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Ja, tatsächlich: Es gab mal ein Leben vor dem Internet. Wie das Leben damals so war? Wir blicken zurück.

Als es beim Surfen noch um Wasser ging …

Die jungen Leute können es ja kaum glauben, aber doch, es ist verbrieft: Es gab mal ein Leben vor dem Internet. Vor 30 Jahren lebte die Welt noch mit dem Brockhaus im Bücherschrank – anstatt Google auf dem iPad. Seit 20 Jahren gibt es auch uns online. Am 31. Januar 1998 ging unsere Zeitung ins Internet, verbreitete fortan auch ungedruckte Nachrichten. Anlässlich des runden Geburtstages widmen wir einen Vierteiler diesem Ereignis. Heute Teil eins: das Leben vor dem Internet.

veröffentlicht am 30.01.2018 um 19:11 Uhr
aktualisiert am 30.01.2018 um 20:00 Uhr

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Thomas Thimm

Autor

Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Als wir zum Surfen noch ans Meer gefahren sind“, lautet der Titel eines höchst amüsanten Buches von Boris Hänßler, der aus einer Zeit erzählt, als das Navi noch Beifahrer hieß, es bei Urlaubsreisen noch Geheimtipps gab und Schulreferate noch mühsam aus so altmodischen Quellen wie Büchern zusammenrecherchiert werden mussten. Das Leben vor dem Internet war manchmal ärgerlich und umständlich, dafür hielt es aber einige Überraschungen parat – und konnte so herrlich entspannend sein.

Ein großer Vorteil damals war: Man musste nicht ständig und überall online sein. Man stelle sich heute einfach – das ist die Stelle, an der junge Menschen lachen oder wenigstens müde lächeln müssen, weil sie sich das eben nicht einfach mal so vorstellen können –, also: man stelle sich mal einen Tag ohne Smartphone vor. Also wirklich ohne. So ganz ohne. Kein Handy, kein WhatsApp, keine SMS, kein Facebook, kein Twitter, kein Instagram, kein Snapchat. Kein gar nichts.

Geht nicht? Doch, das geht. Also drücken wir es im Konjunktiv aus: Es ginge. Wenn man denn wollte. Früher – ach du je, jetzt sprechen die Alten von früher – da musste es gehen. Da gab es kein Internet, kein Handy, kein Smartphone. Da war das normal ohne. Das Leben Marke offline hatte allerdings auch so seine Vorteile. Und zwar durchaus gleich mehrere. Echt, wir schwören …!

Tim Berners-Lee
  • Tim Berners-Lee

Erstens hat man miteinander gesprochen. Von Angesicht zu Angesicht. Menschen miteinander, durcheinander, übereinander, jedenfalls haben sie ihren Mund benutzt, um zu kommunizieren, und nicht etwa nur die Finger.

Zweitens hat man gesehen, wenn man gegen eine Laterne gelaufen, eine Treppe hinuntergefallen oder auf der Straße über irgendetwas gestolpert ist. Denn die Menschen hatten damals eine ganz andere Körperhaltung, da man geradeaus geschaut hat und nicht nur ständig nach unten.

20 Jahre ist es her, dass unsere Zeitung online ging

Drittens war man im Gegensatz zu heute entschleunigt. Wenn jemand in den Urlaub gefahren ist, dann durfte er in aller Ruhe alles genießen, Fotos machen, mit nach Hause bringen und dann im engsten Kreis die Schnappschüsse herumreichen. Heute fotografieren hungrige Reisende ihr Essen, um es bei Facebook der ganzen Welt zu zeigen.

Heute ist alles anders. Die meisten Deutschen unter 30 sind mit dem Internet mehr oder weniger aufgewachsen. Selbst viele ältere Semester können sich ein Leben ohne Internet kaum noch und wenn doch, dann nur sehr schwer vorstellen. Zu diesem Vorstellen gehört, dass man sich in eine andere Welt hineindenkt, eine Welt ohne Google, ohne Stand-by, ohne dieses immer-und-ständig-und-überall-verfügbar-sein, ohne Online-Trading, ohne vernetzte Welt, ohne Suchmaschinen, die sich merken, was wir gestern gesucht haben. Ohne Amazon. Ohne Freunde, die gar keine sind. Ohne dieses alles umspannende Spinnennetz, das wir selbst um uns ziehen und auch von anderen ziehen lassen. Von dem wir immer mal wieder denken, ob es denn wirklich gut für uns ist? Das uns aber nicht loslässt – und das wir auch nicht loslassen wollen oder können, oder Gott weiß wie man diese Abhängigkeit nennen soll.

