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Andere Länder – andere Verkehrsregeln

Wer in der Schweiz seinem Bleifuß freien Lauf lässt, riskiert dabei, sein Fahrzeug zu verlieren – diese Nachricht ging kürzlich durch die deutschen Medien. Exakt gilt in dem Alpenstaat: Wer in Tempo-30-Zonen die Geschwindigkeit um mindestens 40 Kilometer pro Stunde überschreitet, kann durch eine gerichtliche Anordnung sein Fahrzeug verlieren. Selbiges gilt bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts ab 50 Stundenkilometern, außerorts ab 60 und auf Autobahnen von mindestens 80 Kilometern pro Stunde.

veröffentlicht am 16.08.2014 um 00:00 Uhr

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Allerdings darf man auf Schweizer Autobahnen sowieso höchstens 120 Stundenkilometer auf dem Tacho haben. Wer also mit 200 Sachen über die Autobahn prescht, hat Grundlegendes der Schweizer Verkehrsordnung offensichtlich nicht verstanden – und ist sein Fahrzeug dann unter Umständen los.

Und auch sonst ahnden die Schweizer Geschwindigkeitsüberschreitungen schärfer als die Deutschen. Wer in der Bundesrepublik innerorts die Geschwindigkeit bis zu zehn Stundenkilometer überschreitet, muss 15 Euro Bußgeld zahlen, außerorts sind es 10 Euro. Im Land der Eidgenossen sieht es hingegen anders aus. Wer die Geschwindigkeit innerorts wie außerorts bis zu fünf Stundenkilometer überschreitet, muss schon mit 40 Schweizer Franken, umgerechnet etwa 33 Euro, Bußgeld rechnen. Auf der Autobahn sind es hingegen nur 20 Schweizer Franken. Ab fünf bis zehn Kilometern pro Stunde Geschwindigkeitsüberschreitung sind es innerorts bereits 120 Schweizer Franken, außerorts 100 Franken und auf der Autobahn 60 Franken.

Auch der benachbarte Alpenstaat weist eine kuriose Verkehrsregel auf – zumindest in puncto Erfassung von Temposünden. Die österreichische Polizei braucht nämlich nicht zwingend ein Radarmessgerät oder eine Lasermesspistole, um die Geschwindigkeit zu ermitteln. Bei Temposünden bis zu 30 Stundenkilometern kann das Vergehen durch die österreichische Polizei ohne technische Hilfsmittel zur Beweissicherung registriert und geahndet werden.

Hinzu kommt, dass in Österreich zwar innerorts allgemein hin die Marke von 50 Kilometern pro Stunde nicht überschritten werden sollte, allerdings ist dafür auch nach dem Ortseingangsschild eine Beschilderung des Tempolimits notwendig. Wer also auf einer Straße, auf der 70 Stundenkilometer erlaubt sind, in eine Ortschaft fährt, muss seine Fahrt nicht drosseln, wenn im Ort die Höchstgeschwindigkeit mittels Verkehrsschild nicht neu geregelt wird. Selbiges gilt auch, wenn der Ort wieder verlassen wird. Sollte ein Schild nicht auf die Aufhebung der innerörtlichen Geschwindigkeitsbegrenzung – oder ein neues Tempolimit hinweisen – gilt weiterhin die im Ort erlaubte Fahrgeschwindigkeit.

Wenn der deutsche Amtsschimmel nach einem Bußgeld von einem Verkehrssünder wiehert, kommt der Missetäter meist nicht um die Zahlung herum. Und einen Rabatt auf das Bußgeld gibt es in der Bundesrepublik nicht. Doch im Ausland sind Rabatte oft gängige Praxis.

Wer schnell zahlt, zahlt nur die Hälfte

Die Spitzenreiter im europäischen Ausland sind mit 50 Prozent Nachlass Großbritannien, Griechenland, Slowenien und Spanien. Für diese Staaten gilt: Wer schnell zahlt, zahlt nur die Hälfte. Am meisten Zeit zur Begleichung eines reduzierten Bußgeldbetrags bietet Spanien den Verkehrssündern an. Ganze 20 Tage hat der Beschuldigte Zeit, für seinen Verstoß zu zahlen.

In Großbritannien wird dem Sünder bei Verwarngeldern 14 Tage Zeit gelassen. Allerdings gilt dort der Rabatt nur für Parkverstöße, Vergehen gegen die City-Maut und die Umweltzone.

Immerhin zehn Tage Zeit, die verminderte Forderung zu zahlen, haben die Missetäter in Griechenland. In Slowenien gelten acht Tage zur Begleichung der Hälfte des geforderten Betrags.

Einen 30-prozentigen Rabatt beim Bußgeld gewährt Italien innerhalb einer Frist von fünf Tagen. In der Türkei können Verkehrssünder immerhin auf einen Nachlass von einem Viertel der geforderten Summe hoffen, wenn sie die Rechnung innerhalb von 15 Tagen begleichen.

In Belgien hingegen gilt, wer sich auf die Zahlung eines Vergleichsvorschlags der dortigen Staatsanwaltschaft einlässt, kann einen zehnprozentigen Rabatt in Anspruch nehmen.

Für alle Staaten gelten die Fristen ab Zustellung des Bußgeldbescheides. Sollten die Verkehrssünder von der Polizei angehalten worden sein, wird der Rabatt nur bei sofortiger Zahlung gewährt. Frankreich ist in Sachen Verkehrsvergehens-Rabatte flexibler. Je nach Verstoß wird ein Nachlass zwischen 13 und 45 Euro gewährt. Beim Telefonieren am Steuer werden bei fristgerechter Begleichung aus den geforderten 35 Euro zum Beispiel nur noch 22 Euro. Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung außerhalb von Ortschaften von 20 Kilometern pro Stunde sind grundsätzlich 135 Euro fällig, bei fristgerechter Bezahlung jedoch nur 90 Euro.

Die Fristen in Frankreich sind unterschiedlich. Bei sofortiger Aushändigung der Zahlungsaufforderung durch die Polizei vor Ort werden drei Tage gewährt; bei einer postalischen Zustellung eines Bußgeldbescheides nach Feststellung vor Ort 15 Tage und nach postalischer Zustellung eines Bußgeldbescheides aus der automatischen Verkehrsüberwachung 30 Tage.

Anders als in Deutschland ist in vielen anderen Ländern bei Autos Licht am Tag Pflicht. In Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, der Slowakei, Slowenien und Tschechien muss das Licht am Auto das gesamte Jahr über auch tagsüber eingeschaltet sein. In Bulgarien hingegen muss tagsüber nur das Licht vom 1. November bis zum 1. März eingeschaltet sein. In Kroatien müssen die Scheinwerfer am Tag nur vom 31. Oktober bis zum 31. März bei der Fahrt eingeschaltet werden. Außerhalb geschlossener Ortschaften ist Tagfahrlicht in Italien und Ungarn Pflicht. In Österreich muss das Abblendlicht am Tage eingeschaltet werden, wenn die Sicht schlecht ist. Eine genaue Definition dazu fehlt.

Wer im europäischen Ausland gegen die Verkehrsregeln verstößt, muss grundsätzlich mit einer postalischen Zahlungsaufforderung rechnen, sagt Bernd Gstatter, ADAC-Jurist für Auslandsrecht. „Allerdings kann der Zahlungsaufforderung behördlich in Deutschland nur nachgegangen werden, wenn mindestens 70 Euro verlangt werden“, fügt der Jurist hinzu.



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