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Mystisch und giftig: Der Aronstab ist eine Fliegenkesselfalle

Wo er wächst, stinkt’s nach Urin

Sie hat viele sonderbare Namen und bizarre Blüten. Sie verändert ihr Aussehen, ist giftig und wurde im Volksaberglauben als Zauber- und Hexenpflanze bezeichnet. Wo sie wächst, riecht es immer widerlich, meist nach Aas oder Urin. Die Briten nennen sie „Cuckoo pint“ oder auch „Lords-and-Ladies“. Im deutschsprachigen Raum kennt man sie als Chindlichrut, Dittichrut, Ekelblume, Eselsohr, Ronechrut, Trommelsschlägel, Papenkind, Zehrwurz – oder eben als Gefleckter Aronstab. Ihr wissenschaftlicher (lateinischer) Name lautet Arum maculatum.

veröffentlicht am 24.08.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.09.2013 um 17:37 Uhr

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Schutz vor Unholden erhofft

Bei der sonderbaren Pflanze, die derzeit auch an schattigen Plätzen im Weserbergland blüht, handelt es sich um eine sogenannte Kessel-Gleitfallenblume. Nach Erkenntnissen des ehemaligen Direktors des Botanischen Gartens der Universität Leipzig, Prof. Dr. Gerd K. Müller (†), wurde sie nach dem ergrünenden Stab des biblischen Hohepriesters Aaron benannt und gehört zu der vorwiegend tropischen Pflanzenfamilie der Aronstabgewächse (Araceae).

Im Online-Lexikon „heilkraeuter.de“ steht, es liege nahe, dass der Aronstab durch das Aussehen seiner Blüte früher für Liebeszauber verwendet wurde. Zudem habe man geglaubt, mit der Pflanze könne man Schlangen abwehren. „Wenn man den Aronstab Kindern in die Wiege legte, sollte dies vor Unholden schützen. Auch zur Vertreibung von bösen Träumen wurde der Aronstab verwendet.“ In manchen Gegenden sei der Aronstab auch als Ernteorakel benutzt worden. „Die Getreideernte hing von der Beschaffenheit des Kolbens ab, die Form der Insekten fangenden Reuse zeigte die Heuernte an, und die männlichen Blüten deuteten auf die Obsternte hin, die weiblichen Blüten auf die Trauben- und Erbsenernte.“ In einem Aufsatz hat Biologe Prof. Müller die Leipziger Auwaldpflanze des Jahres 1995 als „Kuriosität“ bezeichnet. Eine merkwürdige Besonderheit stelle der im April oder Mai erscheinende Blütenstand dar. „Im unteren, vom Hochblatt eng umschlossenen kesselförmigen Abschnitt enthält er die eingeschlechtigen Blüten. Die weiblichen, die zuerst reifen, befinden sich unten, die männlichen darüber. Nach oben wird der Kessel abgeschlossen durch einige sterile Blüten, die wegen ihrer haarartigen, sperrigen Fortsätze als Reusenhaare bezeichnet werden. Als Bestäuber treten Schmetterlingsmücken der Gattung Psychoda auf, die diese Blütenzone passieren können. Angelockt werden sie auch durch einen auffälligen Uringeruch, der besonders abends wahrzunehmen ist, sowie durch den als Schauorgan dienenden weißlich grünen Hochblattabschnitt und den sterilen violetten, keuligen Endteil des Kolbens.“

Wirtshaus für Insekten

Der Kessel, so Prof. Müller, diene den Insekten gleichzeitig als eine Art Wirtshaus, „denn es herrschten in ihm bis zu 25 Grad Celsius höhere Temperaturen als außen.“ Zudem werde den Tieren durch einen auf der Narbe befindlichen Bestäubungstropfen Nahrung angeboten. „Nachdem die weiblichen Blüten befruchtet sind, reifen die Pollen der männlichen Blüten, und die Insekten werden damit eingestäubt. Ein Ölfilm, der anfangs die Wände des Kessels bedeckte und den Mücken das Entweichen unmöglich machte, trocknet ein, sodass sie den Kessel verlassen können, um andere Blüten zu bestäuben.“ Die Blüte wird deshalb auch als „Fliegenkesselfalle“ bezeichnet.

Das Heilkräuter-Lexikon besagt, dass der Gefleckte Aronstab trotz seiner Giftigkeit früher in der Volksheilkunde gegen Erkrankungen der Atemwege verwendet wurde, wenn auch sehr stark verdünnt. Heute wird vor der Einnahme und Eigenversuchen eindringlich gewarnt: „Achtung, giftig. Nur in Fertigpräparaten, homöopathisch oder getrocknet und stark verdünnt anwenden.“ Nach Angaben des Informationszentrums gegen Vergiftungen des Universitätsklinikums Bonn befinden sich in der Pflanze Salze der Oxalsäure, und „flüchtige Scharfstoffe, deren genaue Zusammensetzung nach wie vor unbekannt ist“. Vor allem beim Weidevieh, das Blätter gefressen hat, würden im Frühjahr tödliche Vergiftungen beobachtet. Die roten Beeren hätten zwar einen „angenehm süßlichen Geschmack“, sie seien jedoch giftig. Als mögliche Symptome, die meist innerhalb von 5 bis 25 Minuten auftreten, werden bei Hautkontakt starke Reizerscheinungen, Rötungen bis hin zur Blasenbildung und Taubheitsgefühl beschrieben. Werden die Beeren gegessen, sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle, Erregung und Krampfanfälle möglich.



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