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Anton Wilhelm Strack war vor 200 Jahren Hofmaler in Bückeburg

Ansichten ohne Straßen und Gleise

Weserbergland-Ansichten ohne Autostraßen und Eisenbahngleise – der vor 260 Jahren geborene Hofmaler und Professor für Zeichenkunst Anton Wilhelm Strack (1758-1829) darf als Pionier des hiesigen Fremdenverkehrs gelten. Er hat die heimische Landschaft so früh und so schön im Bild festgehalten wie kein anderer – trotzdem ist der Maler Anton Wilhelm Strack hierzulande fast unbekannt.

veröffentlicht am 28.07.2018 um 11:32 Uhr
aktualisiert am 30.07.2018 um 17:50 Uhr

Dieses Bild zeigt Hameln um 1790: Zu sehen ist unter anderem die Klütbefestigungsanlage Fort George und die Weser-Schleuse. Repro: gp

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Wilhelm Gerntrup Reporter zur Autorenseite
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Der Künstler lebte vor 200 Jahren als Hofmaler und Professor für Zeichenkunst in Bückeburg. Maler, Kupferstecher, Autor und Forscher – so wird Strack in der Fachliteratur beschrieben. In der Tat war der 1758 im hessischen Haina geborene und 1829 im Alter von 71 Jahren in Bückeburg verstorbene Künstler ein vielseitiger Mann. Das Talent war ihm sozusagen „in die Wiege gelegt“. Seine Mutter stammte aus der berühmten Malerfamilie Tischbein.

Nach mehreren beruflichen Zwischenstationen folgte Strack 1780 einem Ruf in die Bückeburger Residenz. Seine neue Dienstherrin war die ebenfalls aus Hessen stammende Fürstin Juliane. Die junge Frau machte Strack schon bald zum Hofmaler. Das sicherte ihm ein zwar bescheidenes, aber regelmäßiges Einkommen. Zu seinen Aufgaben gehörten die Betreuung der fürstlichen Gemäldegalerie und die Erteilung des Mal- und Zeichenunterrichts am Gymnasium. Hin und wieder musste er auch ein Portrait für und von den Schlossbewohnern anfertigen. Später kam das Entwerfen und Skizzieren von Grünanlagen hinzu. Als echtes Kind der Aufklärung hatte Juliane ein Faible für englische Gärten. Sie ließ neue Parks anlegen und große Teile der Altanlagen umgestalten. Strack lieferte die naturgetreuen Entwürfe für Grotten, Tempel, Ruhezonen und Wasserspiele.

Solange seine fürstliche Gönnerin lebte, ging es Strack einigermaßen gut. Doch als Juliane 1799 völlig überraschend starb, brachen für den Hofmaler schwierige Zeiten an. Hinzu kam, dass seit 1811 – unter dem Diktat der französischen Besatzer – das kulturelle Leben ohnehin weitgehend zum Erliegen kam.

Blick von den Luhdener Klippen über das Wesertal und Rinteln: Dieses Bild entstand um 1823. Repro: gp
  • Blick von den Luhdener Klippen über das Wesertal und Rinteln: Dieses Bild entstand um 1823. Repro: gp
1805 gemalt: die alte Mindener Weserbrücke und der Blick auf die Porta Westfalica. Repro: gp
  • 1805 gemalt: die alte Mindener Weserbrücke und der Blick auf die Porta Westfalica. Repro: gp
Ansicht von Bückeburg aus Richtung Norden (1825). Repro: gp
  • Ansicht von Bückeburg aus Richtung Norden (1825). Repro: gp

Strack, der inzwischen geheiratet und elf Kinder zu versorgen hatte, sah sich nach anderen Einkommensmöglichkeiten um. Sein neuer Schaffensschwerpunkt wurden Landschaftsportraits, Panoramaansichten und Buchillustrationen. Vor allem die Landschaftsmalerei brachte etwas ein. Die Ideen und Ideale der „Aufklärung“ hatten – vor allem beim städtischen Bildungsbürgertum – ein zunehmendes Interesse an Kultur, Natur und landschaftlicher Schönheit entfacht. Das steigerte sich während der anschließenden Romantik-Epoche zu einer geradezu schwärmerisch anmutenden Wander- und Entdeckerlust. Immer mehr machten sich selber auf den Weg.