Wer heute etwas wissen will, der fragt zuerst die Suchmaschine. Das ist mal sicher. Schließlich gibt es im Internet zu jedem Thema die passende Seite. Wer Informationen für den Schulaufsatz braucht, geht auf Wikipedia. Und wer nach Heimwerktipps sucht, kann sich auf YouTube Rat von Experten zeigen lassen. Ob all diese Informationen etwas taugen? Das überprüft in diesem Moment wohl kaum jemand. Steht doch im Internet. Wird schon stimmen.

Was haben wir eigentlich vor Google gemacht? Nun, zugegeben, das war mühseliger. Man hat zuerst im Bekanntenkreis herumgefragt. Wusste dort niemand weiter, hieß es: Nachschlagen im Wörterbuch, im Brockhaus, in der Enzyklopädie des Hauses – oder aber gleich ab in die Bibliothek. Als Schüler und Student verbrachte man viel Zeit zwischen Bücherregalen. Das richtige Buch zu finden, war eine Kunst. Wer sich mit Karteikärtchen nicht auskannte, war verloren. Hoppla, Karteikärtchen … Für die jungen Leser: Das war so etwas Ähnliches wie die Wortvorschläge in der Suchzeile bei Google, nur aus Papier. Und analog.

Man stelle sich vor: kein Internet, kein Handy, kein WhatsApp, keine SMS, kein Facebook, kein Twitter, kein Instagram, kein Snapchat. Gar nichts

Vor dem Internet waren auch Fachmagazine zu den verschiedensten Themen sehr beliebt. Schließlich konnte man die Informationen nicht einfach mit einem Klick gratis aus dem Internet herunterladen. Ob Gartenmagazine mit den neuesten Tricks, wie man die Rosen vor Läusen schützt, oder das Bastlerheft mit Vorschlägen, was man aus Holz so alles machen kann. Diese Hefte waren ungeheuer populär und eine Fundgrube an nützlichen Tipps und Tricks.

Wer damals auf Reisen ging, kaufte sich an der Tankstelle nicht nur eine Erfrischung, sondern auch Landkarten und Straßenpläne. Ohne GPS musste man seinen Weg ganz alleine finden oder sich auf die Kartenlesekünste des Beifahrers verlassen. Und am Urlaubsort lief man dann mit einem Reiseführer in der Hand von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Ach, war das herrlich altmodisch …

Heute sind Computerspiele ein fixer Bestandteil des Alltags. Mit dem Smartphone kann man sich schnell ein paar Minuten die Zeit vertreiben, während man auf den Bus wartet. Vor noch nicht allzu langer Zeit musste man sich ein Buch mitnehmen und, wie schrecklich, lesen! Oder man hörte, aber das war dann schon ein bisschen später und damals ultramodern, auf dem Walkman Musik. Statt der heutigen Online-Spiele gab es Brett- oder Kartenspiele. Und wer dem Glücksspiel frönen wollte, musste sich zuerst in Schale werfen und zur nächsten Spielbank fahren, was oft zu einer abendfüllenden Veranstaltung wurde. Einfach ein paar Runden Poker oder Roulette zu spielen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Dass man eines Tages auf dem Handy Spielautomaten, Blackjack und Poker online um richtiges Geld spielen könnte, war damals Science-Fiction. Tja, das waren Zeiten. Der eine findet, sie waren besser. Der andere findet, sie waren schlechter. Sagen wir, sie waren anders.

So, und nun dürfen alle wieder ans Handy, um zu schreiben, suchen, googeln, empfangen, schicken, liken, posten. Und wenn es ganz verrückt wird, auch mal telefonieren … Oder Zeitung lesen. Auf www.dewezet.de

Lesen Sie am Donnerstag Teil 2: Vor 20 Jahren startete dewezet.de

Information

Der Vater des Internets

Das Internet geht auf eine Idee von Tim Berners-Lee zurück, der am 12. März 1989 ein Konzept für ein einheitliches Kommunikationsprotokoll vorlegte. Darüber hinaus entwickelte er den ersten Web-Browser und die Skriptsprache HTML und gilt damit für viele als Vater des Internets. War das Internet anfangs ein recht komplexer Weg, nicht miteinander telefonieren zu müssen, entwickelte es sich schnell weiter. Heute findet ein Großteil des Lebens online statt.



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