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Schwere Zeiten auch für Singles während der Corona-Krise

Wenn die Probenacht entfällt

Als Single hat man es ja eh schon schwer. Die Abende werden meist allein zu Hause vor dem Fernseher verbracht, beim Kaffee in der Stadt schweift der Blick rüber zum Nachbartisch, an dem ein Pärchen schwerstverliebt und fast schon provozierend mir gegenüber sein Glück zelebriert, der beste Freund hat für den traditionellen Kneipenbesuch keine Zeit, weil seine Frau meint, er müsste den Abend mit ihr verbringen, der nächste Abend allein auf dem Sofa mit TV ist vorprogrammiert.

veröffentlicht am 21.03.2020 um 11:00 Uhr

Jens-Thilo Nietsch

Autor

Volontär zur Autorenseite

Was bleibt, ist der Griff zum Handy, die virtuelle Welt wird geöffnet und prompt wird via Facebook oder auch WhatsApp die nächste Pärchenoffensive gestartet, die glückliche Zweisamkeit befreundeter Paare wird mittels Fotos vom gemeinsamen Essen mit Wein auf dem Balkon dokumentiert.

Die Lust auf selbsterlebte und selbstgefühlte Nähe zum weiblichen Geschlecht wächst. Lockere Kontakte, die über die sozialen Medien mit der Damenwelt schon geknüpft worden sind, schreien danach, intensiviert zu werden. Ein Treffen, und zwar ein reales in der richtigen Welt dort draußen, wäre also der nächste und erstrebenswerte Schritt. UND NUN DAS.

Ein solches Treffen ist nicht möglich, in Zeiten von Corona giert die Welt nach Einsamkeit, nach dem Aussetzen sozialer Kontakte, wie ich finde, auch richtig und notwendig. Aber mein Leben als Single wird dadurch nicht einfacher, die Chancen auf baldige Zweisamkeit sinken rapide und scheinen gar ganz zu schwinden. Wie soll „die Richtige“ gefunden werden, wenn das persönliche Kennenlernen entfällt? Wie soll die Herzensdame erobert werden, wenn der schmachtende Blick ins Leere geht? Wie will man dem weiblichen Gegenüber ein Lächeln ins Gesicht zaubern wenn der lang einstudierte und mehrfach erprobte Witz nur im direkten Gespräch zündet?

Der in 39 Lebensjahren aufgebaute Charme funktioniert nur bedingt durchs Handy. Das alles entscheidende, das persönliche Treffen, wie zum Beispiel in Bars, entfällt, eine direkte Einladung in die eigenen vier Wände gleich beim ersten Treffen scheint etwas zu forsch zu sein, direkter Kontakt soll ja auch vermieden werden, was mich zum nächsten Punkt bringt. Eine Beziehung lebt auch von Intimität, auch hier muss man gucken, ob es passt. Aber wie, wenn die Probenacht entfällt? Die Möglichkeit wegfällt, zu schauen, ob’s denn auch hier passt? „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“, heißt es so schön. WIE DENN?

Das Jahr 2020 scheint ein schwieriges für die weitere Lebensplanung zu sein, gerade für die zwischenmenschliche Planung. Normalerweise schreibe ich in diesem Blatt, um Fragen aufzuwerfen und im besten Falle auch zu beantworten. Fragen habe ich in diesem Beitrag nun genug aufgeworfen, die Antworten bleibe ich diesmal schuldig und baue hier auf die Leserschaft. Mails gerne an den Autor.

Was also bleibt, wie so oft beim Singledasein, und auch das ist mehrfach erprobt, ist die Hoffnung auf bessere Zeiten, im Jahr 2020 vor allem auf gesündere. Die Zeit sinnvoll zu nutzen, sich vielleicht neu aufzustellen. Die Probenacht nicht ausfallen zu lassen, sondern nur zu verschieben, als Ziel in der Ferne zu definieren. Das erste Treffen sorgfältig zu planen, eine Taktik entwickeln, Witze sondieren, flotte Sprüche erfinden und gedanklich schon zu platzieren.

Das Hemd bügeln, zum Friseur gehen, sich optisch neu erfinden. Beim Schreiben dieser Sätze fällt auf, vielleicht habe ich doch schon Antworten zumindest ansatzweise gefunden. Die Datingpause muss nicht unbedingt als Nachteil empfunden werden. Keine schöne Zeit, so viel ist klar. Aber auch diese Zeit kann genutzt werden.

Die Ideen sprudeln wieder hervor, der Lebenssinn ist wieder entdeckt und vor allem entfacht. Ein Diplompsychologe erklärt gerade parallel im Fernsehen auf einem Nachrichtensender mit drei Buchstaben, wie man diese Zeit für sich selber nutzen kann und bringt den glorreichen Vorschlag, dass man ja essen könne ... Sensationell, genial möcht ich fast sagen, wäre ich so nicht drauf gekommen. Gott sei Dank haben wir studierte Leute in diesem Lande. Beten bringt er auch noch ins Spiel, und das find ich gut, das werd ich machen. Für Sie, für mich und dass diese Zeit bald vorbei ist. In diesem Sinne, bleiben Sie gesund!



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