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Star im All

Wie Alexander Gerst uns wieder für Raumfahrt begeistert

Da waren sie schnell wieder verschwunden. All die Flaggen und Fähnchen, all der schwarz-rot-goldene Tand. Doch dabei gibt es noch so vieles mehr, worauf sich in Deutschland fast so viele einigen können wie sonst nur auf die Fußballnationalmannschaft – zumindest ab WM-Achtelfinale. Da wäre doch zum Beispiel: Astro-Alex!

veröffentlicht am 11.08.2018 um 08:30 Uhr

Illustration: cn
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite

Schon der Name sagt: Hier geht es sogar über das Nationale, gar noch über das Irdische hinaus. Also wird für Alexander Gerst auch nicht geflaggt, während er (kommandierend!) auf der Internationalen Raumstation weilt. Er astronautet ja nun auch nicht gegen seine russischen Kollegen um Punkte – das lässt die Emotionen weniger hochkochen als beim Fußball.

Aber Eindruck macht unser aktueller Nationalweltraumfahrer eben schon. Eine Kollegin sagt selbst, dass sie Gerst geradezu anhimmele – was bei einem Raumfahrer nun ja auch naheliegt.

Doch zählen wir kurz mal alle Astronauten mit deutschem Pass im Geiste auf – kleine Hilfe: Es sind insgesamt elf. Ulf Merbold – ja, richtig. Dann noch der allererste, der aus der DDR. Siegmund Jähn – genau. Und Thomas Reiter war doch auch vor einer Weile öfter mal im Fernsehen. Und die anderen? Puh.

Bei Astro-Alex läuft das irgendwie anders. Sein (zweiter) Raketenstart stand auf den Titelseiten – auch auf unserer. Vermutlich wird seine Landung im Dezember dort wieder stehen.

Und wenn er nun zwischen seiner Wissenschaftler- und Kommandanten-Arbeit mal kurz Bescheid gibt, dass wir uns doch alle auf dieser kleinen zerbrechlichen Erde unter ihm besser vertragen sollen, dann sind das Sätze, die Raumfahrer seit Jahrzehnten sagen, aber plötzlich – so scheint es mir – hören wir wieder hin.

Wie macht der Alex das nur? Vermutlich geht‘s um mehrere Faktoren. Den einen hat er mit sämtlichen Astronautenkollegen – und auch mit Captain Kirk – gemein: den Weltraum – unendliche Weiten. Ein tolles Thema nach wie vor.

Eigentlich hatten wir ganz andere Pläne – klar. Dass wir es im Jahr 2018 noch nicht mal bis auf den Mars geschafft haben, hätte jeden TV-Augenzeugen der ersten Mondlandung vor 49 Jahren wohl zutiefst enttäuscht.

In Kirks Star-Trek-Universum übrigens startet im Jahr 2063 das erste irdische Raumschiff mit Überlichtgeschwindigkeit. Ich sag mal: Das wird knapp.

Dennoch: Für unsere großen Träume ist an Bord jeder noch so engen und klapprigen Sojus-Rakete Platz. Alexander Gerst hat sie mal wieder mitgenommen.

Als weiteren Faktor, der Gerst zum Weltraum-Star macht, könnte ich nun – Berufskrankheit – noch etwas von „hervorragender Öffentlichkeitsarbeit“ schreiben: Maus und Elefant aus dem Kinderfernsehen dürfen mit auf die ISS, menschelnde Facebook-Posts mit gigantischen Fotos aus 400 Kilometern Höhe – von Wolken, von der Tag-Nacht-Grenze, von der Mondfinsternis – toll.

Aber eigentlich geht es wohl vor allem um eins: Charisma. Charisma – das ist nicht schlimm, wenn man sich regelmäßig die Zähne putzt, kalauerte Rüdiger Hoffmann in den 90ern. Tatsächlich ist Charisma natürlich ein Zauberzeug oder – um näher an der eigentlichen Bedeutung zu bleiben – ein Gottesgeschenk.

Charisma sorgt dann zum Beispiel dafür: Der eine Fußballtrainer gewinnt Unmengen Pokale, der andere vor allem viele Silbermedaillen. Die teuren Werbeverträge zieht dennoch der mit den Silbermedaillen an Land, Jürgen Klopp. Und nie – auch nicht in jüngeren Jahren – Jupp Heynckes.

Nun ist Alexander Gerst vielleicht kein Charisma-Tsunami wie Jürgen Klopp. Aber er bekommt die Leute doch. Zumindest ihre Aufmerksamkeit – für sich, das All, die Erde. Warum? „Weil er so nett ist“, sagt mein achtjähriger Sohn.

Und der kennt Astro-Alex schließlich schon lange ganz genau – aus der „Sendung mit der Maus“. Vielleicht taugt das ja sogar als simple Botschaft des Zaubers um unseren Lieblingsraumfahrer: Seid nett! Auch zu unserem Planeten.



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