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Harry-Potter-Prequel kostenlos auf YouTube / Wie die Plattform „Kickstarter“ bei der Finanzierung hilft

Wenn Fans Filme drehen

Hunderte Millionen verkaufte Bücher, Hunderte Millionen Kino-Zuschauer: Die Geschichte des jungen Zauberers Harry Potter ist eine der erfolgreichsten Fantasy-Reihen aller Zeiten. Nun haben Fans die Vorgeschichte des dunklen Zauberers Lord Voldemort verfilmt. Der Film mit dem Titel „Voldemort: Origins of the heir“ kann kostenlos auf YouTube angeschaut werden und muss sich qualitativ vor den offiziellen Filmen nicht verstecken.

veröffentlicht am 08.02.2018 um 16:25 Uhr
aktualisiert am 17.02.2018 um 12:33 Uhr

Spektakuläre Zauberei im Harry-Potter-Universum. Verwirklicht wurde „Voldemort: Origins of the heir“ von Fans. Foto: YouTube-Screenshot
Nicole Trodler

Autor

Nicole Trodler Onlineredakteurin zur Autorenseite

"Voldemort: Origins of the heir“ erzählt, wie aus dem Zauberer Tom Marvolo Riddle (in der deutschen Version Tom Vorlost Riddle) der gefürchtete Lord Voldemort (der, dessen Name nicht genannt werden darf) geworden ist. Die Geschichte wird aus der Perspektive der jungen Zauberin Grisha McLaggen erzählt. Sie hat gemeinsam mit Tom die Zaubereischule Hogwarts besucht und war als Nachfahrin des Schulgründers Godric Gryffindor sogar mit ihm, dem Erben Salazar Slytherins (ebenfalls ein Hogwarts-Gründer), befreundet. Gemeinsam mit den Nachfahren von Helga Hufflepuff und Rowena Ravenclaw (Schulgründer Nummer drei und vier) war die Vierer-Gruppe perfekt.

Die Filmhandlung setzt mehrere Jahre nach Ende der Schulzeit ein. Mittlerweile verdächtigt Grisha Tom mehrerer Morde und bricht auf der Suche nach Hinweisen in eine sowjetische Auroren-Zentrale ein. Auroren sind im Harry Potter-Universum jene Zauberer, die sich dem Kampf gegen die dunkle Magie verschrieben haben. Trotz ihrer Kampf- und Zauberkünste wird Grisha überwältigt und unter Einsatz des Wahrheitstrunks Veritaserum verhört. Der Großteil des Fan-Films besteht fortan aus Rückblenden, am Ende jedoch gibt es noch eine überraschende Wendung der Geschichte. Harry Potter-Lesern werden einige Szenen aus dem sechsten Teil der Buch-Reihe („Harry Potter und der Halbblutprinz“) bekannt vorkommen. Die Rahmenhandlung um die Nachfahren der vier Schulgründer von Hogwarts und die Jagd Grishas nach Tom Riddle entstammen jedoch der Fantasie der Filmemacher.

Seit dem 13. Januar ist der Fan-Film auf YouTube zu sehen, die Abrufzahlen liegen bereits im zweistelligen Millionenbereich. Bis der neue Harry Potter-Film das Licht der (Internet-)Leinwand erblicken konnte, hatte er jedoch ein wichtiges Hindernis zu überwinden. Das Projekt der beiden Italiener Gianmaria Pezzato und Stefano Prestia sollte über die Online-Plattform Kickstarter finanziert werden. Da die Filmrechte der Harry Potter-Reihe allerdings beim US-Unternehmen Warner Bros. Entertainment liegen, wurde die inoffizielle Verfilmung zunächst gestoppt. Das war im Juli 2016. Knapp ein Jahr später deutete die Veröffentlichung eines Filmtrailers darauf hin, dass es zwischen den Filmemachern und dem Rechteinhaber zu einer Einigung gekommen ist. Die Voraussetzung sei, dass mit dem fertigen Film kein Geld verdient werden dürfe, sagte Gianmaria Pezzato dem Magazin „Wired“.

15000 US-Dollar kamen für die Produktion zusammen, letztlich ist ein 52-minütiger Spielfilm entstanden. Das geringe Budget sieht man diesem jedoch kaum an, die Spezialeffekte in den Kampfszenen sind überzeugend. Atmosphärisch und in der Bild-Sprache orientiert sich der Fan-Film an den offiziellen Verfilmungen. Auch der Titel-Schriftzug ist der offiziellen Typografie nachempfunden. Manchmal allerdings nimmt sich der Film allzu ernst, das Schauspiel ist an einigen Stellen ziemlich pathetisch und wirkt übertrieben. Die Filmemacher hätten zudem etwas abwechslungsreicher beim Schneiden ihrer Dialog-Szenen seien können. Wenn die junge Zauberin Grisha vom sowjetischen Auroren Macarov verhört wird, gibt es viele Nahaufnahmen, in denen nur die Augen der beiden Gesprächspartner zu sehen sind. Dieser inszenatorische Kniff hätte durchaus sparsamer eingesetzt werden können. Insgesamt ist „Voldemort: Origins of the heir“ jedoch ein unterhaltsamer und vor allem optisch überzeugender Film geworden. Ein Film, der ohne das Engagement der Filmemacher und ohne die Bereitschaft vieler Fans, sich finanziell zu beteiligen, gar nicht realisiert worden wäre.

Die Plattform Kickstarter hat sich in den letzten Jahren zu einer beliebten Finanzierungsquelle für Filmemacher entwickelt. Eines der bekanntesten Projekte ist der 2014 gedrehte Spielfilm zur Fernsehserie „Veronica Mars“. Über 90 000 Fans haben den Film durch Geldspenden unterstützt, insgesamt kamen über 5,7 Millionen US-Dollar zusammen. Aber nicht nur kommerzielle Erfolge kann Kickstarter vorweisen, auch die Qualität der realisierten Projekte stimmt: Seit 2011 ist in jedem Jahr mindestens ein spendenfinanzierter Film für den Oscar nominiert gewesen. Der Dokumentar-Kurzfilm „Inocente“ konnte im Jahr 2013 sogar einen Academy Award gewinnen.

Letztlich profitieren beide Seiten von diesem Finanzierungsprinzip: Die Filmemacher und die Zuschauer. Zum einen haben Fans die Möglichkeit, ihre Lieblingsserie doch noch fortgesetzt, ihre Lieblingsgeschichte doch noch verfilmt zu sehen. Zum anderen ist es für Filmemacher ein Stück Unabhängigkeit von den großen Produktionsfirmen und die Möglichkeit, auch einmal Stoffe abseits des Massengeschmacks zu verfilmen.


Info: „Voldemort: Origins of the heir“ kann auf dem YouTube-Kanal von Tryangle Films angeschaut werden. Die Originalsprache ist Englisch, es gibt jedoch Untertitel in mehreren Sprachen, darunter auch Deutsch.



Ein weiterer Fan-Film, der ebenfalls in voller Länge auf YouTube zu sehen ist, erzählt vom Zerwürfnis zwischen den Zauberern Albus Dumbledore und Gellert Grindelwald.



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