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Experten können Leben retten

Ab in die Pilze - aber Vorsicht!

veröffentlicht am 23.09.2016 um 15:58 Uhr

Der erstmalig ausgerufene europäische Tag des Pilzes am 24. September wird dieses Jahr in unserer Region wohl ohne seinen Hauptdarsteller stattfinden. Denn der braucht, um das, was gemeinhin als Pilz wahrgenommen wird, auszubilden, ein gewisses Maß an Feuchtigkeit. Und daran mangelt es derzeit doch sehr. Nichtsdestotrotz ist dieser Tag, der von der Pilzzeitschrift „Tintling“ ins Leben gerufen wurde, eine begrüßenswerte Initiative. Pilze, so scheint es, führen nicht nur in der Natur ein Leben, das für uns zum großen Teil unsichtbar bleibt – der eigentliche Pilz, ein feines Geflecht aus fadenförmigen Zellen lebt nämlich im Boden oder auch im Holz – sie werden oft selbst dort vergessen, wo es um naturkundliche Bildung geht. „Dabei gibt es mehr Pilz- als Pflanzenarten“, schreibt der „Tintling“ im Internet. Den besten Zugang zur geheimnisvollen Welt der Pilze erhält man durch Menschen, die sich schon lange und gründlich mit dem Thema beschäftigt haben, durch Pilz-Sachverständige. Und während es Pilze ohne Zahl gibt, sind Sachverständige schon eher mit der Lupe zu suchen. In dieser Hinsicht ist das Weserbergland vom Schicksal begünstigt. In Rinteln-Todenmann lebt mit Annette Hinze eine Pilzfachfrau vor Ort.

Mit der vielseitigen Heilpraktikerin, Kräuterfrau und Pilzexpertin durch Wald und Wiesen zu wandern, ist selbst zur pilzarmen Zeit ein Erlebnis. Bei ihren Warnungen kann es richtig gruselig werden. „Pilzvergiftungen können heimtückisch verlaufen. Der Grüne Knollenblätterpilz beispielsweise, schmeckt erst mal mild. Nach frühestens sechs Stunden entstehen Magen-Darm-Symptome. Danach wiegt einen der sogenannte ‚falsche Frieden‘ in Sicherheit. Und schließlich kommt es zum Leberversagen“, lernen die Teilnehmer. Noch gemeiner seien die Folgen, die nach dem Genuss eines Orangen Raukopfes auftreten würden. „Da beträgt die Inkubationszeit bis zu 17 Tagen. Die Vergiftung führt zum Nierenversagen“, sagt die Mykologin. Sehr gute Speisepilze sind die bekannten Arten wie Steinpilz, Pfifferling und Champignon. „Dabei gilt es bei Steinpilz und Pfifferling zu berücksichtigen, dass diese zu den geschützten Pilzarten gehören. Die dürfen nur in haushaltsüblichen Mengen geerntet werden.“ Auch ganz Praktisches erfahren die Exkursionsteilnehmer: „Zum ‚Ernten‘ zu Speisezwecken entweder abschneiden oder vorsichtig herausdrehen, gleich im Wald säubern und putzen“ empfiehlt die Sachverständige. „Und wenn ihr dem Pilz etwas Gutes tun und auch im nächsten Jahr an dieser Stelle wieder fündig werden wollt, dann deckt die Pflückstelle mit etwas Erde und Blättern wieder zu“, fährt sie fort. Am Ende der Wanderung versteht man ein bisschen besser, wie manche Menschen der Faszination der Pilzwelt erliegen können. So viele Formen, Farben und unterschiedliche Lebensräume! Und erst die Namen: Ritterlinge, Rüblinge, Stäublinge, Krause Glucke… reinste Poesie. Wer diesen zauberhaften Wesen verfallen ist, denkt bei „Pilz“ längst nicht mehr in erster Linie ans Essen. „Uns Mykologen geht es vor allem um die Freude am Entdecken und Bestimmen“, lacht die Pilzsachverständige. Und da höre das Lernen nie auf. „Ich sitze auch im Winter über meinen Bestimmungsbüchern und bereite mich schon voller Freude auf die nächste Saison vor.“

Pilz-Exkursion: 8. Oktober 5. November. Annette Hinze, 05751/7870, annette.hinze@web.de



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