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90. Geburtstag kommt zwei Jahre zu spät

Die Eisberger Weserbrücke mit ihrer schlichten Eisenkonstruktion erweckt den Anschein, als habe es sie schon immer gegeben. Das ist zwar nicht so, aber immerhin hätte in diesem ihr 90. Geburtstag gefeiert werden können – wenn denn das Datum der Einweihung auf der Gedenktafel stimmen würde, die am Ende des flussaufwärts gewandten Bogens an der Zufahrt von der Weserstraße her die Jahreszahl 1922 nennt.

veröffentlicht am 28.02.2012 um 00:00 Uhr

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Aber so, wie es aussieht, war der runde Geburtstag bereits vor zwei Jahren. Das geht jedenfalls aus Unterlagen und Zeitungsberichten hervor, die der Eisberger Heimatfreund, Maler und Sammler Hans-Dieter Bonorden aufbewahrt. Sein Großvater Georg Pfeiffer war es, der als Architekt maßgeblich an den Planungen und am Bau der Brücke mitgewirkt hatte. Und diese Dokumente belegen: Die Brücke ist bereits im Jahr 1920 fertig gewesen und am 13. Dezember feierlich eingeweiht worden. So kann es auch Eisbergens Ortsheimatpfleger Rainer Busch bestätigen. Die Tafel sei nach der großen Brückenrestaurierung in den Jahren 1968/69 von der Stadt Porta Westfalica angebracht worden, wobei möglicherweise der Datumsfehler entstanden sei.

Der Ortsheimatpfleger war vor Jahren schon der Entstehungsgeschichte der Brücke nachgegangen und hatte dabei unter anderem auch den Aufsatz des Heimatkundlers Hans Reese zu Rate gezogen. Dieser schrieb 1985: „Die Geschichte der Weserübergänge in Eisbergen kann nur im Zusammenhang mit der Tatsache gesehen werden, dass Eisbergen das einzige Dorf des mittleren Wesertals ist, dessen Gemarkung über die Weser hinausreicht.“ Im Mittelalter waren ehemalige Ländereien zweier wüstgefallener Dörfer auf dem linken Weserufer in Eisberger Besitz übergegangen. In der Folge wurden Fähren eingesetzt, um diese Felder und Wiesen bewirtschaften zu können. Als schließlich in den Jahren nach 1900 die Wasserstraßenverwaltung wegen der Behinderung des aufstrebenden Schiffsverkehrs auf der Weser den Austausch der damaligen Tiefseilfähre gegen eine Fähranlage mit Hochseil verlangte, kam der Gedanke an den Bau einer Brücke auf.

Mitte 1909 lagen zwei Entwürfe für einen Brückenbau aus Eisenbeton vor. Vorgabe: Die Brücke sollte eine Mittelöffnung von 50 Meter Spannweite haben, und die Kosten wurden auf 93 000 beziehungsweise 102 500 Mark beziffert. Die Gemeindeväter plädierten für den Bau, falls die Kommune nicht mehr als 15 000 bis 20 000 Mark beisteuern müsse. Als 1912 in der Hauptsache Landbesitzer sich bereit erklärten, Zuschüsse beizusteuern, kam Dynamik in die Angelegenheit, und im Dezember 1914 wurde der Bau beschlossen.

Die Eisberger Brücke im Bau: Bis zu ihrer Fertigstellung überquerte eine Tiefseilfähre die Weser.

Der Erste Weltkrieg erzwang eine Pause, sodass es erst 1919 weiterging – in mittlerweile schwierigen wirtschaftlichen Zeiten. Im Oktober 1919 begannen die Arbeiten an der im Gegensatz zu anderen Entwürfen schlichten heutigen Lösung mit dem stählernen Überbau. Die Brücke bekam den Namen des Mindener Landrats Petersen, der sich sehr für ihre Realisierung eingesetzt hatte.

Die schlichte Brückenlösung sorgte für Einschränkungen beim motorisierten Verkehr: Kraftfahrzeuge durften auf der Eisberger Brücke nicht schneller als drei Stundenkilometer fahren. Wagenladungen mit über 10 Tonnen Gewicht waren verboten und es wurde ein Brückengeld für die Benutzung festgelegt. Es betrug für Fußgänger und Radfahrer einschließlich einer Traglast 0,30 Reichsmark und 0,90 Mark für ein Pferd, eine Kuh, einen Ochsen oder einen Esel einschließlich Begleiter. Alle Einwohner Eisbergens und Fülmes sowie das Militär, Amtspersonen und Geistliche im Dienst durften die Brücke hingegen unentgeltlich benutzen.

In dem im Jahr 1925 errichteten Brücken- und Zollhäuschen an der Auffahrt von der Weserstraße, von dem heute nur noch die Plattform für den kleinen Radler-Rastplatz zu sehen ist, durfte der Pächter alkoholfreie Getränke ausschenken. Später war darin sogar das Friseurgeschäft von Johannes Brunner untergebracht, der auch das Brückengeld kassierte.

Als am 3. April 1945 deutsche Pioniere die bis dahin nur leicht beschädigte Brücke sprengten, wäre es beinahe vorbei gewesen mit der Eisberger Weserüberquerung. Man behalf sich zunächst mit einer Notbrücke. Bis 1947 war die Brücke nach einigen Schwierigkeiten wieder hergestellt.

Im Jahr 1967 wurde die Eisberger Brücke saniert. Zugleich wurde ihre Trägerkonstruktion verstärkt, sodass sie heute für 30 statt für nur 12 Tonnen Gewicht ausgelegt ist. Auch die Westseite der Brücke bekam einen Gehweg, sodass sie heute mit ihren vor einigen Jahren erhöhten Geländern ein komfortabler Flussübergang mit malerischem Ausblick auf den Fernradweg Weser ist. Aber noch viel mehr wird die Brücke geschätzt von unzähligen Autofahrern, die seit dem Straßenausbau von 1969 die Abkürzung auf dem Weg von und nach Möllenbeck, Rinteln und Nordlippe nutzen. Und dass das Dorf einmal wegen seiner vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten so stark von der Brücke profitieren würde, das hätten sich die Gemeindeväter um 1900 wohl auch nicht träumen lassen.

Seit neun Jahrzehnten verbindet die stählerne Brücke in Eisbergen die beiden Ufer der Weser. Eigentlich stünde in diesem Jahr ein runder Brückengeburtstag an – doch ganz offenbar hat die Einweihung des Weserübergangs zwei Jahre früher als bislang angenommen stattgefunden.

Offensichtlich ein Irrtum auf der Erinnerungstafel: Die Eisberger Brücke wurde bereits 1920 fertiggestellt und nicht erst im Jahr 1922.

Foto: who



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