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Der ehemalige Gesundbrunnen am Krankenhaus Lindenbrunn

Vom Badehaus zum Sanatorium

Die Geschichte des heutigen Krankenhauses Lindenbrunn bei Coppenbrügge geht auf eine sehr alte Heiltradition an diesem Ort zurück. Die nicht mehr fließende Schwefelquelle, die sich unter dem Seiteneingang für Lieferanten befand, wird bereits in einer sächsischen Chronik von 1531 als „Schwefelquelle bey Coppenbrügge“ erwähnt. Das Hannoversche Magazin 23 vom November 1770 berichtet aus dieser Chronik, dass bereits um das Jahr 1520 „ein großes Laufen nach einem gewissen Brunnen in der Grafschaft Spiegelberg war. Man zog auf allen Straßen dahin. Viele fuhren, manche wurden dahin getragen und geschleppt. Es war um den Brunnen wie ein Heerlager. Man hat wohl auf einmal zweitausend Menschen gezählt, die um ihn herum gelegen haben. Etliche sind von den schmerzhaftesten Seuchen dabei gesund geworden.“

veröffentlicht am 17.03.2014 um 06:00 Uhr

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Autor:

Gernot Hüsam

Diese Nachricht erinnert sehr an das spätere und viel mehr aufsehenerregende Wundergeläuf an die Heilquellen in Bad Pyrmont 36 Jahre später, nämlich 1556. Es kam zu Verwechslungen, da die Herren über beide Quellen zu der Zeit die Grafen von Spiegelberg waren. Ein Holzschnitt, der den Badebetrieb an der Quelle zeigt, wo die Leidenden unter einem Bretterverschlag in Holzbottichen baden und von Helfern betreut werden, zeigt im Hintergrund ein Kloster. Es kann sich nur um das Karmeliterkloster in Marienau handeln, denn an den Pyrmonter Quellen gab es kein Kloster weit und breit. Insofern kann dieser Holzschnitt bereits das Coppenbrügger Geläufe von 1520 dargestellt haben, und man benutzte ihn noch einmal, als 1556 das Pyrmonter Geläufe ausbrach, denn die Beschreibung zum Holzschnitt passt nach Coppenbrügge, wo es heißt, „...und ist der selb Brunn gelegen in der Graffschafft Speygelberg zwo meil wegs von Hamelen...“. Nach Pyrmont hätte es drei Meilen heißen müssen (eine Meile 7,5 Kilometer). Immer wieder wird über den Schwefelbrunnen berichtet, so auch 1744 von Daniel Eberhard Baring in seiner Beschreibung der Saale im Amt Lauenstein. Er sieht einen Zusammenhang zwischen den Krücken, die in der Spiegelberger Kapelle bei Lauenstein aufbewahrt wurden und dem Gesundbrunnen, „…so zwischen Marienau und Coppenbrügge zur Linken gegen den Lauensteinischen Berg, in der Coppenbrüggischen Landwehre belegen.“ Seine Vermutung geht dahin, dass die Untersuchung des Wassers durch den Medicus Doktor Georg Bollmann, der das Coppenbrügger Wasser als zu „corrosivisch“ einschätzte, „…Schuld daran sei, dass der Brunnen in Abgang kommen, um vielleicht den Pyrmontischen Sauerbrunnen desto mehr in Aufnahme zu bringen.“ Er glaubte sogar, dass der Brunnen leicht wieder empor gebracht werden könne, wenn „…hierbei vor die Commodität der Brunnengäste gesorgt würde.“

Das hat dann auch die Gemeinde Coppenbrügge mehrmals versucht. 1764 wird der Brunnen neu gefasst und die Umgebung zu Promenadenzwecken gepflegt und Lindenbäume angepflanzt. Friedrich Beckmann erwähnt aus dem Bürgerbuche, dass 1790 eine Sammlung durchgeführt wurde, die so viel erbrachte, dass dafür ein kleines Haus mit zwei Badewannen errichtet werden konnte. Es war das erste Kurhaus an der Quelle. Der starke Zustrom von Kurgästen führte dazu, dass das Gebäude 1810 erweitert werden musste und ein Bademeister angestellt wurde. Das neue Haus, „…worin ein Saal, Küche, drei Badekammern und verschiedene Kammern und Zimmer zur Wohnung der Badenden“ waren, hatte wiederum die Gemeinde errichtet. Dieses Badehaus erwarben dann verschiedene Coppenbrügger Bürger, auch der Apotheker Wege, der es der ärmeren Bevölkerung unentgeltlich zur Verfügung stellte. Anton Henze legte 1847 eine Kegelbahn an, doch 1870 wird über einen geringen Verkehr zum Badehaus berichtet, so dass es der Besitzer des Ritterguts Voldagsen, Baron von Münchhausen, kaufte und nun ein prächtiges Sommerhaus in der idyllischen Parkanlage für sich errichten ließ, mit großen Gesellschaftsräumen, in denen der Adel, Gutsbesitzer und Kavaliere feierten. Das alte Badehaus wurde abgerissen und damit der Badebetrieb eingestellt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Herrenhaus ein paar Jahre lang eine durch Emil Bühring aus Hildesheim geführte private Nervenheilanstalt. 1906 erwarb das ganze Grundstück der Sanitätsrat Dr. Karl Netter, der ein Vorreiter der Naturheilverfahren war und diesen Platz an der geschichtlichen Heilquelle, fernab von Großstadt, Verkehr, Lärm und Staub für ein geplantes Sanatorium als ideale Voraussetzung für seine Pläne vorfand.

Nächste Woche lesen Sie den zweiten Teil über das Sanatorium Lindenbrunn und das heutige Krankenhaus.

Heute spendet die Putte im Pavillon kein Wasser mehr. Der Tempel steht unter Denkmalschutz.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.

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