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Die Geschichte des Hotels Seiler in Lügde

Weihbischof war der erste Gast

Das Hotel war zunächst nach der Familie Seiler, einer im 16. Jahrhundert aus Zweibrücken im heutigen Rheinland-Pfalz nach Lügde zugewanderten Familie benannt. Erstmals taucht ein gastgebender Seiler 1624 auf, als der Paderborner Weihbischof Pelking in der Stadt Lügde die katholische Konfession wieder einführte. Nach den Worten der Pfarrchronik war der Ratsherr Heinrich Seiler mit den anderen Mitgliedern des Stadtrates ins Kloster Marienmünster unterwegs, als der Weihbischof unerwartet in Lügde eintraf. Nachdem er zunächst die kirchlichen Gebäude in Besitz genommen hatte, wandte er sich zum Haus des Ratsherren Seiler (Mittlere Straße 4) und bat um Unterkunft. Die Frau Seilers, Anna geb. von Amelunxen, schützte zunächst die Abwesenheit ihres Mannes vor, um den Weihbischof nicht aufnehmen zu müssen, nahm ihn dann aber doch auf. Als Bürgermeister, Ratsherr und späterer Stadtsekretär (d. h. Leiter der Verwaltung) hatte Seiler dann noch häufiger Gäste im Haus.

veröffentlicht am 02.02.2015 um 06:00 Uhr

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Autor:

Manfred Willeke

Der Stammvater des Hoteliersprosses war der Organist Carl Seiler, der in seinem Haus Mittlere Straße 26, zu dem 1747 auch ein Braurecht gehörte, Vorstandssitzungen und sonstige Veranstaltungen des Schützenvereins zu feiern pflegte. Carl Seiler erwarb für seinen Sohn Gottfried Seiler 1810 das Haus Vordere Straße 35. Dieses dominiert mit seiner traufenständigen Fassade die Ostseite des Marktplatzes und war nach dem Stadtbrand 1797 von Ferdinand Trope als Herrenhaus erbaut worden. Gottfried Seiler führte darin zunächst eine kleine Landwirtschaft und einen Kramladen mit Alkoholausschank. 1830 meldete er den Betrieb einer Schank-Gastwirtschaft an, für die er nach dem städtischen Gewerberegister im Jahr 6 Reichstaler (heute etwa 20 Euro) Steuern zu bezahlen hatte. So entstand, anknüpfend an die Tradition der Familie, das Hotel Seiler, das auch Namensgeber der anliegenden kleinen Gasse/Straße wurde, die von Kaplanei- in Seilerstraße umbenannt wurde.

Nach dem Tod von Gottfried Seiler 1843 übernahm sein Sohn Julius Seiler das Hotel, das 1891 dessen Töchter Berta, Louise und Franziska Seiler übernahmen. Berta übernahm die Geschäftsführung und verheiratete sich am 17.10.1882 mit Norbert Küster, der eine neue Seite in der Geschichte des Hotels aufschlug. Schon bald nach der Hochzeit begann er mit erheblichen Erweiterungsarbeiten und plante 1889 sogar die Bettenzahl zu vergrößern. Deswegen ließ er 1892 ein Stockwerk auf das Haus aufsetzen. Die Arbeiten führten die Zimmerleute Karl Oelmann und Karl Wulf im Auftrag der Zimmerei Brockmeyer aus. Da es Norbert Küster zu teuer gewesen sein soll, das Fachwerk alle Jahre neu anstreichen zu lassen, ließ er es einige Jahr später von dem Lügder Stuckateur Anton Hohmann im damals modern gewordenen, quadrimierten Stil verputzen. Unter Küsters Regie wurde das Hotel Seiler zu einem der führenden Häuser weit und breit. Sogar begüterte Kurgäste aus dem nahen Bad Pyrmont wohnten im Hotel Seiler. Er ließ als einer der ersten eine eigene Kegelbahn errichten und für besondere Gäste das sogenannte „Honoratiorenstübchen“ einrichten, in dem u. a. „Kaisers Geburtstag“ gefeiert und verschiedene Bälle veranstaltet wurde. Im Hotelgebäude führte eine der ledigen Schwestern Seiler auch noch einen kleinen Lebensmittel- und Kramladen, und ihm hinteren Teil gab es ein kleines Kino. 1938 verkauften die unverheirateten Schwestern Emma, Anna und Berta Küster das Hotel an Johannes Reich. Er ließ nach dem Zweiten Weltkrieg die untere Etage umbauen, schloss den Lebensmittel- und Kramladen und nutzte alles für gastronomische Zwecke.

1958 erwarb die Familie Riedel das Hotel, die das Haus im alten Stil weiterführte. Besonders die gute Küche und Wildspezialitäten von Elfriede Riedel sind noch heute allen in guter Erinnerung. 1987 verkaufte Riedel das Hotel an die Familie Horst Stöhr, die das ganze Haus grundlegend sanierte und 1989 wieder eröffnete. In diesem Zusammenhang wurde auch der Name in „Hotel Stadt Lügde“ verändert. Heute ist das Hotel im Besitz der Familie Aris, die die Tradition weiterführt.

Weitere historische Fotos unter dewezet.de

Lange Tradition: Das Hotel Seiler in Lügde.

Foto-Juritz, Lügde/Willeke



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