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Die kryptischen gelben Schilder vor Brücken sieht man immer weniger

Zeugen des Kalten Krieges sterben aus

Fast jeder Autofahrer ist schon einmal an ihnen vorbeigefahren. Sie stehen an den Straßen vor Brücken. Auf den kreisförmigen gelben Schildern sind in schwarzer Farbe jeweils zwei durch einen Strich getrennte Zahlen angegeben, zusätzlich befindet sich oft am oberen Rand wahlweise das Piktogramm eines Panzers oder eines Lastwagens. Die Bedeutung der Schilder kennt jedoch kaum ein Autofahrer – die von der Bevölkerung so genannten „Panzerschilder“ sind eben kein Verkehrsschild wie jedes andere.

veröffentlicht am 16.01.2015 um 06:00 Uhr

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Autor:

von maike schaper

Ihre Geschichte beginnt mitten im Kalten Krieg: 1955 war die junge Bundesrepublik der Nato beigetreten. Später beschlossen die Mitgliedsstaaten des Militärbündnisses, auf militärisch bedeutsamen Straßen die Brücken mit den „Panzerschildern“ zu kennzeichnen, um den Fahrern militärischer Fahrzeuge anzuzeigen, ob sie die Brücke mit ihrem Fahrzeug befahren können. In gewöhnlichen Militärkarten war das zulässige Gesamtgewicht der Brücken nicht eingezeichnet, erklärt Dietmar Jeserich, Oberstleutnant im Generalstabsdienst des Verteidigungsministeriums in Berlin. 1960 wurden die ersten Schilder in Westdeutschland installiert.

Die „Panzerschilder“ heißen bis heute offiziell „MLC-Schilder“ und geben an, mit welcher maximalen „Military Load Class“ (MLC) die jeweilige Brücke befahren werden darf. Die Ketten- und Radfahrzeuge aller Nato-Mitgliedsstaaten sind in eine der verschiedenen MLC-Klassen eingeteilt, deren Zahlen aber nicht das Gewicht in Tonnen angeben, erläutert Jeserich.

Steht auf einem „Panzerschild“ zum Beispiel die Zahl 60 mit einem Pfeil unter dem Panzersymbol, dann darf die „Panzerhaubitze 2000“ (MLC-Klasse 60), ein fahrbares Artilleriegeschütz, als Kettenfahrzeug noch über die Brücke gesteuert werden – der „Leopard 2“ aber nicht. Mit seinem Gewicht von rund 60 Tonnen ist der Kampfpanzer der Bundeswehr (MLC-Klasse 70) zu schwer für die Brücke.

Zusätzlich zum Gewicht gehen der Achsabstand, Breite und Höhe des Fahrzeugs sowie das Auflageverhältnis (zum Beispiel bei den Ketten eines Panzers) in die Bestimmung der MLC ein. Da Radfahrzeuge entweder beladen oder unbeladen sein können, kommen bei ihnen zwei MLC-Angaben zur Anwendung. Deshalb haben die MLC-Schilder an Radfahrzeugen häufig austauschbare Ziffern, sodass die Besatzungen die Umklassifizierung vornehmen können, wenn das Fahrzeug beladen ist. „Auf den Ronden (so nennt man runde Verkehrsschilder im Fachjargon) stehen oft zwei Pfeile, einer nach oben und einer nach unten auf der linken Seite unter der MLC-Zahl. In diesem Fall dürfen zwei Fahrzeuge dieser Lastenklasse gleichzeitig die Brücke überqueren. Rechts hingegen stehen häufig eine höhere Zahl und nur ein Pfeil nach oben. Ein Fahrzeug bis zu dieser Schwere darf nur allein auf der Brücke sein,“ erklärt Markus Brockmann, Leiter der Hamelner Straßenbauverwaltung.

Nach dem Ende des Kalten Krieges sind viele „Panzerschilder“ aus dem Straßenbild der alten Bundesländer verschwunden, während in den neuen erst gar keine aufgestellt wurden. Moderne Brücken sind wegen der erhöhten Anforderungen durch den stärkeren Güterverkehr auf der Straße wesentlich robuster als ältere Modelle. „Das Bundesverkehrsministerium hat uns bereits 2008 mitgeteilt, dass keine Kennzeichnungspflicht für Brücken mehr erforderlich ist“, sagt Brockmann. „Wir haben allerdings auch keine Order erhalten, die Schilder abzubauen. Bei Brückenneubauten stellen wir zumindest keine neuen MLC-Schilder mehr auf. Eine Einstufung und Bemessung der Traglast erfolgt durch die zuständigen Verwaltungsstellen der Bundeswehr aber immer noch.“ Die Beschilderung an den Brücken muss nur erhalten bleiben, wenn die militärische Lastenklasse MLC 50-50/100 unterschritten wird, um eventuelle Schäden durch militärische Fahrzeuge zu vermeiden. „Auch für die Überquerung von Schwertransporten ist diese Information wichtig“, ergänzt Brockmann.



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