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NABU-Tipps für richtigen Umgang

Wespen und Hornissen friedlicher als allgemein gedacht

Nach wie vor halten viele Menschen Wespen, Hummeln und Hornissen für gefährlich. Die Liste der Vorurteile ist lang und Aufklärung daher dringend notwendig. Britta Raabe vom Naturschutzbund Weserbergland informiert und gibt Tipps über den richtigen Umgang mit den bedrohten Insekten.

veröffentlicht am 21.07.2017 um 16:25 Uhr
aktualisiert am 21.07.2017 um 17:20 Uhr

Eine Wespe tut sich an einer Birne gütlich. Foto: Kathy Büscher

Wer draußen Obstkuchen, Saft und Eis genießt, lockt mit den süßen Speisen oft ungebetene Gäste an – zumeist Wespen. „Ob der Sommer früh oder spät in die Gänge kommt, ob er lang und sonnig wird oder womöglich erst im September in die Gänge kommt, auf eines ist immer Verlass: Zu Kuchen oder Eis im Freien gesellen sich alle Jahre wieder die uneingeladenen Gäste“ sagt Britta Raabe vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). „Somit ist der Ärger vorprogrammiert – manche Menschen schlagen nach den hungrigen, gelb-schwarzen Fliegern, um sie zu vertreiben, pusten sie womöglich an und erzählen dann gern noch Gruselgeschichten.“

Nach wie vor halten viele Menschen Wespen, Hummeln und Hornissen für gefährlich. Die Liste der Vorurteile ist lang und Aufklärung daher dringend notwendig, denn kaum eine Tiergruppe ruft so heftige Reaktionen hervor wie diese unter dem wissenschaftlichen Begriff „Hautflügler“ zusammengefassten Insekten.

„Die Tatsache, dass nur wenige Menschen mit der Lebensweise von Wespen oder Hornissen vertraut sind, hat zur Bildung von Mythen und Vorurteilen beigetragen“, erklärt die Leiterin der Regionalgeschäftsstelle, die sich mit viel Aufklärungsarbeit dafür einsetzt, Vorurteile abzubauen und solche Wissenslücken zu schließen. „Nur so“, führt sie aus, „lässt sich ein friedliches Miteinander erreichen“.

Die Staaten bildenden Hautflügler sind unerlässlich für ein intaktes Ökosystem und dienen so letztlich auch dem Menschen, nehmen sie doch die überaus wichtige Aufgabe der natürlichen Insektenbekämpfung wahr.

Doch leider sind auch diese Tiere selbst bedroht: Der drastische Rückgang der Insektenpopulationen, der sich zunehmend besorgniserregend in den letzten Jahren abzeichnet, betrifft auch diese ungeliebten Nützlinge. Daher ist eine unterschiedslose Bekämpfung aller Wespenarten ökologisch unsinnig und stellt zudem einen Verstoß gegen die in Deutschland geltenden Naturschutzbestimmungen dar.

Speziell Hornissen, Hummeln, Mittelwespen sowie alle Wildbienen sind nach Paragraf 42 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützt – in solchen Fällen schicken die meisten Unteren Naturschutzbehörden einen speziell ausgebildeten Wespen- und Hornissenberater zu Personen, die diese Hautflügler als Untermieter beherbergen.

Nicht alle der acht „typischen“, sozialen Faltenwespenarten Mitteleuropas mögen Süßes oder Fettiges: Normalerweise sind alle Wespenarten zunächst hauptsächlich Jäger, die ihre Brut mit Eiweißnahrung in Form von erbeuteten Insekten füttern. So stehen Fliegen, Mücken, kleine Raupen und viele andere Insektenarten auf ihrer Speisekarte.

Die fertig entwickelten Vollinsekten dagegen benötigen Kohlehydrate, die sie – je nach Art – gern aus Baumsäften, Blütennektar oder vom Honigtau der Blattläuse gewinnen. Nur die „Deutsche Wespe“ sowie die „Gemeine Wespe“ kommen gern an unseren Tisch um kohlenhydratreiches Futter aufzunehmen. „Besonders zum Ende des Lebenszyklus des Wespenstaates werden uns dann die Tiere lästig“, weiß Raabe, die von Ende Juli bis in den September hinein besonders viele Anrufe von naturinteressierten Personen in der Regionalgeschäftsstelle Weserbergland entgegennimmt.

Tipps zum friedlichen Zusammenleben – am Kaffeetisch und beim Grillen:

Wespen stechen, sobald sie sich bedroht fühlen. Vermeiden Sie deshalb heftige Bewegungen wie schlagen, wedeln oder auch wegrennen.

Auch das Wegpusten der Tiere ist nicht ratsam: Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal.

Es ist sinnvoll, Nahrungsmittel im Freien abzudecken und Reste wegzuräumen. Nach dem Essen sollte bei Kindern der Mund abgewischt werden, um die Wespen nicht anzulocken.

Nie direkt aus der Flasche trinken. Am besten Getränke mit dem Strohhalm trinken oder Gläser mit Bierdeckel oder Papierförmchen abdecken.

Um von den ungeliebten Tischgästen gänzlich in Ruhe gelassen zu werden, empfiehlt sich eine Ablenkfütterung. Die Schülerinnen Maike Sieler und Henrike Weidemann fanden bei einem Experiment für „Jugend forscht“ heraus, dass sich überreife Weintrauben dazu am besten eignen. Fünf bis zehn Meter vom Ort des eigentlichen Geschehens entfernt aufgestellt, halten die Früchte die Wespen in Schach. Vorsicht: Marmelade oder Honig machen die Tiere aggressiv. Vom Kauf von mit süßem Saft oder Bier gefüllten Wespenfallen rät der NABU ab. Die Tiere sterben in der Flüssigkeit einen qualvollen Tod.

Sobald man doch einmal gestochen wurde, hilft es, eine halbierte Zwiebel auf den Stich zu drücken. Durch die ätherischen Öle und Verdunstungskälte werden der Schmerz und die Schwellung gelindert.

Angstschweiß kann übrigens Angriffe auslösen – auch wenn es schwer fällt: Versuchen Sie, ruhig zu bleiben!

Weitere Informationen unter (0 57 51) 52 37 oder www.nabu-weserberland.de/naturschutztipps/Insekten.red



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