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Geben und Nehmen beiderseits und ein ähnliches Wertesystem können hilfreich sein

Wie Beziehung gelingt

Verliebt, verlobt, verheiratet. Honigmond, Kinderidylle und im Hintergrund Herzmusik. Hier wird im Liebesfilm gewöhnlich abgeblendet. Selig seufzend träumen die Zuschauer das ewige Happy End weiter. Ach, so schön! Doch was im Film so leichtfüßig daherkommt, ist im Kino des gelebten Lebens eher eine täglich neue Herausforderung. Die zahlreichen Trennungen und Scheidungen erzählen ihre ganz eigene Geschichte.

veröffentlicht am 12.05.2018 um 11:30 Uhr

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Autor:

Pea Krämer

Dabei war die andauernde Liebe auch ihr großer Traum vom Glück, als sie einst vor den Traualtar schritten. Paare, die jahrzehntelang zusammenbleiben, gibt es viele, gerade in der älteren Generation, in der Scheidung noch als Makel erlebt wird. Ob sie wirklich glücklich sind und ihre Vision von einst ins gelebte Leben gebracht haben, steht auf einem anderen Blatt. Nicht jede lange Lebensbeziehung ist eine lebenswerte, lebensbereichernde und liebenswerte Verbindung geblieben. Ich kenne zahlreiche Frauen und Männer die, wenn sie ehrlich wären, sich trennen müssten, um dem Beziehungssumpf, in dem sie gelandet sind, zu entkommen. Schon lange lieben sie ihren Partner nicht mehr. Zu häufig haben sie sich Verletzungen zugefügt und damit die Beziehung nach und nach verspielt. Doch ich kenne auch Paare, die glücklich bis über die goldene Hochzeit hinaus geblieben sind.

Ehepaar M. ist so ein Paar. Heute, über 80-jährig, schauen sie sich immer noch liebevoll an und Frau M. gesteht mir mit leicht geröteten Wangen, dass sie ihren Mann noch immer liebt. Er ist die erste große Liebe ihres Lebens und er ist es bis heute geblieben. „Mein Mann ist ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle. Eigentlich ist er zu gut für diese Welt“, sagt sie und lächelt ihn an. „Meine Frau bringt mich manchmal schier zur Weißglut mit ihrer bockigen Art, doch ich liebe sie, was soll ich machen“, gibt er achselzuckend zurück und schaut sie dabei verschmitzt lächelnd an. Ich kann sie spüren, ihre Liebe füreinander und zueinander. In zahlreichen kleinen, liebevollen Gesten wird sie für mich sichtbar. Ganz sicher war nicht alles immer Friede, Freude, Eierkuchen in all den Jahren, die sie zusammen sind, doch die Basis ihrer Verbindung trägt sie bis heute. Eine solche Beziehung wünschen sich viele Menschen. Sie ist möglich, wenn wir ein paar wesentliche Dinge beachten:


Allein sein können:
„Allein sein zu müssen, ist schwer – Allein sein zu können, ist schön.“ In diesem Spruch von Tagore steckt viel Weisheit. Allein sein zu können, ist für mich die Grundvoraussetzung für eine lebendige Beziehung. Wer nicht gut allein sein kann, macht sich von seinem Partner abhängig und braucht den Partner mehr, als dass er ihn liebt. Angst vor dem Alleinsein ist ein Hauptgrund, der Paare in einer leidvollen Beziehung ausharren lässt. Wer hingegen den Schatz, der im Alleinleben liegt, entdeckt hat, wird innerlich unabhängig bleiben.

In unserer Rubrik „Lebensweise“ schreibt Familientherapeutin Pea Krämer
  • In unserer Rubrik „Lebensweise“ schreibt Familientherapeutin Pea Krämer


Nähe und Distanz: Sie kennen das vielleicht: Verliebte atmen immer gern dieselbe Luft. Wie zwei Satelliten kreisen sie umeinander und finden Erfüllung scheinbar nur in der Symbiose. Das ist am Anfang einer Beziehung wichtig, um sich kennenzulernen und Vertrauen und Bindung aufzubauen. Im Laufe der Partnerschaft sollten Nähe und Distanz jedoch in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Abnehmende sexuelle Anziehung und verblassende Erotik sind der häufigste Preis für zu viel Nähe, einander Fremdwerden der Preis für zu viel Distanz. Neben dem Gemeinsamen sollte jeder einen Lebensbereich für sich allein haben.

Wir müssen die Werte des jeweiligen Elternhauses kennenlernen, um unseren Partner und unsere Partnerin zu verstehen.