200 Druckabzüge konnten auf Basis einer Kupfergravur hergestellt werden

Als Andenken hängte man Bilder von landschaftlichen und architektonischen Highlights übers Wohnstubensofa. An Fotoapparate und Postkarten wagte damals noch niemand zu denken, und (Original-)Ölgemälde oder Aquarelle waren dem Gros der Reiselustigen zu teuer. Stattdessen kaufte man Kupferstich-Abzüge. Der Kupferstichdruck war das damals gängigste, weil preiswerteste Vervielfältigungsverfahren. Von einer sauber gravierten Platte konnten mehr als 200 Abzüge brauchbarer Qualität hergestellt werden.

Strack nahm sich besonders attraktive und deshalb gern und oft besuchte heimische Motive vor. Dazu gehörten historische Stadtansichten zwischen Hameln und Minden ebenso wie Abbildungen aus dem Wesertal, von den Externsteinen und vom Steinhuder Meer. Ein besonderer touristischer Anziehungspunkt jener Zeit war die Porta Westfalica. Zwischen 1786 bis 1826 fertigte Strack allein sechs verschiedene Darstellungen der Weser-Pforte an. Sehr beliebt scheint auch die Wiedergabe von Eindrücken gewesen zu sein, wie sie sich beim Blick aus luftiger Bergeshöhe darboten. So hielt der Hofmaler unter anderem Panorama-Ansichten auf Rinteln, Eilsen, Pyrmont und auf das Flusstal unterhalb der Schaumburg in Bildern fest.

Die Malweise Stracks war bewusst auf den Geschmack seiner Zeit und die Ansprüche seiner Kundschaft ausgerichtet. Nicht selten sind im Vordergrund spielende Kinder, winkende Wanderer oder malerisch hingebettete Hirtinnen zu sehen. Auch die Weserkähne dürfen nicht fehlen. Der ganz große künstlerische Wurf sei dem Hofmaler nicht gelungen, so die Kunstkritik heute.

Trotzdem bezeugen die Bilder nach Ansicht der Fachleute – neben einer hervorragenden handwerklichen Technik – eine beeindruckende künstlerische Dichte und Harmonie. Darüber hinaus gelten die Darstellungen als Fundgrube für Historiker und Geologen. So sind unter anderem der damalige Weserverlauf, die Ausformung der Berghänge und die Wegeführung vor Beginn der großen Veränderungen im Gefolge des Eisenbahn- und Straßenausbaus zu sehen.

Bei der Herstellung seiner Bilder ging Strack mit professioneller Routine vor. Als Erstes hielt er das Motiv an Ort und Stelle in Form einer Handzeichnung fest. Danach fertigte er zuhause eine Kupfergravur. Die bis zu 200 Druckabzüge erhielten einen sparsam dosierten Farbanstrich. Dadurch gedieh jedes Blatt zu einem Original. Eine auf diese Weise hergestellte Graphik kostete damals etwa zweieinhalb Thaler. Heute muss man für ausgesuchte Stücke bis zu 5000 Euro hinblättern.

Ergänzend zu seinen Ansichten brachte Strack später auch Reisebeschreibungen zu Papier. Für Kurgäste und Liebhaber Bad Eilsens gab er den „Wegweiser durch die Gegend um Eilsen“ heraus. Und zu seinen Porta-Blättern bot Strack eine Broschüre mit dem Titel „Die westphälische Pforte“ an. So gesehen muss der Hofmaler als Pionier des hiesigen Fremdenverkehrs gelten.



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