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Neu in der Stadt: Styles of Hameln stellt die kleinen Hamelner Läden vor

Zu Besuch bei Kaffee38

Ein Nagelstudio hier, ein Shisha-Shop dort, daneben noch der fortschreitende Leerstand – lohnt sich ein Besuch in der Hamelner Innenstadt überhaupt noch? Styles of Hameln sagt: JA! Denn, wenn man gar nicht mehr mit ihnen gerechnet hat, sind sie auf einmal da – die kleinen, besonderen Läden, die einen Einkaufsbummel erst so richtig schön machen. Seit 12. Mai ist Hameln um eine dieser kleinen Oasen reicher: Der Coffeeshop Kaffee38 hat es sich in der ehemaligen Käse-Gondel in der Osterstraße bequem gemacht.

veröffentlicht am 04.07.2018 um 16:28 Uhr

Puristisch, aber dennoch gemütlich: Die Inneneinrichtung hat Johannes Kruses Freundin designt. Fotos (5): fw
Franziska Winkler

Autor

Franziska Winkler Redakteurin / Pressereferentin zur Autorenseite

Betreiber Johannes Kruse hat eine Mission: Er möchte den Leuten zeigen, wie richtiger Kaffee schmeckt, sie für das schwarze Gold sensibilisieren – und zwar „ohne erhobenen Zeigefinger“, wie der gebürtige Nienburger betont. Er ist Barista mit Leib und Seele, der in der hingebungsvollen Zubereitung eines perfekten Kaffees förmlich aufgeht. Wenn er von seiner Arbeit erzählt, leuchten die Augen. Seine Liebe dafür entfachte, als er vor sechs Jahren bei seinem Job bei „Balzac“ (Anm.: Die Balzac Coffee Company GmbH & Co. KG ist ein Hamburger Unternehmen, das derzeit 49 Cafés in 15 Städten betreibt) tiefer in die Materie einstieg. Danach verschlug es ihn in die kleine Münchener Rösterei „JB Kaffee“, in der er alle Feinheiten der Kaffeekunst erlernte.

Dass er nun seinen eigenen Coffeeshop betreibt und das in Hameln neben dem Geschäft seiner Schwester (Anm.: Leena Kruse, Inhaberin von Nordlicht) war Zufall, Glück und vielleicht auch ein bisschen Fügung. Aus der Spinnerei der Geschwister, irgendwann mal zusammen einen Laden zu haben, wurde mit dem Ende der Käse-Gondel Realität. Den Mietvertrag unterschrieben, den Job in München gekündigt, ging es für Johannes ab nach Hameln. Hier kredenzt er mit einem Hauch von Großstadt-Hipster-Flair seinen Gästen feine Kaffeesorten aus der Rösterei seines ehemaligen Münchener Arbeitgebers. Diese werden nach Wunsch in speziellen Aufbrühverfahren von ihm zubereitet. Dabei kommt entweder ein Handfilter, eine FrenchPress oder eine AeroPress zum Einsatz. Das Überraschende: Die gleiche Kaffeesorte schmeckt je nach Technik immer anders. Johannes rät, den Kaffee immer zuerst ohne Milch zu probieren, da diese oft gar nicht nötig sei. Der Selbsttest bestätigt dies. Ich trinke sonst nie Schwarz, weil es mir zu bitter ist. Aber siehe da – die helle Kaffeeröstung kann ich problemlos ohne Milch trinken und sie schmeckt verdammt lecker.

Die Kaffee-/Espressosorten, zur Zeit aus Brasilien, Columbien, Äthopien und Tansania, werden im Laufe der Zeit immer mal wieder ausgetauscht. Langeweile dürfte daher für die Geschmacksnerven passé sein.

Betreiber Johannes Kruse. Foto: FW
  • Betreiber Johannes Kruse. Foto: FW
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Hamburg-Feeling in Hameln: Zum Kaffee gibt es leckere Franzbrötchen.
  • Hamburg-Feeling in Hameln: Zum Kaffee gibt es leckere Franzbrötchen.
Betreiber Johannes Kruse. Foto: FW
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Hamburg-Feeling in Hameln: Zum Kaffee gibt es leckere Franzbrötchen.

Ach ja, nicht zu vergessen: Im Kaffee38 gibt’s natürlich auch etwas zu essen – Franzbrötchen. Da kann man sich den Hamburg-Besuch fast sparen.

Hier nun fünf Fragen an Johannes Kruse von Kaffee38:


Warum heißt dein Café Kaffee38?
Bei den ersten Überlegungen fiel mir der Name ein und ich dachte, dass 38 die Hausnummer sei. Erst später ist mir aufgefallen, dass es nicht die Hausnummer des Ladens ist, sondern die der ersten Wohnung, die ich in Hameln besichtigt habe. Ich fand die Geschichte dann aber ganz lustig und vor allem passt sie zu mir und meiner Schusseligkeit und da ist es dabei geblieben. Eine ungewollt lustige Hintergrundgeschichte also.


Warum hast du dich für den Standort Hameln entschieden?
Es war mehr eine glückliche Fügung oder Schicksal als eine bewusste Entscheidung. Ich hatte schon länger die Idee im Kopf, mich mit einem Coffeeshop selbstständig zu machen, habe diese Idee aber nie wirklich ernsthaft verfolgt. Es war mehr ein schöner Traum, den man im Kopf ausarbeitet. Als mir meine Schwester dann erzählte, der Laden neben ihrem würde frei, war für mich klar: Das ist die Chance, auf die ich unterbewusst immer gewartet habe. Da habe ich meinen Businessplan zusammengeschrieben, dem Vermieter und der Bank gezeigt, meine dreieinhalb Möbel gepackt und bin nach Hameln gezogen.

Was ist die Idee deines Ladens?
Die Idee ist tatsächlich ganz simpel: einfach guter Kaffee ohne viel Schnickschnack. Wenn dazu dann noch gute Musik läuft und man sich nett unterhalten kann, umso besser.

Was macht ihn besonders/einmalig?
Ich besinne mich wieder zurück darauf, wie Kaffee eigentlich schmeckt und schmecken kann, wenn man ihn lässt. Es ist eine andere Qualität der Bohnen, auch specialty grade genannt, die heller und schonender geröstet werden. In diese Sortierung kommen bei der Ernte nur die Kaffeekirschen, die wirklich makellos sind, was sich in einem wesentlich besseren Geschmack äußert. Die hellere, schonende Röstung gibt ihr übriges, damit der Kaffee nicht bitter, sondern je nach Herkunft und Aufbereitung entweder eher schokoladig, süßlich marmeladig oder ausgeprägt fruchtig schmeckt.

Bei mir im Laden können sich die Kunden dann entscheiden, wie sie ihren Kaffee zubereitet haben möchten. Sie können sich ihren Wunschkaffee je nach Geschmack auswählen. Außerdem konzentriere ich mich, neben den Klassikern, auch wieder auf den guten alten Filterkaffee, auf Wunsch auch handgefiltert, als AeroPress oder French Press.


Sommer in Hameln. 30 Grad. Für manche ist da ein normaler Kaffee zu heiß. Was ist deine Empfehlung?
Dann kann ich meinen Cold Brew ans Herz legen. Schmeckt cremig schokoladig – ganz ohne Milch. Ich serviere ihn entweder pur oder mit einem Stück Orangenschale für ein bisschen extra Fruchtgeschmack.



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