Pea Krämer


Mehrere tragende Säulen im Leben: Mein Rat an alle, die in einer Paarbeziehung leben, ist: Lassen Sie nie zu, dass ihr Partner oder ihre Partnerin zu ihrer Nummer eins im Leben wird. Familie, Beruf, Freunde, Hobbys sollten neben der Beziehung stehen. Ein Partner, der zu viel Raum im Leben einnimmt, hinterlässt eine zu große Lücke, falls er durch Trennung oder Schicksalsschlag geht. Das ist einer der häufigsten Gründe für depressive Löcher, aus denen Menschen nur schwer wieder herauskommen, wenn ihr Partner sie verlassen hat.


Geben und nehmen: Die Liebe zwischen zwei Menschen wächst, wenn ich immer etwas mehr zurückgebe, als ich bekommen habe. Dabei liegt die Betonung auf etwas. Ein Zuviel führt ebenso häufig zum Ende der Beziehung, wie ein Zuwenig. „Ich habe so viel für meinen Mann getan. Während des gesamten Studiums habe ich für ihn bezahlt und nun verlässt er mich!“ Solche und ähnliche Geschichten sind mir oft in der Beratung begegnet. Der andere kann das Zuviel nicht ausgleichen und steht ein Leben lang in der Schuld seiner Partnerin. Da ist es oft leichter, zu gehen. Liebe will Ausgleich.


Ein ähnliches Wertesystem: Gleich und gleich gesellt sich gern. Ein übereinstimmendes Werte- und Moralsystem sorgt für Gleichklang und wirkt Endlosdiskussionen entgegen. Wir müssen die Werte des jeweiligen Elternhauses kennenlernen, um unseren Partner und unsere Partnerin zu verstehen. Hier Beispiele: Wenn Ordnung, Fleiß und Sauberkeit ein hoher Wert meiner Eltern war, mein Partner hingegen in einem System aufgewachsen ist, in dem das Chaos regierte, kann das zu Konflikten führen.

Wenn meine Partnerin aus einer Großfamilie kommt, in der alle sich wohlfühlen, wenn sie möglichst oft beisammen sind, ich selbst aber als Einzelkind hauptsächlich mit meinen Eltern allein war, kann mich so viel Nähe irritieren. Schaue ich auf ein Paar, sehe ich in meiner inneren Szene auch ihre Eltern und deren Wertesystem. Je größer die Differenz zu einem Thema, desto größer die Herausforderung in der Beziehung.


Ich bin für mein Glück verantwortlich: Viele Menschen unterliegen dem Irrglauben, dass der Partner oder die Partnerin für das eigene Glück verantwortlich ist. „Wenn mein Mann nur nicht immer so viel arbeiten würde und sich stattdessen mehr Zeit für mich nähme!“ „Wenn meine Frau doch bloß einmal mit mir auf Abenteuerreise ginge.“

Wie viele von uns würden ihren Partner gern verändern. Ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der diesem Wunsch entsprochen hätte. Ich selbst pflege jedem Veränderungswunsch meines Partners entgegenzuhalten: „Schatz, gib dir keine Mühe, ich bin stark über achtzehn. Wie du muss ich mit meinen Macken leben. Glaub mir, auch für mich ist es nicht immer leicht. Es ist wundervoll, dass du trotz meiner Schatten bei mir bist.“ Liebesfähigkeit misst sich nicht an der Schokoladenseite des Partners, sondern vielmehr an dem, was eine Herausforderung für uns darstellt.


Kommunikation und Sexualität: Eine klare, liebevolle Kommunikation gehört neben einer erfüllenden Sexualität ganz sicher zu den zentralen Pfeilern einer Paarbeziehung. Keine Themen werden in der Paarberatung häufiger als Grund für Probleme in der Partnerschaft genannt. In lebendigen Beziehungen wird viel miteinander geredet. Bestenfalls sind es Berichte aus der inneren Welt des anderen. Wenn ich das Andersartige verstehen will, muss ich hören, wie mein Partner bestimmte Situationen im Gegensatz zu mir erlebt.


Verlässlichkeit: Ich muss mich auf meinen Partner verlassen können, sonst wird es immer einen Teil in mir geben, der unruhig ist. Verlässlichkeit hat dabei viele Facetten.

Diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sicher gäbe es zu den einzelnen Punkten so viel zu sagen, dass jeder für sich genommen eine Buchreihe füllen würde. Es soll vielmehr ein kleiner Anstoß sein, die eigene Beziehung einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, dann feststellen, dass etwas der Veränderung bedarf, habe ich eine Empfehlung: Seien Sie die Veränderung, die Sie sich von Ihrem Partner wünschen! Sie wünschen sich mehr Aufmerksamkeit von Ihrem Mann? Seien Sie aufmerksamer! Sie wünschen sich, dass er Ihnen besser zuhört? Hören Sie ihm besser zu! Sie wünschen sich mehr Bewunderung von Ihrer Frau? Bewundern Sie sie mehr! Glauben Sie mir, es gibt keinen anderen Weg! Ein kleiner Trost zum Schluss: In einer lebenswerten Beziehung reicht es, wenn einer weise ist.


Im Internet:
www.peakraemer.de



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