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Sanierungsmaßnahmen am Ohrberghang kosten rund 3,9 Millionen Euro

Bauarbeiten bis tief in den Berg hinein

240 sogenannte Großbohrpfähle werden gerade an der Baustelle am Ohrberghang in den Boden eingesetzt. Die Bundesstraße 83 ist für die Sanierungsarbeiten noch bis voraussichtlich Anfang Dezember gesperrt. Ein Baustellenbesuch.

veröffentlicht am 02.08.2016 um 07:39 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Das große Bohrgerät über der Straße am Ohrberghang hat Schwerstarbeit zu leisten. Es kann nicht nur zum Bohren eingesetzt werden, es muss mit einer ausgeklügelten Technik auch schwere Stahlrohre, die gerade mit Beton befüllt wurden, wieder aus dem Untergrund herausziehen, damit die Betonpfähle, vom Fachmann als Großbohrpfähle bezeichnet, im Hang aushärten und ihn für die Zukunft stabilisieren. 70 Zentimeter Durchmesser haben diese Pfähle und eine Länge von bis 8 Metern.

Diesmal hat sich der gerade in die Stahlröhre gefüllte Beton offenbar so richtig mit seinem Behälter verbunden. Mit ruckartigen Drehbewegungen versucht der Mann am Steuerpult der Maschine, die Röhre zu lockern und wieder aus dem steinigen Erdreich zu ziehen. Manchmal geht das reibungslos. Diesmal scheint der Druck auf die Röhre aber zu groß zu sein – sie sitzt eisern fest, weigert sich nach anfänglichem Erfolg, auch nur einen Zentimeter weiter nach oben zu kommen. Dabei ist es schon der zweite Versuch. Auch die erste Betonfüllung hielt die Stahlröhre fest im Bohrloch. Dennoch – dies sind Probleme, die lösbar sind. „Die Arbeiten liegen voll im Zeitplan“, versichert Markus Brockmann, der Leiter des Landesamtes für Straßenbau in Hameln, beim Gang über die insgesamt rund 900 Meter lange Baustelle. „Derzeit haben wir etwas mehr als die Hälfte der erforderlichen Großbohrpfähle bereits gesetzt.“

Das Großbohrpfahlbohrgerät, wie es im Fachjargon bezeichnet wird, steht auf einer Arbeitsbühne, die, gesichert durch mehrere Lagen Flies und sogenannte geologische Gitter, auch dem Druck der schweren Maschine standhält. Das ist auch dringend nötig. Denn um hier bis zu sechs Meter in die Tiefe und damit etwa 3,50 Meter unter das alte Straßenniveau zu bohren, muss das große Gerät einen absolut sicheren Stand haben, wenn sein meißelnder Bohrkopf in der Tiefe auf Fels oder schweres Gestein trifft.

2 Bilder
Aus Wesersandstein wird die künftige Mauer bestehen. Foto: wft

240 dieser Großbohrpfähle sollen in Zukunft den Ohrberghang davor sichern, auf die Straße abzurutschen. Jede zweite Betonfüllung erhält dabei zusätzlich einen Bewehrungskorb aus Baustahl. Die dazwischenliegenden Betonsäulen werden dagegen seitlich angeschnitten, um sie so fest mit ihren Nachbarn zu verkeilen, damit sie jeglichem Druck des Berges standhalten können. Brockmann bezeichnet diese Technik als „überschnittene Bohrpfahlwand“. Hintergrund der ganzen Maßnahme ist die Feststellung gewesen, dass die Mauer an dieser Stelle des Hanges nur kosmetische Wirkung hatte und nichts hätte abfangen können. „Diese Mauer lehnte sozusagen nur am Hang und hatte keine tragende Wirkung“, erklärt Brockmann. „Wenn der Hang ins Rutschen gekommen wäre, hätte er das Mauerwerk glatt auf die Straße gestürzt.“ Um das zu verhindern, war die Strecke im Dezember 2013 voll gesperrt worden und zahlreiche mit Kies gefüllte Plastiksäcke, sogenannte „Big Bags“, auf die Fahrbahn gepackt worden, um die Mauer zu sichern.

