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Alles klar? Trinkwasser unter Verdacht

Durst machen die Bilder nicht. Der TÜV Rheinland hat zusammen mit dem ARD-Magazin „Plusminus“ die Trinkwasserqualität in öffentlichen Gebäuden untersucht. An Orten wie einer Damentoilette des Hannoveraner Rathauses wurden Proben aus den Wasserhähnen gezapft und schließlich in Petrischalen mit unappetitlichem Inhalt in die Kamera gehalten: Bis zu 100 Kolonien von Krankheitserregern dürfen in einem Milliliter Leitungswasser schwimmen. Das bis zu achtfache fanden die Tester. Nachgewiesen wurden in einigen Fällen Coli-Bakterien, Legionellen und Resistente Pseudomonaden, besser bekannt als Krankenhauskeime. Die Hälfte der 50 Proben sei mit besonders vielen oder gefährlichen Keimen belastet gewesen, hieß es…

veröffentlicht am 04.08.2011 um 00:00 Uhr

Trinkwasser ist ein intensiv überwachtes Lebensmittel. In Hausleitungen und an Wasserhähnen kann es jedoch zu Verunreinigungen k

Autor:

Frank Henkeund Philipp Killmann

Alarmstimmung in der Frischwasserbranche also? Mitnichten: Das Rintelner Trinkwasser weise laut Reinhold Kölling von den Stadtwerken „sehr gute“ Qualität auf. In den Rintelner Wassergewinnungsgebieten – Brunnengebiet Heinekamp, Rintelner Wiesen, Eigenversorgung Goldbeck, Quellgebiete Hohenrode und Deckbergen – werden einmal pro Jahresquartal von dem staatlich anerkannten Labor Pientka aus Coppenbrügge Wasserproben entnommen und die Ergebnisse dem Gesundheitsamt Schaumburg sowie den Rintelner Stadtwerken mitgeteilt, sagt Kölling. Das Rintelner Trinkwasser zeichne sich zudem dadurch aus, dass es ohne chemische Zusätze wie Chlor auskomme. Das sogenannte Rohwasser werde lediglich, bevor es als Reinwasser in die Leitungen komme, noch von einer UV-Entkeimungsanlage behandelt. „Dabei tötet eine elektrische Strahlung etwaige Keime ab. Aber das ist eine reine Sicherheitsmaßnahme“, sagt Kölling.

Die nachgewiesene Verkeimung des Wassers fällt allerdings auch nicht in den Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke. Dieser endet an der Hauswand. Doch hier fangen mitunter die Probleme an. Zwar ist alles rund um Trinkwasser-Installationen in der Industrienorm DIN 1988 geregelt, doch welcher Privathaushalt arbeitet schon jederzeit nach Norm? Bei langen Stillstandszeiten könne die Trinkwasserqualität leiden, heißt es im DIN-Text zum Beispiel „durch erhöhte Konzentration von in Lösung gehenden Werkstoffen bzw. durch Keimvermehrung“. Folglich gelte: „Leitungen, die nicht mehr benutzt werden, sind abzutrennen.“

Dass dieser Hinweis seine Berechtigung hat, wurde vor zwei Jahren auch im Hamelner Krankenhaus in der Wilhelmstraße deutlich. Eine ungewöhnlich hohe, und für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährliche Konzentration von Legionellen fand sich dort im Mai 2009 im Leitungswasser. Die angenommene Ursache: Im Zuge von Umbauten und Umnutzungen wurden etliche Wasserleitungen im Krankenhausgebäude im Laufe von Jahrzehnten stillgelegt. Von der Hauptleitung wurden die toten Arme dabei jedoch nicht getrennt. Durch Druckschwankungen vermischte sich das stehende mit dem frischen Wasser. Denn in geringen Mengen sind Legionellen in fast jedem Wasserstrahl zu finden. Sie können sich aber zu gesundheitsgefährdenden Mengen vermehren, wenn das Wasser lange in den Leitungen steht. Legionellen sind gefährlich, wenn sie eingeatmet werden – beispielsweise beim Duschen. Sie können Lungenentzündungen auslösen. Werden Legionellen mit dem Wasser getrunken, besteht für Menschen mit gesundem Immunsystem keine Gefahr. Im Krankenhaus an der Wilhelmstraße minimierten damals Filter in den Duschen die Gefahr. Bereits damals wurde die Wasserqualität in Krankenhäusern besonders häufig – in einigen Bereichen sogar wöchentlich – vom Gesundheitsamt des Landkreises Hameln-Pyrmont untersucht. In anderen öffentlichen Gebäuden, wie etwa Schulen, seien die Untersuchungsintervalle länger.

