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Warum die kommenden Wochen uns jede Menge Chancen bieten

Willkommen im Sommerloch!

Als Kinderlose finde ich es immer wieder aufs Neue faszinierend, wie mit dem Beginn der Sommerferien jedes gesellschaftliche Leben abrupt zu enden scheint. Immerhin sechs Wochen lang. Vereinstreffen, Festivals, politische Versammlungen – all diese Termine drängen sich in den letzten beiden Wochen vor der Zeugnisausgabe. Und dann: niente, nix, kaum noch Einträge in den Terminkalendern.

veröffentlicht am 30.06.2018 um 10:25 Uhr

Grafik: cn
Kerstin Hasewinkel

Autor

Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite

Als Lokalredaktion bekommen wir das natürlich unmittelbar vor Augen geführt. Aber selbst die große Politik verabschiedet sich irgendwann in die Sommerpause – wenn es dann nicht gerade um das Überleben der eigenen Regierung oder gar der restlichen Welt wegen irgendwelcher Trumpiaden geht. Hoffen wir, dass der US-Präsident auch mal ins Twitterloch fällt.

Für mich – eben weil kinderlos – spielen Sommerferienzeiten nur insofern eine Rolle, als ich nicht ausgerechnet da meinen eigenen Urlaub plane. Ist ja alles dreimal so teuer. Und natürlich haben die Kollegen mit schulpflichtigen Kindern beziehungsweise angeheiratetem oder verpartnertem Lehrpersonal den ersten Zugriff auf die Ferientermine. Insofern überrascht mich dieser plötzliche Termin-Totalausfall jedes Jahr aufs Neue. Sechs Wochen Totentanz.

Es ist, als falle das öffentliche Leben in ein Loch – daher wohl der Name Sommerloch. Eigentlich eine Erfindung der Medien, heißt es. Das ist Fake. Sommerloch gibt es wirklich – es liegt nordwestlich von Bad Kreuznach in der Nähe des Nahetals, am Rand des Soonwalds inmitten von Weinbergen.

Loch – da haben die meisten Menschen wohl eher negative Assoziationen, so wie Karies eben. Socken und Hosen haben Löcher, Rätsel ranken sich um das Schwarze Loch, Menschen fallen in ein Loch, Löcher müssen gestopft werden, das Loch in der Haushaltskasse. Alles negativ besetzt. Aber das ist wie mit dem Glas Wasser, das – je nach Betrachtungsweise – halbleer oder halbvoll ist. Schreiberlinge begreifen das Terminloch eben als Chance. Wobei, die Idee eines guten Freundes von mir hat irgendwie auch Charme und zumindest ein Überraschungsmoment: Einfach mal eine Seite frei lassen und dazu schreiben: „Heute ist einfach nichts passiert.“

Das Loch ist ein Nichts, das gefüllt werden will – mit tollen Themenideen.

Nun schwören Redaktionen landauf, landab ja, dass es natürlich überhaupt gar kein Sommerloch gibt – sondern endlich Zeit für all die guten Geschichten, die aufgrund des Aktualitätsdrangs wichtiger Nachrichten oder anderer Artikel am Wegesrand liegen geblieben sind.

Außerdem stimmt das ja in diesem Sommer nicht so ganz mit dem Mangel an Terminen – siehe Fußball-WM. Da hat Mann (ja, ok, auch die eine oder andere Frau) doch wenigstens diverse Verabredungen mit dem Fernseher. Fußball gucken ist aber auch ziemlich alternativlos: Sämtliche Sender bieten ansonsten Serien-Wiederholungen und Uralt-Kamellen. Da fotografieren sich Teenager noch mit kleinen Pocketkameras mit Selbstauslöser, statt ein ordentliches Handy-Selfie zu machen – so alt sind die Filme. Wer mir jetzt mit Netflix kommt: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Selbst TV-Talkshows gehen in die Sommerpause. Wobei das den Maischbergern und Wills mal ganz gut tut – der Kulturrat forderte bekanntlich kürzlich gar ein ganzes Jahr Sendepause für die ewig gleichen Polit-Quasselrunden.

Aber um auch hier das Positive zu sehen: Wer will an lauen Abenden schon vor der Glotze sitzen? Dann lieber mit einem Glas Wein auf die Terrasse, die neue Beachbar in Hameln besuchen oder endlich mal wieder Freunde treffen.

Oder sich Gedanken machen über tolle Themen, die das Sommerloch der Redaktion sinnvoll füllen. Das haben wir natürlich längst getan. Es passiert ja ohnehin – selbst in Ferienzeiten – immer genau soviel, wie in eine Zeitung passt. Aber jetzt kommt eben zur Pflicht die Kür. So bieten wir unseren Lesern eine ungewöhnliche Sommeraktion: Der restaurierte Uralt-Käfer, der wieder flott gemacht wurde, ist im Juli auf Tour. Jeweils ein Redakteur wird im Landkreis-Gebiet unterwegs sein und berichten. Wir freuen uns auf spannende, berührende oder einfach unterhaltsame Geschichten.

Loch bedeutet übrigens erst einmal ganz wertfrei nichts anderes als „Öffnung“. In diesem Sinne: Wir öffnen uns für Ihre Sommergeschichten!



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