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Heutige Bezeichnung stammt aus dem Jahr 1973 – aber der Ursprung geht ins 19. Jahrhundert zurück

Woher der 164er-Ring seinen Namen hat

Er ist knapp 900 Meter lang, verläuft nahezu parallel zum Kastanienwall und zum Flüsschen Stadthamel – und verbindet die Deisterallee mit der Erichstraße: „164er Ring“ in Hameln. Dr. Gerhardt Pieper beschreibt ihn in seinem Buch „Hamelner Straßen“ als einen Ring, der entlang dem äußeren Festungsgraben, der Hamel, verläuft. Doch kreisrund ist er nicht und das war er auch laut Pieper zu früherer Zeit nicht.

veröffentlicht am 28.12.2012 um 06:00 Uhr

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Autor:

Olivia Sievers

Sein Name erinnert an das 4. Hannoversche Infanterieregiment Nr. 164. Das 1. Bataillon dieses Regiments lag in der „Alten Kaserne“ an der Deisterallee, das 2. Bataillon in der 1898 erbauten Scharnhorstkaserne. Eine der ersten Erwähnungen dieser Straße erfolgte in der Regimentsgeschichte der 164er von 1932. Die Straße hieß vor 1957 „Am Ring“. Ab 1957 wurde sie aufgrund des Antrags des Verbandes der ehemaligen Angehörigen des Regiments 164 umbenannt in „Am 164er Ring“. Im Jahre 1973 wurde der Straßenname im Zuge der Gebietsreform verkürzt in „164er Ring“.

Wer waren „die 164er“? Am 27. Juni 1866 erfolgte der hannoversche Sieg gegen preußische Truppen in der Schlacht bei Langensalza. Die militärische Niederlage in der Umgebung der preußischen Kreisstadt Langensalza ebnete den Weg für die Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen. Im gleichen Jahr wurde das Königreich Hannover, nach der Niederlage im Deutschen Krieg, von Preußen annektiert und wurde ab September 1866 eine preußische Provinz (1866-1914). Während der politischen Neuordnungen nach 1866 vollzog sich auch eine vollständige militärische Neuordnung. Im Zuge der Heeresvermehrung wurde aus preußischen Truppenteilen am 1. April 1897 das 4. Hannoversche Infanterieregiment Nr. 164 wiedererrichtet (es wurde im Jahre 1866 aufgelöst).

Am 24. Januar 1899 verlas Kaiser Wilhelm II. in Hannover die Ordre, nach der das 4. Hannoversche Infanterieregiment Nr. 164 Träger der Tradition des ehemaligen und 1866 aufgelösten 2. Hannoverschen Infanterie-Regimentes ist und damit als Gründungstag den 27. November 1813 hat. Aufgrund dieser Bestimmung verlieh Kaiser Wilhelm II. an diesem Tag dem Regiment ein Helmband mit der Inschrift „Waterloo“ in Erinnerung an die Befreiungskriege. Diese Inschrift geht auf das Feldbataillon Calenberg und das „Landwehrbataillon Hameln“ zurück, die 1815 an der Schlacht bei Waterloo beteiligt waren. Im Jahre 1813 wurden die Landwehrbataillone gebildet (Landwehr-Verordnung), um beim Endkampf gegen Napoleon dem Mangel an Soldaten abzuhelfen. Nach Angaben von Pieper umfassten sie Männer zwischen 18 und 30 Jahren. Die Landwehr war in Bataillone organisiert, die nach ihrer Herkunft benannt waren. Der Hauptmann Erich Karwiese schreibt im Jahr 1913 in seinem Buch „4. Hannoversches Infanterie-Regiment Nr. 164 zu Hameln: Erinnerungen an das Landwehr-Bataillon Hameln und das 2. Hannoversche Infanterie-Regiment (Waterloo)“, dass von den drei Landwehrbataillonen des Regiments nur das Landwehrbataillon Hameln mit dem Feldbataillon Calenberg im Feuer der Befreiungskriege gestanden hat.

Im Jahr 1813 ordnete die Regierung die Bildung von 30 hannoverschen Landwehr-Bataillonen an. Am 27. November erfolgte die Aufstellung des hannoverschen Bataillons Calenberg, aus dem später das Regiment 164 hervorgegangen ist. Nach Auskunft des hannoverschen Militärhistorikers Michael-Andreas Tänzer zählten zum Feldbataillon Calenberg bei Waterloo 634 Mann. Der Name „Calenberg“ stammt von der Kernlandschaft des alten Hannoverlandes und soll erinnern an den Herzog von Calenberg, einen der größten Feldherren des 30-jährigen Krieges. Herzog von Calenberg gründete die hannoversche Armee, um das „Raubgesindel“ aus Niedersachsen hinauszufegen und erfüllte diese Aufgabe im Jahre 1633 beim großen Sieg bei Hessisch Oldendorf und dabei Hameln befreite. Die Gründung der hannoverschen Armee führte sie mit Hameln zusammen. Dem Feldbataillon Calenberg wurde drei Landwehrbataillone angeschlossen, von denen eins ab 1813 in Hameln lag. Das Landwehr-Bataillon Hameln, zu dem nach Tänzer 689 Mann bei Waterloo zählten, war ein Bindeglied zwischen der kurfürstlichen und königlichen hannoverschen Armee.

Das Landwehrbataillon Hameln wurde in der Schlacht bei Waterloo durch Major von Strube befehligt. Dafür empfing er am 18. Juni 1815 das Ritterkreuz und die hannoversche Waterloomedaille. Im „Nekrolog der Deutschen; Dreizehnter Jahrgang 1835“ ist zu lesen, dass Strube am 25. Januar 1816 mit seinem Bataillon nach Paris marschierte und mit diesem nach dem geschlossenen Frieden am 25. Januar 1816 nach Hameln zurückkehrte. Die Errichtung eines Gedenksteins, an der in Hameln 1712/13 erbauten Garnisonskirche, erinnerte an die Rückkehr der Landwehr am 25. Januar 1816. Zu den gefallenen, verwundeten oder vermissten Soldaten in der Schlacht bei Waterloo zählten auch neun Soldaten aus dem Landwehrbataillon Hameln.



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