Dass mit den Sanierungsarbeiten erst in diesem Jahr begonnen wurde – die Planung für die Maßnahme war bereits im Jahr 2015 abgeschlossen worden –, erklärt der Leiter des Landesamtes mit der Tatsache, dass bei weiteren Untersuchungen festgestellt worden sei, dass die näher an Hameln liegende zweite Stützmauer zwar eine bessere Substanz hatte, aber nicht mehr dem Stand der Technik entsprach und als weiterer Unsicherheitsfaktor eingestuft werden musste. Die Planung für die Sanierung dieser Mauer sei erst im Dezember 2015 abgeschlossen gewesen, erklärt Brockmann. „Hätten wir die Stützmauer in der Nähe des Solarinstituts bereits 2015 gebaut, hätten wir für die zweite Stützmauer die Straße ein zweites Mal voll sperren müssen. Das wollten wir unbedingt vermeiden.“

An der zweiten Stützmauer werden derzeit unter Nutzung des alten Gemäuers rund 320 sogenannte Verpressanker sechs bis zehn Meter tief in den Berg hineingetrieben, etwa drei Viertel davon in zwei Lagen jeweils im Abstand von rund zwei Metern. Das Bohrgut wird dabei mit Druckluft aus den engen Bohrlöchern herausbefördert. Seien diese Arbeiten abgeschlossen, werde die Mauer mit einer Spritzbetonvorsatzschale abgedeckt und schließlich der komplette Bereich mit einer rötlichen Mauer aus Wesersandstein optisch aufgewertet. Im Zuge dieser Arbeiten wird auch der alte Brunnen aufgegeben, der an dieser Stelle zur Entwässerung des Hanges diente und offenbar aus dem Jahr 1938 stammte. An seine Stelle kommt nach Angaben Brockmanns und seines Projektleiters Tobias Wolff eine Drainage, um das Wasser fachgerecht abzuleiten.

Das ist allerdings noch längst nicht alles. Die Wand, die zwischen den beiden Stützmauern bisher dafür sorgte, dass sich vom Hang lösendes Geröll nicht auf die Straße gelangte, wird ebenfalls saniert. Die bis zu einer Tiefe von vier bis sechs Metern verankerten Stahlträger, die mit Rundholz gefüllt waren, wird als Trägerbohlwand in der ursprünglichen Form erneuert. Lediglich elf Träger mussten gezogen werden, weil die Stützwand entsprechend verlängert wird. Ersetzt werden in diesem Zusammenhang sämtliche Rundhölzer, weil diese zum Teil ihre Festigkeit eingebüßt haben. Für den Bauschutt, der auf speziell dafür vorgesehenen Deponien gelagert werden muss, seien im Übrigen jeweils genaue Analysen vorzulegen, damit die Stoffe fachgerecht entsorgt werden könnten, erläutert Brockmann die Vorgehensweise.

Die Sanierung der Mauern und die Erneuerung der Trägerbohlwand mit Rundhölzern ist aber nur der eine Teil der insgesamt 3,9 Millionen Euro kostenden Hangsicherung. Auf 520 Metern Länge soll der zusätzlich Hang durch einen Geröllfangzaun, wie sie vor allem aus den Alpen und ihren Steilhängen bekannt sind, gesichert werden. Auch dazu sind noch umfangreiche Verankerungsmaßnahmen erforderlich, denn die Fangpfosten, zwischen denen der Zaun gespannt werden soll, müssen bis zu zwölf Meter tief verankert werden, um die Last eventuell auch in die Fangvorrichtung stürzender Bäume sicher tragen und die dabei entstehenden Energien ausgleichen zu können.

Auch optisch wird der Ohrberghang damit eine vollständige Veränderung erfahren. Einerseits wird es die Mauer aus dem rötlichen Wesersandstein geben, andererseits den oberhalb am Hang angebrachten Geröllfangzaun, der den Charakter der Landschaft an dieser Stelle völlig verändern wird. „Aber die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer hat hier absoluten Vorrang“, betont Brockmann, „denn wenn hier von oben etwas auf die Straße knallt, kann es auch Tote geben. Das zu verhindern, sind wir absolut verpflichtet.“



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