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Pyrmonter Schlossgraft – nur selten ist sie im Winter zugefroren

Von der Sehnsucht nach dem Eisvergnügen

Die Fotografie aus einem Pyrmont-Buch der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zeigt ein Motiv, das Kinder und Erwachsene im Winter auf der Schlossgraft beim Vergnügen des Schlittschuhlaufens vorstellt. Was für ein Traum – auf der Eisfläche der Schlossgraft diesen Sport auszuüben, auf dem knirschenden Schnee mit der Familie oder Freunden die Schlossanlage zu umkreisen oder Eishockey auf dem kleinen Feld zu spielen.

veröffentlicht am 08.12.2014 um 06:00 Uhr

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Leider ist nichts von alledem zu normalen Winterzeiten möglich. Wenn andere Wasserflächen längst von einer Eisschicht überzogen sind, wehrt sich die Schlossgraft vehement. Es hat wohl zu tun mit der tiefen Schlammschicht unter der relativ schmalen Wasserfläche, die offenbar Wärme hält und das Zufrieren verhindert. Ich habe es in meinen 30 Jahren Schlosstätigkeit nur einmal in den neunziger Jahren – es war schon ein besonders kalter Winter, es war wohl der Winter 1994 – erlebt, dass die Eisfläche freigegeben wurde und man von dem Anleger neben der Steinbrücke auf das Eis gehen konnte.

Noch am Abend stand ein Wagen mit Glühwein und Würstchen auf der Schlossbrücke, und alle Vorbereitungen waren getroffen für zusätzliche Beleuchtung und Musik. Leider währte das Vergnügen nur den einen Abend – am nächsten Tag setzte Tauwetter ein und alle Hoffnungen zerbrachen.

Wohlgemerkt, die Fotografie aus den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vermittelt etwas von der winterlichen Freude auf der Schlossgraft. Der Blick des Fotografen vom Balkon des Sanatoriums Lendrodt an der Schlossstraße beschreibt die weiße Eis- und Schneefläche zwischen dem Kurparkgelände des Palmengartens und der mächtigen Wallanlage der ehemaligen Renaissancefestung. Die Eckbastion ist am Ende dieser Eisfläche kaum zu erahnen.

Hätte man die Gelegenheit, einmal um die Festung herumzugehen, hätte man von der Insel sofort einen bemerkenswerten Eindruck. Graf Friedrich von Spiegelberg hatte von 1526 bis 1536 die Festungsanlage anlegen lassen. Die Festungsanlage verfügte über einen bis zu 40 Meter breiten Wassergraben, mit hohen Wallanlagen und einem gewaltigen Innenhof. Das eigentliche Schloss konnte erst mit den Mitteln des spektakulären Wundergeläufs von 1556/57 finanziert werden.

Es waren vor allen Dingen die Bewohner der Dörfer dieser Grafschaft, die über einen so langen Zeitraum die Festung erbauten. Warum? Weil sie und ihre Familien in den unberechenbaren Kriegszeiten jener Epoche Zuflucht finden konnten in dem großen Innenhof. Natürlich gab es damals noch nicht die Steinbrücke, sondern eine Holzbrücke, die man bei Bedarf hochklappen konnte.

Besonders sinnvoll erwies sich die Anlage in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Der Erbfolgestreit zwischen dem Bistum Paderborn und den protestantischen Grafen von Waldeck lebte wieder auf und führte zu mehreren Belagerungen der Festung Pyrmont. Die Jahre 1629, 1630, dann 1633, 1636 und 1646, führten immer wieder zu einem Besitzerwechsel. Die schwedischen Truppen gaben 1649 die Grafschaft und das Schloss zurück an die Grafen von Waldeck und Pyrmont.

Schweden haben ja bekanntermaßen viel Kontakt zu Eis und Schnee. Vielleicht hatten sie auch ein Geheimrezept, damit die Schlossgraft im Winter nicht zufriert…

Weitere historische Fotos finden Sie im Internet unter: zeitreise.dewezet.de

Aus den dreißiger Jahren stammt die Aufnahme, die das winterliche Sportvergnügen auf der Schlossgraft dokumentiert. Eine dicke Schlammschicht verhindert offenbar, dass die Wasserfläche in heutiger Zeit zufriert.



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