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Von Kleiderordnungen, Zuschauern und jenen, die einfach über den Dingen stehen

Wie wird man Wetterfee?

Die goldene Benson qualmt in der Kerbe des Aschenbechers gemächlich vor sich hin, der Rauch zittert ein bisschen hin und her, leicht bläulich-weiß zieht er gen Tresenlampe nach oben, im Schummer des diffusen Gegenlichts malt die Kippe irgendetwas Undefinierbares in den rauchigen Kneipenhimmel. „Hör‘ ma‘“, sagt Uwe plötzlich, „sach ma‘, wie is‘ dat denn eigentlich mit so ’nem Job beim Fernsehen? Wie wird man denn so zum Beispiel ‘ne Wetterfee bei den Nachrichten, hä?

veröffentlicht am 16.11.2019 um 08:30 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

„Machste bitte nochmal zwei Bier“, frage ich über den Tresen – und will mit neuen Getränken eigentlich nur vom Thema ablenken. Die Wirtin nickt und legt schon los, die Gläser unter den Hahn zu halten. Aber Uwe lässt nicht locker: „Nu sach ma‘, wie wird man denn nun Wetterfee im Fernsehen?“ „Nun ja, also, es würde doch eher sehr, sehr schwierig, aus Dir eine Wetterfee zu machen…“, versuche ich auszuweichen, weil ja zu ahnen ist, wie unsinnig die folgende Diskussion werden wird. „Warum meinste dat denn“, fragt Uwe nach – und zwar mit einem Blick, der irgendwo zwischen großer Empörung und bösen Vorwürfen einzusortieren ist. Also, „seien wir doch mal ehrlich“, hilft hier nun wohl doch eher die klare Ansage, „Du als Mann, oder sagen wir es besser, ein Mann wie Du wird nun mal keine Wetterfee im Fernsehen, dann kannst Du machen, was Du willst“. Dazu muss man wissen, dass Uwe außer der Tatsache, dass er die erste männliche Fee überhaupt wäre – was aber keiner braucht und auch keiner will – sowieso gar nicht in diese Rolle passen würde. Er spricht kein astreines Hochdeutsch, also wäre er ja höchstens und nur eventuell, also rein theoretisch gesehen, sprachlich maximal etwas für einen Regionalsender, bei dem es nicht so drauf ankäme. Es kommt aber drauf an. Also: Das wird nichts. Außerdem ist er nicht nur nicht wirklich groß, sondern er ist, sagen wir es, wie es ist, klein. Im Fernsehen vor der Wetterwand braucht man aber nun mal schon eine gewisse Größe und die bringt Uwe nicht mit. Also: Das wird nichts. Und drittens passt der Kerl auch rein optisch von der Klamotte nicht ins TV, er trägt Lederweste und kein Sakko, er mag struppige Haare und keine Föhnwelle, er kippelt auf dem Barhocker und steht nicht gerade – ach, es gibt so viele Gründe, warum Uwe nun mal keine Wetterfee und auch kein Wettermann im Fernsehen werden kann. Also: Das wird nichts.

„Zwei Bier für Euch.“

„Danke.“

„Prost!“

„Prost.“

„Aber jetzt sach ich Dir ma‘ wat“, holt Uwe mit Schaum vorm Mund bedrohlich weit aus, „wenn dann dieser Typ da im Fernsehen auftaucht und von irgendwelchem Faxenkram erzählt, wat dat neue Telefon jetzt so kann, dann …“

Stopp! „Was für einen Typen meinst Du? Und was für Technikfaxen und Telefone?“ Ich verstehe nur Bahnhof …

„Dat is‘ doch ganz einfach“, raunt Uwe mich an, „sach ma‘, siehste dat gar nich‘? Da kommt doch immer so ein Manager, also so einer mit viel Ahnung und mit viel Kohle, und der erzählt denne, dat es ein neues Telefon gibt, hier, sach ma‘ schnell … ja, von Apple, genau.“ Ach so, das meinst Du, ja das stimmt, der Apple-Chef stellt immer wieder vor der Weltpresse die neuen Apple-Geräte vor. Aber was hat das denn bitteschön mit dem Job einer Wetterfee zu tun?

„Na, der kommt doch auch in T-Shirt und Turnschuhen. Warum muss denne jemand, der sacht, wie dat Wetter wird, wie ‘ne piekfeine Dame oder so ‘nen janz schnieker Kerl ins Fernsehen? Dat versteh‘ ich nich …“ Musst Du auch nicht. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Hölle, die muss man nicht verstehen, Uwe. Entscheidend ist doch, dass man es akzeptiert, wie es ist.

Wir lassen uns doch auch nicht vorschreiben, mit wem wir unser Bier trinken. Und was wir anziehen. Und wie wir reden … Prost!



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