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Hamelner Kreuzfahrer sitzen wegen Bauverzögerung ihres Schiffes auf dem Trockenen

Alles andere als „Prima“

Eigentlich sollte das neue Flaggschiff von Aida Cruises im Oktober auf Jungfernfahrt gehen. Doch bei der „Aida Prima“ gibt es eine erneute Verzögerung. Erst ab April 2016 können Gäste an Bord gehen. Enttäuscht von dieser Nachricht sind auch Hamelner, die sich schon auf die Reise gefreut haben. Mehr noch: Sie sind sauer.

veröffentlicht am 10.08.2015 um 09:29 Uhr
aktualisiert am 11.08.2015 um 14:11 Uhr

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Hameln. Endlich! Der Ruhestand eröffnet für viele Menschen ungeahnte Möglichkeiten. Sport treiben, einen Garten pachten, eine große Reise machen – Möglichkeiten, sich das Leben fernab aller Hetze am Arbeitsplatz schön zu machen, gibt es viele. Und nicht wenige träumen davon, erst einmal nur zu genießen und sich auf große Fahrt zu begeben. Manchmal aber endet dieser Traum – als Alptraum!

Es hätte alles so schön sein können. Als Eduard Vierig nach langen Jahren im Beruf zum letzten Mal zur Arbeit fuhr, stand für den Hamelner fest: Jetzt geht es auf große Fahrt! Und es brauchte nicht viel, um seinen fast gleichaltrigen Freund Winfried Feller (beide Namen von der Redaktion geändert) zu überreden, mitzukommen. Gesagt, getan also. Die Freunde schmiedeten Pläne. Und schnell waren sie sich einig: Dem üblichen winterlichen Schmuddelwetter in Hameln wollten sie auf jeden Fall entkommen. Und da beide nunmehr ohne berufliche Verpflichtungen sind, wollten sie mal länger als die üblichen zwei, maximal drei Wochen die Seele baumeln lassen. Eine Kreuzfahrt sollte es sein.

Auch die Entscheidung für die Route fiel den beiden nicht schwer: Mit der „Aida Prima“, einem Mega-Schiff für 3300 Passagiere, das zurzeit auf einer japanischen Werft in Yokohama gebaut wird, wollten sie eine Reise quer durch Südostasien antreten – China Vietnam, Singapur, Taiwan, Malaysia, Thailand, Indien und Sri Lanka, danach Oman und dann noch eine Woche Dubai drangehängt. Die Destinationen der „Prima“ sollte sie in viele ferne Länder und Kulturen führen, und das vom 1. Oktober bis zum 20. November. Ein befreundetes Ehepaar aus Celle zeigte sich angesichts der Planungen so begeistert, dass es ebenfalls mitschippern wollte.

Der Enthusiasmus allerdings währte lediglich bis zum 4. August. Denn dann kam Post aus Rostock, der Aida-Reederei, die den Traum einer Jungfernfahrt wie eine Seifenblase zerplatzen ließ. In einem Schreiben teilte Präsident Michael Unger den Kunden aus Hameln mit, er habe ihnen „leider eine Mitteilung zu machen, die mir außerordentlich schwer fällt“: Die „Aida Prima“ werde nicht zeitgemäß fertig, die Jungfernfahrt müsse leider, leider abgesagt werden. Wegen erneuter Verzögerungen beim Bau durch Misubishi Japan geht das neue Kreuzfahrtschiff nämlich im nächsten Jahr und nicht in diesem Herbst auf Fahrt. Die Mitsubishi-Werft in Nagasaki kann den Zeitplan nicht einhalten. „Es gibt nicht einen speziellen Grund, sondern mehrere kleinere Verzögerungen“, sagte Hansjörg Kunze, Sprecher von Aida Cruises. „Das Schiff ist in einem guten Zustand, aber eben noch nicht fertig.“ Von April 2016 an soll die „Aida Prima“ mit Platz für 3300 Passagiere, die Teil einer ganz neuen Schiffsklasse sein sollte, aber wie geplant zu ihren Westeuropa-Touren ab Hamburg aufbrechen. Die gesamte Jungfernfahrt ab Oktober von Yokohama über Dubai bis nach Hamburg wurde abgesagt, teilte Aida Cruises mit. Den Gästen sollen Alternativen auch zu geplanten Orientfahrten angeboten werden. Genaue Zahlen, wie viele Touristen betroffen sind, gibt es nicht. Ursprünglich war die Auslieferung der „Aida Prima“ für das Frühjahr 2015 vorgesehen. Der Sprecher wollte sich nicht dazu äußern, ob die Auslieferung des zweiten Aida-Schiffs von Mitsubishi im Frühjahr 2016 eingehalten werden kann. Nebenbei: Für 2019 und 2020 hat das Rostocker Unternehmen zwei weitere Kreuzfahrtschiffe mit Flüssiggas-Antrieb bestellt. Sie werden übrigens wie zuvor die Flottenschiffe dann wieder in der Meyer-Werft in Papenburg gebaut werden.

Als Trostpflaster bot der Präsident den Hamelner Reisenden und dem Ehepaar aus Celle (wie wohl auch allen anderen) an, bei Umbuchung der geplanten (und bereits mit etlichen 1000 Euro längst bezahlten!) Kreuzfahrt auf eines der zehn anderen Aida-Schiffe eine Ermäßigung von 50 Prozent zu gewähren. So seien zum Beispiel eine Atlantik-Überquerung mit Zielen in Kanada oder Grönland oder aber auch ein Karibik-Trip möglich.

„Völlig indiskutabel“ findet Vierig diesen Vorschlag. In der Karibik etwas sei dann gerade Tornado-Saison. „Und wer will schon im November nach Grönland?“ Dass die Reederei zugesagt hat, auch die bereits angefallenen Visa-Gebühren für die Jungfernfahrt in verschiedene Länder zu erstatten, ist für Vierig und seinen Freund übrigens nur ein schwacher Trost, auch wenn man für das Geld (mindestens 400 Euro pro Nase) schon eine kleine Mittelmeerkreuzfahrt habe machen können.

„Allein der bürokratische Aufwand, um diese ganzen Visa bei den unterschiedlichen Konsulaten mit ihren ganz einzigen und unterschiedlichen Bestimmungen zu bekommen, war riesig. Der Versuch, das Geld zurückzuerhalten, wird ähnlich aufwendig sein“, befürchtet er. Glück im Unglück: wenigstens mit ihrer Urlaubsplanung mussten die beiden, im Gegensatz zu vielen potenziellen Mitreisenden – keine Rücksicht mehr auf Kolegen nehmen.

Bei Vierig und Feller – sie hatten übrigens bereits 2014 die Jungfernfahrt mit der „Prima“ gebucht, die dann wegen Bauverzögerungen aber schon damals um ein Jahr verschoben werden musste – sitzt der Frust tief. Dass sie ihre Namen nicht nennen möchten, liegt unter anderem daran, dass sie im Herbst vielleicht doch noch auf Kreuzfahrt gehen. Ob mit der Aida-Reederei, ist aber nicht sicher. Der Frust sitzt tief.



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