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Thomas D. narrte Hamelner vor zwei Jahren als „Fernsehredakteur“ / Motiv weiter unklar

Was ist aus dem Hochstapler geworden?

Hameln. „Er wirkte sehr seriös und war richtig sympathisch“, erzählt Musical-Produzentin Anke Rettkowski über „Jan Mayer“, den falschen ZDF-Redakteur, der vor rund zwei Jahren ganz Hameln narrte. „Eine gepflegte Erscheinung hatte er. Zudem konnte er sehr gut reden.“

veröffentlicht am 11.04.2012 um 06:00 Uhr

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Im Mai 2010 taucht „Jan Mayer“ in Hameln auf und gibt sich als ZDF-Redakteur aus. Er mietet sich für zwei Wochen im „Hotel zur Börse“ ein und engagiert sogar ein kleines Filmteam, das ebenfalls im Hotel logiert. „Mayer“ trägt ein ZDF-Outfit, das man später in seinem Hotelzimmer findet, anscheinend im ZDF-Fanshop gekauft und teilweise noch mit Preisschildern versehen. Der falsche Redakteur hat große Pläne, die er jedem mitteilt: Ein Dreiteiler entlang der Deutschen Märchenstraße soll gedreht werden, Hameln ist Drehort Nummer eins. Auch der „Flotte Weser“ stattet „Mayer“, angeblich zu Recherchezwecken, einen Besuch ab und hinterlässt beim Personal und der auf dem Schiff anwesenden Seniorengruppe einen rundum positiven Eindruck. „Ein sympathischer, wortgewandter Herr“, schildert Brigitte Duttmann, Disponentin der „Flotte Weser“, ihre Eindrücke. „Er hat es verstanden, die Menschen für sich zu gewinnen mit seinem angenehmen Auftreten und seiner verbindlichen Art“, berichtet Brigitte Duttmann. Sogar an einer Pressekonferenz der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT) zum Saisonauftakt des Musicals „Rats“, darf „Mayer“ teilnehmen und erzählt bei dieser Gelegenheit auch von seinen Filmplänen für Hameln. „Der hatte so ein professionelles Auftreten, niemand hat auch nur den geringsten Verdacht geschöpft“, erzählt Anke Rettkowski. Sie hatte den falschen ZDF-Redakteur beim HMT-Termin kennengelernt. Nach der Pressekonferenz ging man zum Bürgergarten, wo „Mayer“ mit seinem Team Szenen des Musicals filmen wollte. Hier gab sich der „Redakteur“ äußerst kompetent und professionell, ausgestattet mit ZDF-Outfit und Filmausrüstung. Doch in der Zwischenzeit hatte ein echter ZDF-Kameramann der Polizei einen Hinweis auf den falschen Kollegen gegeben. Noch während der Dreharbeiten im Bürgergarten wird „Jan Mayer“ festgenommen. „Plötzlich kamen mehrere Beamte in Zivil und führten ihn ab“, berichtet Anke Rettkowski. „Der hat nichts gesagt, sich nicht gewehrt, ist einfach mitgegangen“, erinnert sich die Musical-Produzentin.

Die Geschädigten erfahren nun, dass sie einem Betrüger auf den Leim gegangen sind. Der „Flotte Weser“ ist jedoch kein nennenswerter Schaden entstanden. „Daher haben wir auch nichts gegen den Herrn unternommen“, erzählt Brigitte Duttmann. Dem „Hotel zur Börse“ wird voraussichtlich niemand die rund 1000 Euro Hotelkosten erstatten, die der „Redakteur“ und sein Team verursacht haben. „Jan Mayer“, der im wahren Leben „Thomas D.“ heißt, war auch schon vor seinem Auftritt in Hameln nicht untätig: Es liefen bereits mehrere Verfahren wegen Betruges und Diebstahl gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft Detmold teilte mit, dass Thomas D. eine nachträglich gebildete Gesamtstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten erhalten habe. Das heißt, mehrere Strafen aus den verschiedenen Prozessen gegen Thomas D. wurden zusammengezogen und sorgten für den Freiheitsentzug, den Thomas D. seit Oktober 2010 in der JVA Hagen verbüßen muss. Über die Motive des Lügenbarons rätselt man noch, schließlich hat ihm sein Auftritt in Hameln keine Reichtümer eingebracht. „Ich glaube, es ging ihm nicht ums Geld, eher um Anerkennung“, vermutet Anke Rettkowski. „Er wollte vielleicht einfach mal jemand ganz Besonderes sein.“

Der Artikel über den falschen Journalisten erschien am 14. Mai 2010. Foto: Archiv



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