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Warum ich mich jetzt schon aufs Fest freue

Weihnachtsallergie? Geschenkt!

Haben Sie schon alle? Geschenke meine ich. Nur noch zwei Monate bis Heiligabend. Seit Wochen deutet in den Supermärkten alles auf Weihnachten hin, da sollten wir uns langsam mal Gedanken machen. Liebe Männer: Jetzt ist es noch früh genug, oder wollt Ihr wieder erst am 24. loslaufen? Das wird in diesem Jahr ohnehin voll in den Läden, Heiligabend fällt nämlich auf einen Montag. Ein Notstands-Wochenende vorher und zwei Feiertage danach – au weia.

veröffentlicht am 13.10.2018 um 07:31 Uhr

Illustration: cn
Kerstin Hasewinkel

Autor

Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite

Sie haben keine Idee? Weil sie doch schon alles hat? Kann gar nicht sein. Kleiner Tipp: Einfach mal zuhören. Achten Sie auf den Wink mit dem berühmten Zaunpfahl. Ich beispielsweise wünsche mir seit so vielen Jahren eine Sauna, dass ich mir aus den Zaunpfählen, mit denen ich gewunken habe, langsam selbst eine bauen könnte. Aber natürlich bin ich eigentlich wunschlos glücklich…

Weshalb mir eine Freundin zum Geburtstag tatsächlich mal eine Tüte Weltfrieden schenkte. Ich hatte auf ihre Frage nach meinem Wunsch diese zugegeben etwas abgegriffene Standardantwort gegeben – und nicht damit gerechnet, dass sie auch das hinbekommt: Eine Papiertüte (natürlich!) mit Aufdruck Weltfrieden (gefüllt mit Bonbons). Kann man heute alles bestellen.

Ohnehin habe ich manchmal den Eindruck, dass Frauen viel öfter wissen, wie sie eine Punktlandung machen. Wahrscheinlich, weil sie besser zuhören. Als wenn es noch eines Beweises bedurft hätte: Die Kollegin bekommt zum Geburtstag ein Monchichi, das sind diese kleinen äffchenartigen Puppen. Es ist ihr Klein-Mädchen-Trauma, in den 1970er Jahren kein Monchichi von den Eltern bekommen zu haben. Hat sie neulich einer anderen Kollegin erzählt. Und? Ihn prompt bekommen. Frauen hören eben zu, sagt auch die Kollegin. Als sie das Ding ausgepackt hat, hatte sie wirklich feuchte Augen.

Was das für Folgen haben kann, wenn einem Wünsche nicht erfüllt werden! Bei mir war das ein Paddington-Bär, den ich auf der Vermisstenliste habe. Oder Ü-Eier. Obwohl mein Vater es verstand, zu schenken. Eigentlich weiß ich gar nicht, ob nicht doch meine Mutter die Geschenkidee hatte oder die beiden gemeinsam beratschlagten.

Was mich als Kind jedoch begeisterte und mich natürlich noch neugieriger machte: Papa gab Geschenken im Vorfeld Namen. Zum Geburtstag hieß es wochenlang vorher: „Du bekommst den grauen Emil.“ Und ich rätselte und rätselte – bis ich dann endlich einen grauen Stereo-Kassetten-Radiorekorder auspacken durfte. Oder: „Es fängt mit B an.“ B stand für Bag, zu Weihnachten gab es einen Koffer.

Oder gehören Sie auch zur Kategorie: Wir schenken uns nichts? Da bekommt die gesamte Nachbarschaft dann selbst gemachte Marmelade mit Weihnachtsdekor und der eigene Mann nicht mal Socken. Passt ja gerade wieder gut in die Zeit, bloß kein Konsumterror, kein Verpackungsmüll, keine Fressorgien. Dumm nur, wenn einen die ganze Zeit bis Heiligabend die Sorge plagt, der andere könnte doch „eine Kleinigkeit“ besorgt haben. Also lieber auch etwas bereithalten.

Also, ich finde das unromantisch. Keine Präsente. Einen Baum dann wohl auch nicht? Kein Festessen? Kein Familientreffen? Kein Streit mit Opa? Weihnachtsallergiker machen es sich hübsch einfach: Keine Geschenke, keine Erwartungen, keine Enttäuschungen. Aber auch kein zur Musik von „Last Christmas“ stundenlang durch Geschäfte Laufen, kein Stöbern in Buchläden, bei denen man x Titel entdeckt, die man selbst lesen möchte, keine Bastelarbeiten bei Kerzenlicht, keine Freude beim Verschenken und Auspacken. Wer sich Weihnachten verweigert, hat entweder einen schwerwiegenden Grund oder einfach kein Herz.

Meine Mutter hat das ganze Jahr über an Weihnachten gedacht. Immer, wenn sie etwas gesehen hat, von dem sie glaubte, es sei genau das richtige Geschenk, hat sie es schon mal gekauft. Leider aber auch manchmal vergessen – Jahre später fand sie im Schrank verpackte und unverpackte Präsente, vom Olivenschälchen bis zum Babyjäckchen. Wenn man sie übrigens gefragt hat, was sie sich selbst wünscht – Fehlanzeige. „Ich brauche doch nichts.“

Es ist gut, sich rechtzeitig Gedanken zu machen. Wegen des Weltfriedens, oder naja, wenigstens wegen eines friedlichen Festes zu Hause. Vorbei die Zeiten, in denen die Hausfrau einen Wischmopp oder die Waschmaschine bekam. Das ist dann das ganz fürchterlich praktische Geschenk. Es soll ja auch Menschen geben, die Gutscheine toll finden, ich gehöre nicht dazu. Das ist die gescheiterte Ich-geh-Heiligabend-noch-schnell-los-Variante. Wer so unterwegs ist, weiß nicht, was ihm entgeht: Längst haben Studien belegt, dass Schenken selbst glücklich macht. Männer, besorgt Geschenke! Es gibt auch positiven Stress. Allerdings habe ich die begründete Befürchtung, dass Männer doch anders ticken. Mein Kollege jedenfalls erzählt, er habe auch kein Monchichi bekommen. Was aber Um-Himmels-Willen nicht bedeute, dass er jetzt einen haben wollte.

Wenn ich noch einmal auf die Welt komme, dann als Mann, denn ich wäre ein Frauenversteher. Dann werde ich die Frauen um mich scharen, weil ich weiß, wie es geht. Auch das Schenken. Findet das jetzt irgendjemand frauenfeindlich?

Geschenkt. Ich freu mich auf Weihnachten. Jetzt schon.



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