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O mio seniore

Wie der Papst nicht nur die Welt, sondern auch Hameln rettet

Als Papst Leo der Dreizehnte am 5. Mai 1888 seine Enzyklika „In plurimis“ („In sehr vielen“) unter dem Kirchenvolk verbreitete, da hatte er die Abschaffung der Sklaverei im Sinn. Es war eine Ermahnung an all seine Untertanen, den menschlichen Grausamkeiten schnellstmöglich ein Ende zu setzen. Heute, genau 130 Jahre später, können wir nüchtern feststellen: Die päpstlichen Pläne sind gescheitert.

veröffentlicht am 05.05.2018 um 09:00 Uhr

Illustration: cn

Es gibt sie noch immer, die Sklaverei: Fußballspieler verdienen Millionen, doch stehen sie sich den halben Tag lang die Beine in den Bauch. Angestellte bekommen einen Dienstwagen, aber fahren dürfen sie meist bloß VW. Die halbe Welt postuliert die „Ehe für alle“, dabei gibt es immer noch massenhaft Singles. Sogar allen Thermomixen zum Trotz ist Currywurst mit Pommes das Lieblingsgericht der Deutschen geblieben. Und wenn obendrein an der Imbissbude ein liebloses „Pommes was drauf?“ dem Fast-Food-Freund entgegenschallt, dann ist zweifellos bewiesen: Die Welt ist immer noch voller Grausamkeiten. Der Umgang der Menschen untereinander: nach wie vor erbärmlich verächtlich.

Der amtierende Papst steht seinem Vorgänger nun in nichts nach. Auch er hat eine Enzyklika verfasst. Nicht über die Sklaverei. Sondern über den grausamen Verfall der Erde. Papst Franziskus, namentlich Erbe des heiligen Franz von Assisi, von dem erzählt wird, er sei ein großer Naturfreund gewesen und habe mit den Tieren gesprochen, dieser Papst Franziskus also hat den Naturschutz zur Chefsache erklärt.

In seiner Enzyklika „Laudato si“ („Gelobt seist Du“), der inzwischen mancher Umweltschützer einen Quasi-Bibel-Status zuspricht, ruft der Papst jeden Einzelnen zur umweltbewussteren Lebensweise auf. Artensterben, Plastikmüll, Polschmelze, Kohlendioxid – recht hat er ja, der Franziskus.

Doch dürfte große Sorge bestehen, dass es ähnlich schlecht ausgeht wie mit den Lehren des Leo XIII. Die Rettung der Erde könnte scheitern wie die Abschaffung der Sklaverei.

Denn bessern wird sich nichts, solange die Menschheit beim Gedanken an „Laudato si“ weiterhin nur rhythmisch auf die Schenkel klopft und mit fröhlichem Summen die darauf folgende Verszeile „o mio seniore“ („Oh, mein Herr“) einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen will. Dieses so wunderbar muntere Kinderlied – wieder mal ein Ohrwurm, der einfach nichts anderes zulässt als die Frage: „Wer hat das noch mal gesungen?“ Ach ja, richtig: Die Grundschullehrerin war es wohl. Egal, welche.

Nur gut, dass zwei Hamelner Naturschützer kürzlich an den wahren Kern der päpstlichen Nachricht erinnerten. Am Ravelin Camp dürfe nicht gebaut werden. Seltene Pflanzen und Tiere sind auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz absolut schützenswert, sagen sie. Ganz im Sinne des Franziskus.

Deshalb haben die Hamelner einen Brief an den Heiligen Stuhl gesandt. Mit der Bitte um göttlichen Beistand. Zur Antwort bekamen sie: Der Papst könne sich nicht in die Angelegenheiten eines anderes Staates einmischen. Aber in sein Gebet einschließen, das wolle er die Hamelner, lässt das Staatssekretariat des Vatikans mitteilen. Was kann sich der gemeine Untertan nun davon kaufen?

Seitens der Aktivisten heißt es unumwunden: „Papst unterstützt Kampf um Naturschutzgebiet Ravelin Camp.“ Die Frage ist offenkundig nur noch, ob er dies vor oder nach der Planetenrettung tut.

Es ist überliefert, dass übrigens ein Ratsherr der Hamelner Grünen die eigentliche Schuld trägt am Dilemma. Bei ihm sollen die beiden Naturschützer in Ungnade gefallen sein. Weil sich die päpstlichen Bittsteller aus Hameln vor allem auch an alle vorstellbaren weltlichen Groß-Instanzen – Räte, Parlamente, Parteien, Gerichte in Deutschland und Europa – gewandt haben, soll er argwöhnisch gepöbelt haben: „Warum wendet Ihr Euch nicht gleich an den Papst?“ So geschah es – und es kam ans Licht.

Immerhin ist ein Segen, dass der Grüne nicht sagte: „Geht doch zum Teufel!“ Das wäre böse ausgegangen.



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