Wasseruntersuchung beim TÜV Rheinland. Im Wasser aus Hähnen in öffentlichen Gebäuden wurden gesundheitsschädliche Keime gefunden. Foto: dpa

Der Landkreis Schaumburg verfügt laut Kreissprecher Klaus Heimann über etwa 150 öffentliche Gebäude. Überwiegend externe Labore entnähmen regelmäßig – „einmal im Jahr“ – Proben aus den Zapfstellen. „Das Gesundheitsamt entnimmt pflichtgemäß aber auch selbst Proben“, merkt Heimann an.

Der letzte ernstere Fall, in dem Keime festgestellt wurden, liege etwa zehn Jahre zurück. „Da wurde für die Bürger ein Abkochgebot verhängt“, erzählt der Kreissprecher. Klar würden immer mal wieder Keime festgestellt, „wenn zum Beispiel durch starke Regenfälle Keime in die Brunnen gespült werden“, so Heimann. Aber dann würden sofort entsprechende Maßnahmen, wie Chlorzufuhr, getroffen. In den letzten Jahren sei es laut Gesundheitsamt zu keinen ernsteren Verunreinigungen gekommen – auch nicht bei den jüngsten, besonders heftigen Regenfällen in Rinteln.

Vom 1. November an werden die Kontrollen verschärft, eine geänderte Trinkwasserverordnung tritt in Kraft. Aber die Erreger können sich nicht nur in öffentlichen Gebäuden, sondern ebenso gut in den Wasserleitungen von Privathaushalten breitmachen. Das raten Experten, um die Vermehrung ungesunder Keime im Trinkwasser zu vermeiden:

Wasserarmaturen regelmäßig und gründlich reinigen. Coli-Bakterien können durch mangelnde Hygiene ins Trinkwasser gelangen. Auch die Perlatoren – die Endstücke am Wasserhahn – brauchen regelmäßig ein Reinigungsbad.

Tote Leitungen abklemmen. Wenn Leitungen länger nicht benutzt werden, weil beispielsweise eine Wohnung leersteht, können sich dort Keime anreichern, die dann auch in andere Leitungsteile geraten können. Deshalb nicht benötigte Leitungen abklemmen!

Das Wasser laufen lassen. Wenn das Wasser längere Zeit in den Leitungen gestanden hat, sollte man es zunächst eine Weile laufen lassen. „So lange, bis das Wasser kalt wird“, rät Karl Michael Wiehe von den Stadtwerken Hameln. Kühleres Wasser deutet darauf hin, dass es aus der Bodenleitung außerhalb des Hauses kommt. Das Umweltbundesamt empfiehlt, dass Wasser nicht länger als vier Stunden in den Leitungen gestanden haben sollte. Ansonsten könnten sich in diesem „Stagnationswasser“ auch Inhaltsstoffe aus dem Installationsmaterial angereichert haben. „Allgemein kann gesagt werden: Wasser muss fließen“, heißt es aus dem Gesundheitsamt Hameln-Pyrmont.

Leitungen mit heißem Wasser durchspülen. Legionellen fühlen sich bei 20 bis etwa 55 Grad besonders wohl. Deshalb ist es sinnvoll Leitungen möglichst heiß durchzuspülen. Das Umweltbundesamt empfiehlt, an der Heißwasser-Therme eine Temperatur von mindestens konstanten 55 Grad einzustellen. „Wer mehr Sicherheit möchte, sollte auf 60, 70 Grad erhöhen“, rät TÜV-Sprecherin Stefanie Drückler.

Vorsicht bei der Wundbehandlung: Auch kleine offene Wunden wie Schnitte im Finger besser nur mit sterilem Wasser reinigen.

Fachleute ranlassen. „Arbeiten an der Trinkwasser-Installation sind nichts für Heimwerker“, betont das Umweltbundesamt. Wer Probleme und Verunreinigungen verhindern will, sollte einen Fachbetrieb beauftragen. „Mieter können sich bei Problemen mit der Trinkwasser-Installation oder Verdacht auf technische Unregelmäßigkeiten an ihren Verwalter oder Vermieter wenden. Wenn dies nicht zu Abhilfe führt, kontaktieren Sie das zuständige Gesundheitsamt“, teilt das Bundesamt mit. „Aufbereitungsanlagen sollen nur, wenn sie erforderlich sind verbaut werden“, ergänzt das Gesundheitsamt in Hameln.

Immer gut abtrocknen. Beim Händewaschen – besonders außer Haus – die Hände gut abtrocknen. Das beseitigt zumindest einen Großteil möglicher Keime.

Das Fernsehen warnt – und die Verbraucher sind beunruhigt: Von keimverseuchtem Trinkwasser aus den Hähnen öffentlicher Gebäude ist Rede. Ist das Händewaschen unterwegs nun auch in unserer Region ein Gesundheitsrisiko? Und was bedeutet das für das Wasser aus dem Hahn daheim? Experten antworten.



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