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Marlies und Jürgen Herden haben unzählige Tauchgänge hinter sich – ihre Begegnung mit Haien bleibt unvergesslich

Auf Tuchfühlung

veröffentlicht am 14.10.2016 um 19:44 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:13 Uhr

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Die beiden hatten sich kürzlich auf den Weg nach Fidschi gemacht, begleitet von ihrer Tochter Judith und zwei weiteren Tauchern, um dort das Leben der Menschen kennenzulernen, die Exotik der Südsee zu erleben und Tauchgänge unter teilweise extremen Bedingungen zu machen. Es war, wie sie beide betonen, „ein Erlebnis ganz besonderer Art!“

Und das will viel heißen bei dem Ehepaar, das seit Jahrzehnten das Tauchen und das Reisen als Hobby teilt und sich dabei (mindestens) die halbe Welt angeschaut hat: Bali, Mauritius, Nepal, Malaysia, Sri Lanka, Skandinavien, Borneo, Thailand, Indonesien, Sibirien, Mexiko, Usbekistan, Belize, Galapagos – die Liste der Länder, die sie bereist haben, ließe sich noch verlängern.

Infiziert vom Tauchvirus wurde Herden schon in frühen Jugendtagen, durch einen Kinofilm des Natur-Pioniers Hans Hass, der der erste war, der mit Kamera und Harpune in die tropischen Korallenriffe der Karibik vordrang und sie in Foto und Film festhielt. Herden sammelte danach seine ersten Taucherfahrungen mit elf Jahren in der Emmer bei Scheider und in der Ostsee; Herden schnorchelte, und weil die Flüsse damals noch nicht begradigt waren, herrschte wenig Strömung, an den Steilwänden sammelten sich die Fische und ließen sich gut beobachten.

2 Bilder
Diese Bullenhaie haben die Herdens beim letzten Besuch auf den Fidschi-Inseln unter Wasser fotografiert. Foto: pr

Ein Gespräch mit Marlies und Jürgen Herden ist eine kleine Zeitreise; zurück in eine Zeit, in der es noch kein Internet gab und in der mit dem Auto in den Urlaub gefahren wurden, nach Italien oder Spanien, weil Fliegen noch ein unerreichter Luxus war. 1968 hat sich Herden in Spanien das erste Mal mit einem Tauchgerät die Unterwasserwelt angeschaut, er ist allein getaucht, „es gab damals ja noch keine Taucher, mein Hobby war etwas exotisches“, sagt er. Er hat sich dennoch eine Ausrüstung gekauft.

Was damals völlig fehlte, das war eine Logistik: Heute googelt man sich bequem am Computer eine Reise zusammen, damals gab es allein ein Magazin des Tauchverbandes, der sich ein paar Jahre zuvor gegründet hatte. „Eine Frage, die immer geklärt werden musste, war die, wo man die Tauchgeräte wieder füllen lassen konnte“, erinnert sich Herden und erzählt von seiner ersten Fahrt nach Sizilien: Hinter Neapel endete damals die Autobahn, Tourismus in der heutigen Form gab es noch nicht.

Ein Gespräch mit einem erfahrenen Taucher kann die zunehmende Vermüllung der Meere nicht aussparen, und auch Herden hat die negative Entwicklung durchaus sorgenvoll verfolgt: In den 90er Jahren begann auch in den Meeren die massive Umweltverschmutzung, immer mehr Plastik treibt auf und unter Wasser, wird zersetzt, gelangt in die Fische und so auf unseren Speisezettel; von verzweifelten Fischern, die nur noch Plastik in ihren Netzen aus dem Wasser fischen und sterbenden Korallenriffen, ganz zu schweigen.

So schätzt der World Wide Fund For Nature (WWF), eine der größten und erfahrensten Naturschutzorganisationen der Welt und in mehr als 100 Ländern aktiv, dass heute in jedem Quadratkilometer der Meere Zehntausende Teile Plastikmüll schwimmen. Die Folgen: Seevögel verenden qualvoll an Handyteilen in ihrem Magen, Schildkröten halten Plastiktüten für Quallen, Fische verwechseln winzige Plastikteilchen mit Plankton.

Herden und seine Ehefrau haben sich die Welt gerne mit dem Rucksack angesehen, und vielleicht waren sie am liebsten in Indonesien („etwa 20 Mal“, sagt Jürgen Herden), sie waren am Great Barrier Riff vor der Nordostküste Australiens, auf den Philippinen und vor Borneo. Und stets haben sie alles miteinander verbunden: Reisen, tauchen, fotografieren und anschließend Diavorträge halten, Herden ist „immer noch aktiv“, wie er lachend erwähnt. Und getaucht wird das ganze Jahr, sogar im Winter unter dem Eis zugefrorener Seen des Wesergebietes.

Ein Höhepunkt des Taucherlebens war jetzt der eingangs erwähnte Besuch von Fidschi. Im Süden der Insel Vanua Levu, wo es keine Straßen gibt, keinen elektrischen Strom und nur das Boot das einzige Verkehrsmittel ist, fanden die deutschen Gäste Unterkunft in einer abgeschiedenen Bucht bei Viola und Roland, einem deutsch-schweizerischen Paar, das hier bereits seit zwanzig Jahren lebt und ein kleines, wenn auch sehr einfaches Resort mit einer Tauchbasis betreibt. Die Korallenriffe hier in der Somosomo-Straight zwischen Vanua Levu und Taveuni aber sind weltberühmt.

Neben Tauchgängen in den unzerstörten Riffen, teils bei starken Strömungen und Begegnungen mit Haien, Delfinen und bunten Korallenfischen lernten die Taucher auch die freundliche Lebensart und Einfachheit der melanesischen und polynesischen Inselbewohner kennen. „Die Menschen hier haben häufig mit Wirbelstürmen zu tun, die immer wieder Häuser und Natur zerstören“, erzählt Herden, so erst vor einem halben Jahr. Auswirkungen auf die Lebensfreude der Menschen aber scheine dies nicht zu bringen: Die Freundlichkeit gegenüber den Fremden aus dem fernen Europa sei „überwältigend“ gewesen.

In Pacific Harbour auf Viti Levu, der Hauptinsel Fidschis, schließlich hatten die Taucher ein ungewöhnliches Unterwasser-Erlebnis, eine Haifütterung von 20 bis 30 Bullenhaien – und das in 30 Metern Tiefe. Fischfütterungen werden im Allgemeinen bei uns abgelehnt, weil sie zu Verhaltensänderungen und Aggressionen untereinander führen können, erklärt Herden: „Hier in der Südsee aber sind Haie bedroht, denn Haifischflossen sind in China und Japan eine Delikatesse! Beim sogenannten Haifinning werden an Bord den noch lebenden Haien die Flossen abgeschnitten und die dann bewegungsunfähigen Tiere ins Meer zurückgeworfen, wo sie verenden.“

Die Tauchbasen aber rund um Pacific Harbour haben ein Fischereiverbot durchsetzen können, das die vorwiegend chinesischen und koreanischen Trawler fernhält; hier sind die Haie vor dem Finning geschützt. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen konnten die Taucher aus nächster Nähe die drei bis vier Meter langen Bullenhaie fotografieren – frei im Wasser, ohne Käfig, nur die Riffwand und Sicherungstaucher mit langen Stangen im Rücken. Es war ein Erlebnis, das kein Teilnehmer vergessen wird.



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