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Das Soziale Netzwerk wird als Facebook-Nachfolger gehandelt – ist allerdings nicht das erste Alternativangebot

Was steckt hinter dem Hype um Vero?

BERLIN. Werbefrei und ohne Algorithmen: Die Smartphone-App Vero will ein neuartiges Soziales Netzwerk sein. Dabei ist sie der Konkurrenz ähnlicher, als es auf den ersten Blick scheint.

veröffentlicht am 12.03.2018 um 10:39 Uhr

Das soziale Netzwerk Vero gibt es bereits seit 2015. Durch den Beitritt mehrerer Prominenter, bekam es in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit. Einige Nutzer haben aber auch schon wieder öffentlich ihren Austritt verkündet. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Autor:

Christoph Zeiher
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Das neue Facebook, das neue Twitter, das neue Instagram: Die Smartphone-App Vero wird als Nachfolger bekannter Sozialer Netzwerke gehandelt. Tatsächlich kommt die Anwendung als eine Art Mischung bisheriger Angebote daher. Wirkliche Neuerungen bietet die App nach Einschätzung von Experten nicht.

Ein Netzwerk ohne Werbung will Vero nach eigenen Angaben sein. Man wolle so vor allem junge Nutzer ansprechen, die sich durch Werbeeinblendungen belästigt fühlten, heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Noch ist die App zwar gratis, irgendwann aber sollen zahlende Abonnenten die Anwendung finanzieren. Als weitere Besonderheit wollen die Macher von Vero keinen Algorithmus einsetzen, der die Beiträge der Nutzer sortiert.

Ganz neu sind diese Aspekte allerdings nicht. „Die Besonderheiten von Vero sind eigentlich alles Dinge, die Facebook, WhatsApp oder Instagram früher auch hatten“, sagt der Kölner Social-Media-Experte und Wirtschaftsjurist, Felix Beilharz. „Auch Facebook hat früher ohne Algorithmus funktioniert. Ab einer bestimmten Größe geht das aber nicht mehr, weil die User dann täglich Tausende Beiträge in ihrem Feed hätten“, so Beilharz. Werbefrei seien auch Facebook, Twitter und Instagram zu Beginn gewesen.

Die Besonderheiten von Vero sind eigentlich alles Dinge, die Facebook, WhatsApp oder Instagram früher auch hatten.

Felix Beilharz, Social-Media-Experte

Auch deshalb prognostiziert der Experte Vero keine lange Halbwertszeit. Die Anwendung sei schlicht zu ähnlich im Vergleich zur Konkurrenz: „Es kann daher gut sein, dass das in einem halben Jahr wieder vorbei ist.“ Ähnlich erging es bereits Apps wie Ello vor rund zwei Jahren oder Mastodon im vergangenen Jahr. Ebenso wie die einstige Erfolgsplattform StudiVZ oder das Netzwerk Google+ bestehen die Alternativangebote jedoch weiter fort (siehe Kasten).

Beim Thema Datenschutz weckt der Newcomer ebenso wie Facebook Bedenken. So verlangt Vero zur Anmeldung zwingend eine Telefonnummer - unter anderem um die Echtheit der Nutzer zu überprüfen, wie es heißt. „Es ist natürlich fragwürdig, ob das sinnvoll ist“, sagt Karola Elbrecht, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale. Besonders ärgerlich sei es, dass man vor dem Herunterladen nicht darüber informiert werde.

In den vergangenen Tagen hatten einige Prominente und Influencer ihren Beitritt zu Vero verkündet - in Deutschland unter anderem der Sänger Casper und der Moderator Klaas Heufer-Umlauf mit seiner neuen Sendung „Late Night Berlin“.

Allerdings melden sich auf Twitter auch vermehrt Nutzer zu Wort, die sich schon wieder von Vero verabschieden. Unter dem Hashtag #deletevero (zu Deutsch: Vero löschen) posten viele ihre Absage an das gehypte Netzwerk - auch weil sie den Machern der App misstrauen.

Seit 2015 gibt es Vero. Hinter der App steht der umstrittene Milliardär Ayman Hariri, Sohn des ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafic Hariri. Aus Frustration mit den bisherigen Netzwerken habe er Vero damals gegründet, heißt es auf der Homepage des Unternehmens.

Information

Was wurde aus Ello, Mastodon und StudiVZ?

Konkurrrenz hatte das soziale Netzwerk Facebook bereits, als 2008 eine deutsche Version an den Start ging. Damals war StudiVZ hierzulande der Marktführer, wurde allerdings schon bald auf die Plätze verwiesen. Trotzdem gibt es immer wieder Versuche, mit Alternativangeboten Facebook ein paar Nutzer abzutrotzen. Aber wie unterscheiden sich diese sozialen Netzwerke von Facebook und vor allem, wie erfolgreich sind sie mit ihrer Strategie?

StudiVZ ist im November 2005 als Online-Plattform für Studenten gegründet worden. Zu diesem Zeitpunkt gab es Facebook in den USA bereits seit knapp zwei Jahren, es war jedoch noch keine deutsche Variante gestartet. Diese Lücke wollte StudiVZ füllen und das klappte zunächst auch sehr gut. Nach dem Start des Originals gingen die Nutzerzahlen jedoch kontinuierlich zurück. Poolworks, der StudiVZ-Eigentümer meldete schließlich im September 2017 Insolvenz an. Die Plattform ist aber immer noch online, eine Anmeldung weiterhin möglich.

Google+ – das soziale Netzwerk des Internetriesen Google gibt es seit Juni 2011. Die Anzahl der registrierten Nutzer ist mit knapp 3,36 Milliarden auf den ersten Blick beeindruckend. Allerdings erhält jeder, der auch nur einen Google-Dienst nutzt, automatisch auch ein Google+-Konto. Die Zahl der aktiven Nutzer liegt derweil bei einem weitaus kleineren Teil als die Zahl der registrierten. Der Branchendienst Heise schrieb 2013 von etwa 360 Millionen pro Monat.

Ello war 2014 gestartet, als Facebook wegen diverser Datenschutzpannen etwas in Verruf geraten war. Das Netzwerk warb mit dem Slogan „Du bist kein Produnkt“ und grenzte sich damit auch offensiv von Geschäftsmodellen anderer Netzwerke ab. Ello war werbefrei und niemand musste sich mit Klarnamen anmelden. Mittlerweile spricht das Netzwerk nur noch eine kleine Zielgruppe an und hat sich zu einer Plattform für Künstler entwickelt. Aktive Nutzer: etwa 400 000 pro Monat.

Diaspora ist im November 2010 als dezentrales Netzwerk veröffentlicht worden. Jeder Nutzer hat die Möglichkeit, die Diaspora-Software auf einem eigenen Server zu installieren. Die Nutzerdaten lagern damit nicht zentral bei einem Unternehmen. Die verschiedenen Server (sogenannte pods) können untereinander kommunizieren, so dass man trotzdem Teil einer größeren Gemeinschaft ist. Disapora richtet sich an Nutzer, die Wert auf Datenschutz legen. Die Chance, dort alle seine Freunde wieder zu finden, ist jedoch gering..

Mastodon ist im Grunde die deutsche Variante von Diaspora, ebenfalls ein dezentrales Netzwerk. Die Nutzer betreiben Knotenpunkte, sogenannte Instanzen, über die man miteinander kommunizieren kann. Für Normalnutzer ist Mastodon aber ebenso wie Diaspora wohl eher nichts.nt



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