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Warum Fernbeziehungen oft an der Nähe scheitern und wie man Probleme in den Griff bekommt

Warten auf den Anruf und das Wochenende

Tränenreiche Abschiede am Bahnsteig, Hunderte Euro Fahrgeld – und am Ende scheitert es doch. Fernbeziehungen stellen Pärchen oft auf eine harte Probe. Nach Einschätzung von Psychologen scheitern die Beziehungen aber gar nicht an der Ferne – sondern an der Nähe. Denn die schwierige Phase kommt meist erst dann, wenn die Pendelei vorbei ist und die Partner zusammenziehen.

veröffentlicht am 22.11.2012 um 06:00 Uhr

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Diese Erfahrung hat auch Alexa Gärtner (Name von der Redaktion geändert) gemacht. Als sie nach drei Jahren Fernbeziehung zu ihrem Mann nach Südkorea übersiedelte, fingen die Eheprobleme an. „Ich habe Seiten an ihm wahrgenommen, die ich vorher nicht kannte“, sagt die 57-Jährige im Rückblick. Die Ehe scheiterte.

Dabei führten Alexa und ihr Partner zwischen Europa und Asien eine sehr intensive Beziehung – mit vielen tollen Briefen, immensen Telefonkosten und vielen Hoch-Zeiten. Normalen Alltag gab es nicht. „Es lässt sich viel in Fernbeziehungen verstecken“, sagt Karin Krause, Diplom-Psychologin in Frankfurt. Der Knackpunkt komme dann, wenn man zusammenzieht. Manche Paare müssten ihr Territorium neu abstecken. Allerdings gibt es auch schon vorher jede Menge Fallstricke in Fernbeziehungen:

Das leidige Thema Geld: „Viele jammern, dass die Reiserei so viel kostet. Und dann kommt der Vorwurf: Immer muss ich zu dir fahren“, sagt Paartherapeutin Vera Matt aus Berlin. Auch wenn die Fernbeziehung in eine gemeinsame Wohnung mündet, bleibt das Geldproblem bestehen.

Minenfeld Telefonieren: „Sehr konfliktreich sind die Anrufe“, weiß Psychologin Matt aus Gesprächen mit verzweifelten Pärchen. Am Anfang wird mehrmals am Tag ins Telefon gesäuselt oder eine verliebte SMS losgeschickt. Spätestens, wenn jemand einen Anruf vergisst, fangen die Konflikte an. „Dann wird Druck gemacht. Oder sie werden lästig“, warnt Matt. Dabei sei es wichtig, sich über den Alltag auszutauschen. Aber man müsse auch verstehen, wenn der Partner müde vom Job ist.

Alles ins Wochenende stopfen: Ein Versuch, der zum Scheitern verurteilt ist. Man erlebt zwar lauter tolle Samstage und Sonntage mit exquisiten Ausflügen. „Aber diesen Standard kann keiner aufrechterhalten“, so Matt. Die Paare sollten nicht versuchen, am Wochenende auf heile Welt zu machen. Auch Streit und unangenehme Gespräche müssten sein.

Sich fremd fühlen: Bei vielen Pendel-Pärchen ist die Nähe über Telefon und SMS oft größer, als wenn sie sich dann gegenüberstehen. „Freitagabend sind sich viele erst einmal ziemlich fremd.“ Das sei ganz normal. „Geben Sie sich Zeit zum Beschnuppern“, rät Psychologin Krause. Für die Beziehung ist es auch schlecht, wenn sich einer in der Wohnung des Partners wie ein Besucher fühlt.

Zusammenziehen als Bewährungsprobe: Den Wechsel von „Fern“ auf „Nah“ sollten Paare behutsam angehen. „Am besten nicht sofort ins große Wir springen, sondern am Anfang ein bisschen Fernbeziehung beibehalten“, rät Vera Matt. Das bedeutet: Nicht von heute auf morgen alles zusammen unternehmen. Viele seien auch von Macken des Partners überrascht, die sie bislang noch nicht kannten. Grundsätzlich sollte sich jeder über seine eigenen Erwartungen im Klaren sein und diese auch deutlich formulieren.

Vorfreude am Bahnsteig: In Fernbeziehungen leben Partner oft nur fürs Wochenende. Foto: Mascha Brichta



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