezieher von Hartz IV.“ Sie erzählt, wie es in den 1990er Jahren war, als auf den überfüllten Fluren des (damals noch) Arbeitsamtes auch unzählige Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion saßen, hoch qualifizierte Akademiker darunter, die nicht begreifen konnten, dass ihre bisherige Ausbildung ihnen hier kaum von Nutzen war. „Schlimm ist es immer, wenn Leute wirklich arbeiten wollen, und dann gibt es einfach nichts für sie.“

Auch da gibt es Überschneidungen zwischen unseren beiden Arbeits-Lebensläufen. Als ich hier in Rinteln bei der Zeitung einstieg, war mein Sohn noch klein und meine Stieftochter ein wilder Teenie, so dass mir fast nur am Vormittag die nötige Ruhe zum Arbeiten blieb. Also unterrichtete ich ein Jahr lang russlanddeutsche Aussiedler an der Volkshochschule, damit sie zusammen mit Deutschkenntnissen auch praktische Hinweise für die Erledigung der bürokratischen Anforderungen im neuen Heimatland erhielten. Während viele – vor allem die Frauen – sich mit Elan und Ehrgeiz auf die Zukunft einließen, begegnete auch ich einigen Menschen, die wirklich daran verzweifelten, dass sie nicht auf ihrer alten Existenz aufbauen konnten.

Cornelia Kurth aus der Agentur für Arbeit hat im Laufe der Jahre Karriere gemacht. Im Jahr 2006 übernahm sie die Geschäftstellenleitung in Rinteln, 2009 dann in Hameln und seit zwei Jahren ist sie insgesamt für die Leitung der Schaumburger Agenturen für Arbeit zuständig. Was mich als freie Journalistin betrifft, so habe ich zwar neben der kontinuierlichen Arbeit für unsere Zeitung auch Bücher verfasst, für große überregionale Zeitungen und Magazine geschrieben, Pressearbeit für städtische und kirchliche Institutionen übernommen, und bin glücklich darüber, dass unsere Redaktion möglichst viele Reportagen und Hintergrundgeschichten von mir braucht.

Aber alles in allem bin ich doch eine „Freie“ geblieben, die sich auf dem freien Markt so durchschlägt, mit all den Vor- und Nachteilen, die man in Kauf nimmt, wenn man auf einen Beamten- oder Angestelltenweg verzichtet.

„Kommen Sie doch mal in der Agentur für Arbeit vorbei“, meint Cornelia Kurth. „Vielleicht haben wir interessante Angebote für Sie.“ Naja, wer weiß, ich hoffe, dass es trotz der sich so rasant verändernden Medienlandschaft nicht wirklich nötig sein wird.

Aber jetzt, da wir wissen, wie angenehm wir uns unterhalten können und dass da wirklich noch mehr ist, als nur der gemeinsame Name, sollte doch ein kleiner Kaffeeplausch in absehbarer Zeit wieder drin sein.



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