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Historische Landkarten geben Einblicke in vergangene Jahrhunderte

Von Türmen umgeben

Rinteln/Bückeburg. Historische Landkarten aus dem Schaumburger Land zeugen von alten Mühlen und Festungswällen. Eine Ausstellung alter Landkarten im Rintelner Museum Eulenburg bringt Besucher auf die Spuren einer längst vergessenen Kulturlandschaft. Noch bis zum 29. September werden anhand der alten Karten Bauten der vergangenen Jahrhunderte sichtbar gemacht. Zwei Beispiele:

veröffentlicht am 15.06.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:56 Uhr

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Autor

Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Der Stumpfe Turm, im Mittelalter nach einem in der Nähe gelegenen und später aufgegebenen Dorf auch „Rottorfer Turm“ genannt, war einst Teil der Rintelner Landwehr. Dieses Landwehrsystem umgab die Stadt im Abstand von etwa zwei bis drei Kilometern und sicherte die Feldmark.

Das unruhige 15. Jahrhundert ging mit zahlreichen Überfällen durch den Niederadel auf die aufstrebenden Städte einher. Dem begegneten die Bürger mit der Anlage eines Wallgrabens, verbunden mit einer dichten Dornenhecke. An den Durchlässen standen jeweils Warttürme, die die vorderste Schutzlinie der Stadt darstellten.

1712 war dieser Turm noch vorhanden, wenn er auch seine Funktion längst verloren hatte. Es handelte sich um einen runden dreistöckigen Turm, dessen oberstes Geschoss in Fachwerk ausgeführt war. Seine Ersterwähnung geht auf das Jahr 1483 zurück. Um 1760 wurde er noch erwähnt, allerdings als Ruine und nurmehr „Stumpfer Turm“ genannt. Um 1800 waren auch seine Reste verschwunden, die sich im Bereich der heutigen Straße „Hohes Feld“ befanden. Die Karte (oben) zeigt neben dem Turm ein Zollbrett, an dem die Zolltarife der Stadt Rinteln ausgehängt waren, außerdem die hölzerne Brücke über den Landwehrgraben.

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Eine Karte aus dem Jahr 1712 im Staatsarchiv Bückeburg zeigt bei genauem Hinsehen an der Straße in Richtung Lemgo einen Kreuzstein. Er steht noch heute dort, und zwar im Vorgarten des Hauses Bruchwiesenweg 1.

Steinkreuze sind Dokumente der mittelalterlichen Rechtsprechung, als auch schwere Verbrechen wie Totschlag als privatrechtliche Auseinandersetzung zwischen Parteien behandelt wurden. Teil der Einigung waren dann häufig solche Sühnesteine, die durch den Täter oder dessen Angehörige gesetzt werden mussten und seine Reue ausdrücken sollten. Zugleich sollten sie den durch die Tat ohne Sterbesakramente Gestorbenen ehren und den Vorübergehenden um Gebete für ihn bitten.

Mit der Halsgerichtsordnung von 1532 wurde dieser Rechtsgebrauch abgelöst, die zur selben Zeit sich durchsetzende Reformation lehnte zudem die Sterbesakramente ab. Was blieb, waren die Kreuzsteine, von denen noch ein zweiter in der Ortsmitte von Exten erhalten geblieben ist.

Der Stumpfe Turm war einst Teil der Rintelner Landwehr (Kartenausschnitt links). Die Karte aus dem Jahr 1712 (unten) zeigt einen Kreuzstein (Bildmitte, rechts), der heute noch existiert.

Staatsarchiv Bückeburg



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