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Hamelner Auto-Spezialisten haben sogar Fans im Oman

Auf der Spur des Hunters

Schnelle Autos in auffälligen Farben, mit breiten Reifen und offenem Dach? Da denkt man automatisch an teure italienische Sportwagen. Nicht so 31 autobegeisterte Mitglieder des Hamelner Treser Clubs. Sie waren jetzt am Golf von Oman auf den Spuren ganz besonderer Autos unterwegs, die dies alles in sich vereinen. Vor 30 Jahren entwickelte der Autoingenieur Walter Treser zur Falkenjagd in der Wüste den Hunter, eine komfortable Limousine als Jagdwagen auf Basis eines Audi 90 Quattro. Geländegängig, leicht und auf Wüstenpisten bei aller Bequemlichkeit 180 Stundenkilometer schnell. Damals der Traum der Scheichs von Dubai und des Sultans von Oman. „Heute eine begehrte Rarität in der internationalen Automobilszene“, sagt Designer Hans-Joachim Walitschek. Er entwarf damals den Hunter und war nun gespannt auf ein Wiedersehen mit seinem Werk. Genauso wie sein damaliger Chef Walter Treser, heute Ehrenpräsident des Treser Clubs Hameln.

veröffentlicht am 15.12.2015 um 18:11 Uhr
aktualisiert am 19.12.2015 um 14:34 Uhr

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Autor:

von andrea gerstenberger

Ramm-Stoßstangen,

Kunststoff-Schürzen und Aluminium-Bodenbleche

Der Wunsch der Scheichs war Mitte der 80er Jahre genau die richtige Herausforderung für den früheren Rennfahrer und „Vater“ des Allradantriebs in Straßenautos, der sich mit dem legendären Audi Quattro ein Denkmal setzte, das auch heute noch von Bedeutung ist. Nach seiner Karriere als Leiter der Vorausentwicklung und Sportchef bei Audi hatte er sich mit einer Tuningfirma in Ingolstadt selbstständig gemacht und schon so eigenwillige Audi-Kreationen wie den Quattro Roadster, die Treser Liner und Largo und den Audi Superpfeil herausgebracht, als der Ruf aus der Wüste nach einer komfortablen Limousine mit offenem Dach zur Falkenjagd kam.

„Wir bauten den Scheichs ein Auto nach Wunsch“, sagt Treser den Mitgereisten vor dem Palast des Sultans von Oman. Designer Walitschek bekam damals den Auftrag für einen Umbau auf Wüstentauglichkeit der Audi 90 Quattro-Basis. Abenteuerlich wirkende Ramm-Stoßstangen, mit denen Front, Heck und Seiten beplankt sind, glasfaserverstärkte Kunststoff-Schürzen, welche die serienmäßigen Stoßfänger ersetzen und vorne zusätzlich eine Aluminiumplatte sollten die Fahrt auf Wüstenpisten und durch Dünen ermöglichen. Ergänzt wird die vordere Armierung durch Bodenbleche, die Motor und Antrieb bei Aufsetzen und gegen Steinschlag schützen. Hinten schließlich trägt der Hunter, ganz nach Jeep-Manier, ein außenstehendes Reserverad, dessen Halterung nach unten wegklappt, wenn die Kofferraumhaube geöffnet werden soll.

Die extrem breiten Hunter-Reifen haben es in sich. Auf Leichtmetallfelgen im Treser-Design aufgezogen, haben sie die Maße 280/45 VR 415 TRX, um nicht im Wüstensand zu versinken. Sie verändern das Aussehen des Audi 90 Quattro am deutlichsten. Es sind Michelin TRX-Reifen, wie sie auch an der Hinterachse eines Ferrari Testarossa Verwendung finden könnten. Zu guter Letzt bekommt der Hunter noch ein Faltschiebedach, damit die Jäger mit den Falken im offenen Wagen stehen können. Ein getunter Treser-2,3-Liter-Fünfzylinder-Motor mit 160 PS sorgt für den nötigen Speed von 180 km/h im Sand. „Ein Auto, welches damals nicht nur wegen seines Aussehens in Europa schwer vorstellbar war“, erinnert sich Treser. Rund 115 000 D-Mark musste Sultan Quabus ibn Said für die handgeschraubte Rarität, von denen er gleich mehrere in seinem umfangreichen Fuhrpark hatte, auf den Tisch legen. Dafür gab es dann auch so exklusive Metallic-Sonderfarben wie Orange, Grün und Violett – zu einer Zeit, in der man in Europa schon viel Mut bewies, wenn das Auto hellblau oder dunkelgrün war.

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Ein Treser Hunter mit seinem Designer Hans-Joachim Walitschek. pr

Auf zwei der seltenen Hunter in Grün und Violett treffen die Treser-Reisenden schon beim Einchecken im Hotel etwas außerhalb von Omans Hauptstadt Muskat, in einer Bucht direkt am Golf von Oman. Die Wagen gehören Treser-Clubmitglied Abdullah Alaghbari. Er ist ein großer Fan von Walter Treser und war schon mehrmals in Hameln zu Gast. Zusammen mit der Treser-Clubfahne empfangen die Hunter vor dem Hotel die Gäste. Den grünen würde Treser, der von einem Großteil der von ihm produzierten Autos noch mindestens eines in seinem Besitz hat, schon gerne mitnehmen, wie er Tage später der omanischen Presse erzählt, denn genau der fehlt in seiner Sammlung in Hameln.

Dünenfahrten,

Kamelreiten und Beduinen-Wüstencamp

Aber es kommt noch besser: Bei einer Einladung auf das Gelände der Oman Automotive Association, dem automobilen Dachverband des Oman, der zahlreiche Rallye-, Kart- und Motorsportclubs vereint, zeigt Alaghbari einen dritten Hunter in Orange und ganz stolz einen roten Treser Quattro Roadster, dessen Restaurierung gerade abgeschlossen ist. Bei einer Abendveranstaltung zu Ehren der Gäste aus Hameln mit einer Pressekonferenz für omanische Medienvertreter präsentieren Mitglieder der verschiedenen Clubs der Oman Automotive Association ihre Fahrzeuge, restaurierte Oldtimer, aber auch besondere „Crazy Tuning Cars“. Eine Drift-Show auf der Rennstrecke, die der Sultan bauen ließ, um illegale Rennen und andere riskante Fahrmanöver auf den öffentlichen Straßen Muskats einzudämmen, und ein gemeinsames Abendessen runden den Besuch ab. Weitere automobile Höhepunkte der Oman-Reise der Mitglieder des Treser Clubs waren neben viel Kultur und dem Erleben von Land und Leuten eine Offroad-Exkursion in die Wüste mit Dünenfahrten, Kamelreiten und Übernachten in einem Beduinen-Camp und eine Tour mit Jeeps entlang eines Wadis, einem ausgetrockneten Flussbett – von den Bergen bis zum Meer.



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