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Vor 125 Jahren wurde in Paris mit dem Bau des Eiffelturms begonnen

Wunderwerk auf dem Champ de Mars

Der Literat Guy de Maupassant hat ihn aus tiefstem Herzen gehasst, Lyriker Tom Verlaine legte seine Spaziergänge so, dass das verachtete Bauwerk nicht in seine Sichtweite geriet: Der Eiffelturm wurde nicht von jedermann geliebt, als ihn die Regierung der III. Republik bauen ließ. Heute ist der Stahlkoloss das meistfotografierte Werk der Menschheit und wird jährlich von sechs Millionen Menschen besucht – der Eiffelturm verkörpert Frankreich, er ist das französische Wahrzeichen schlechthin.

veröffentlicht am 13.02.2012 um 00:00 Uhr

Von Anfang an sind die Pläne für den Eiffelturm ehrgeizig: Hoch soll er werden, das höchste Bauwerk, das je von Menschenhand erschaffen wurde. Zur Hundertjahrfeier der Französischen Revolution 1889 soll das architektonische Wunder Wirklichkeit werden, als Attraktion der Weltausstellung in Paris. Anfang 1887 werden auf dem Marsfeld für die Fundamente 30 000 Kubikmeter Erde ausgehoben, 20 Jahre soll der Turm dort stehen bleiben. Er hat nur eine begrenzte Betriebsgenehmigung, denn der Stahlkoloss ist kein Denkmal, sondern ein moderner Bau ohne Funktion.

Zusammengebaut werden die Turmteile – soweit möglich – in den Werkstätten von Ingenieur Gustave Eiffel in einem Vorort von Paris. Auf der Baustelle setzt man die passgenauen Fertigteile mithilfe von hölzernen Gerüsten und kleinen dampfbetriebenen Kränen zusammen. Die gut bezahlten Spezialisten, die hoch motiviert und effektiv ihrer Arbeit nachgehen, benötigen genau zwei Jahre, zwei Monate und fünf Tage, um 18 000 verschiedene Teile mit zweieinhalb Millionen Stiften zusammenzubauen. Das Gesamtgewicht liegt bei rund 10 000 Tonnen.

Die Reaktionen sind teilweise hart und treffen Gustave Eiffel tief: „Schandfleck“, „tragische Straßenlaterne“, „düsterer Fabrikschornstein“, „teuflische Konstruktion“ – es dauert seine Zeit, bis die revolutionäre Synthese aus klassischer Bauweise und modernem industriellen Fertigungsverfahren die Liebe der Pariser errungen hat. Stehen bleiben darf er, weil er sich als nützlich erweist: Wegen seiner immensen Höhe wird er als wertvolle Antenne für die Kommunikation genutzt und ermöglicht die ersten transatlantischen Funkverbindungen des neuen Jahrhunderts. Während des Ersten Weltkriegs können feindliche Botschaften abgehört werden, was dem Eiffelturm den Beinamen „großes Ohr“ einbringt. Gustave Eiffel selber nennt ihn übrigens den „300-Meter-Turm“; der Name „Eiffelturm“ wird von den Pariser Kritikern kreiert, die sich gegen den Turm wenden.

Der Aufstieg lohnt sich auch heute noch: Die Sicht beträgt bei gutem Wetter 60 Kilometer in Richtung Norden, 70 nach Westen, 55 nach Süden und 65 Kilometer gen Osten. Rund 400 Menschen haben sich vom Turm in den Tod gestürzt, ehe Gitter aufgestellt wurden, um dies zu verhindern. Wohl ins Reich der Legende gehört die Geschichte der todessehnsüchtigen Frau, die vom Turm in die Tiefe sprang, auf dem Dach eines Autos landete, überlebte – und dessen Fahrer später heiratete. rnk



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