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Warum es nie so schlimm kommt, wie man manchmal denken mag

Wenn der Teufel morgens kommt …

Der braune Holztresen glänzt im Schein der tief hängenden Lampen, der Qualm der Zigaretten thront wabernd darüber, an den Gläsern läuft ganz gemächlich Bierschaum herunter, bis er auf den Bierdeckel gluckst. „Guck ma’, dat Bier freut sich, dat schäumt über vor Glück“, versucht Uwe, zu witzeln. Gut, lassen wir ihn einfach machen … und hoffen, dass er nicht noch darüber nachdenkt, dass das bei Pe Werner eher etwas mit Brausestäbchen zu tun hat, und es bei uns beiden, also dem Uwe und mir, auch nix mit Kribbeln im Bauch zu tun hat.

veröffentlicht am 21.09.2019 um 11:00 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Egal … lass mal gut sein, Uwe, sag einfach „Prost“ und gut ist es. Wahrscheinlich hat er morgens die Augen aufgeschlagen und das Lächeln des Sonnenscheins hat ihm den Morgen versüßt, wie nur das Lächeln eines Sonnenscheins jeden Tag einfach schön werden lassen kann.

Aber: Wir wissen doch alle, dass es manchmal auch ganz, ganz anders sein kann. Da fragt man sich schon vor dem zweiten Frühstückchen, was das in aller Herrgottsfrühe wohl für ein grauer Schatten war, den man schlaftrunken aus dem Augenwinkel irgendwie schräg am, neben oder über dem Bett zu sehen geglaubt hat. Dass sich der Tag anschließend total gründlich in einen Murks-Tag verwandelt hat, lag wohl eher daran, dass es eben kein grauer Schatten war, den man da gesehen hat, sondern der Teufel höchstpersönlich. Der hat sich nämlich im Morgengrauen – deshalb heißt es ja auch Morgen-Grauen – ins Schlafzimmer geschlichen und präsentiert einem auf einem schwarz angelaufenen Silbertablett einen gebrauchten Tag. Und zwar so was von gebraucht, dass nix Gutes von ihm zu erwarten ist. Es geht nicht einfach nur alles schief, neeeeiiiiin, der Rest der Welt hat sich gegen einen verschworen, will einem den letzten Nerv rauben, zerstören, noch bevor man in die Tischkante beißen kann. Alle Meckerpötte der Welt haben sich zum verdammten Frontalangriff entschieden – und zwar gleichzeitig, nur eben aus verschiedenen Richtungen. Selbstverständlichkeiten im Büro werden zur Floskel degradiert, gewohnte Tagesabläufe penibelst auf links gedreht, Regeln nicht nur aus den Angeln, sondern aus ihren Verankerungen gehoben, und einem selbst bleibt einzig die unbefriedigende Rolle des Statisten übrig, der nur noch von einer Ohnmacht in die nächste fallen darf.

Und wir alle wissen: Alkohol ist keine Lösung. Aber heute muss es mal sein … Denn, wie steht es Weiß auf Schwarz auf einem Schildchen in einer unserer Lieblingskneipen? „Kein Alkohol ist auch keine Lösung.“

„Jammer’ nich’ rum, bestell’ lieber noch ’n Bier“, wirft Uwe a) im wahren Sinne ganz trocken und b) an dieser Stelle irgendwie total sinnig dazwischen.

„Jaja …“

„Sach nich’ jaja, ich weiß, wat dat bedeutet, Du …“

„Machst Du uns bitte nochmal zwei Bier, eins für Uwe, eins für mich …?“

„Kommt gleich.“

„Hör ma’ “, sagt Uwe mit dem Anflug eines leicht triumphierenden Lächelns, „so schlecht kann der Tach doch gar nich’ sein, wenn dat Bierchen nu’ och schon gleich kommt … merkste wat?“

Ja, aber … wenn der Teufel auftaucht, dann ist plötzlich alles anders. Eben war noch alles gut. Jetzt ist alles doof. Du fragst Dich, wie konnte das über Dich kommen, was ist geschehen – und vor allem, wie konnte das geschehen? Ja, zum Teufel noch mal. So war das nicht geplant.

„Hier, Euer Bier“, reimt die Wirtin die Gläser auf den Tresen und die Striche auf den Deckel.

„Prost!“

„Prost.“

Vergessen wir es einfach. Diesen Tag, diese Last, diese Qual, diesen Teufel mit seinem bescheuerten Tablett. Morgen ist ein anderer Tag, und es wird bestimmt ein schöner Tag, vielleicht sogar mit dem Lächeln des Sonnenscheins. Ein Tag, in dessen Verlauf nicht etwa der Teufel vorbeischaut, sondern, ja, sagen wir’s, ein Engel. Das wär’ doch was. Ein Engel … Der von Rammstein ist leider zu weit weg. Aber der von Oerding, der passt ja auf. Oder der von Gabalier, mit dem kann man sogar mitfliegen. Oder der von neulich abends, der da fragt: „Sage mal bitte, weißt Du, warum duplo duplo heißt?“ „Hä?“ „Du arbeitest doch bei der Zeitung, Du kriegst so etwas doch raus …“

Geerdet. Danke.



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