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Es ist nicht nur die Lagerfeuerromantik, die Pfadfinder zusammenschweißt

Abenteurer und beste Freunde

Frieda und Rieke schauen auf ihre Hände, fummeln konzentriert an einem kleinen Stück Seil herum. Gekonnt schlingen sie immer neue Knoten in den Tampen, ziehen noch einmal fest an einem Ende des Stricks und begutachten ihr Werk. Die beiden 14-Jährigen sind Pfadfinderinnen. Sie verbringen den späten Montagnachmittag nicht beim Fußball, bei der Feuerwehr oder beim Musikunterricht, sondern sitzen auf einem Stapel Holz und üben Knoten.

veröffentlicht am 28.04.2014 um 00:00 Uhr

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Autor:

Katharina Grimpe und Martina Koch

Was für ihre Altersgenossen auf den ersten Blick langweilig sein mag, hat für Frieda, Rieke und die anderen „Pfadis“ des Stammes Askanier einen ganz lebenspraktischen Wert. Nur wer sich mit Knoten wie Palsteg, Überhandknoten oder Kreuzknoten auskennt, kann beim Aufbau von Kohte und Jurte – den Zelten der Pfadfinder – helfen und auf dem Segelboot die Segel setzen. Denn mit dem Zelt und per Boot auf Fahrt gehen – das ist die große Leidenschaft der Pfadfinder.

Fast 40 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 25 Jahren gehören aktiv zu den Askaniern, der einzige Pfadfinderstamm des Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) im Landkreis Schaumburg. Der BdP ist einer von drei großen Pfadfinderverbänden in Deutschland und hat sich die interkonfessionelle, erlebnispädagogische Jugendarbeit zur Aufgabe gemacht. Im Landkreis Hameln-Pyrmont ist der Stamm Helmburgis in Fischbeck unter dem Dach der BdP aktiv. Das Naturerlebnis in der Gemeinschaft steht auch beim Stamm „Bilche“ aus Bückeburg im Vordergrund. Die „Bilche“ gehören wie der Stamm Florian Geyer und der Stamm Kreuzfähnlein in Hameln sowie den Gruppen in Hämelschenburg und Hehlen zum Verband Christlicher Pfadfinder (VCP). Bei diesen Stämmen bedeutet Pfadfinden auch, den christlichen Glauben zu leben, mit Menschen, Tieren und der Natur gut umzugehen.

Die Gruppenstunden der Wölflinge, Pfadfinder und der Ranger und Rover – so heißen die unterschiedlichen Altersstufen im BdP – sind facettenreich. Ob Knotenkunde, Schnitzen mit Holz, Singen oder einfach nur Spielen: „Wir machen viel Handwerkliches mit natürlichen Materialien und beschäftigen uns mit Dingen, die im normalen Leben eher zweitrangig sind“, beschreibt Hannes Stintat von den Askianern. „Wie baut man eine Kohte auf, wie macht man Feuer? Das sind alles Fertigkeiten, die man auf Fahrt braucht“, sagt der 17-Jährige, der als Stammesführer so etwas wie der Vorsitzende der Askanier ist.

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  • Gezeltet wird in freier Natur. Die Nachbarn sind Ochsen.
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  • Jeder Stamm hat sein eigenes Abzeichen.
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  • Gekocht wird auf dem offenen Feuer.

Für Hannes ist die Pfadfinderei weniger ein Hobby als vielmehr ein Lebensgefühl. „Das Schönste ist die unglaubliche Gemeinschaft und Freundschaft“, schwärmt der Abiturient. Die Zeit bei den Pfadfindern sei für Kinder und Jugendliche „unglaublich intensiv“, die Fahrten und Lager würden die Gruppen eng zusammenschweißen, das Zusammensein in der Natur mache „einfach Spaß“.

Auf Fahrt gehen ist für die Pfadfinder das Schönste. Segeln, Paddeln, Radeln, Klettern, zu Fuß unterwegs sein, dabei in Zelten oder im Freien schlafen und am Lagerfeuer sitzen und singen: das alles geht ohne Handy, Internet, ohne Alkohol und meist ohne die Aufsicht von Erwachsenen. Schließlich sind die Pfadfinder laut BdP keine Bewegung für Kinder und Jugendliche, sondern eine Bewegung von Kindern und Jugendlichen, denen Erwachsene unterstützend zur Seite stehen.

Dabei haben die Askanier, wie alle BdPler in blauem Hemd und Halstuch gekleidet, oft mit schiefen Blicken und Vorurteilen zu kämpfen. „Viele wissen nicht, was wir machen und verbinden und mit der Hitlerjugend“, sagt Hannes, der sich und seinen Stamm stark vom Nationalsozialismus und der völkischen Jugendbewegung distanziert. Die Pfadfinderei stehe für eine offene, demokratische Gesellschaft und ein soziales Miteinander. Richtungspolitik spiele dabei keine Rolle. Mit dem Nachwuchs hat der Stamm keine Probleme, im Gegensatz zu anderen Stämmen, die auch unter der Schulzeitverkürzung leiden würden. Bei den „Bilchen“ sieht es ähnlich aus. „Wir haben konstant um die 50 Mitglieder“, sagt Stefan Specht. Natürlich kommt es auch bei den Bilchen zu Austritten aufgrund von Umzügen, Ausbildungsbeginn oder Ähnlichem, aber die Verluste gleichen sich nach Angaben von Specht immer wieder aus, unter anderem durch die Teilnahme der „Bilche“ am Ferienspaß.

Die „Pfadis“ fiebern einem besonderen Ereignis an Pfingsten entgegen: Traditionell finden dann große Zeltlager mit Tausenden Pfadfindern statt. „Wir bereiten uns intensiv darauf vor und überlegen, was wir beitragen können“, erläutert Specht. Für die Jüngsten der Gruppen sei das oftmals eine Herausforderung: Viele verbringen zum ersten Mal einige Nächte in einem Zelt und lernen, welche Ausrüstung dafür notwenig ist.

Mittendrin im Abenteuer: In Schweden machen die Askanier tierische Begegnungen, gekocht wird auf Fahrt oft direkt überm Feuer. Beim Wandern muss so manches Hindernis überwunden werden. pr. (5)

Auf Fahrt gehen und die Nächte im Zelt oder unter freiem Himmel verbringen,

ist für sie das Größte – auch ohne Handy und Internet. Für Pfadfinder zählen Freundschaft und das gemeinsame Naturerlebnis. Ein Besuch am Lagerfeuer.



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