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Am 30. Januar 1945 wurde die „Wilhelm Gustloff“ in der Ostsee torpediert

Versenkung bis heute umstritten

Günter Grass behandelte in seiner Novelle „Im Krebsgang“ in abstrakter Form die wohl größte Schiffskatastrophe aller Zeiten – den Untergang der „Wilhelm Gustloff“. Die Novelle ist eine Mischung aus Tatsachenereignissen kleinerer und größerer Art und fiktiven handelnden Personen. Der Untergang der Wilhelm Gustloff wird in all’ seinen Details beschrieben, allerdings aus der Sicht einer fiktiven Person.

veröffentlicht am 30.01.2012 um 00:00 Uhr

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Heute vor genau 67 Jahren lief die „Wilhelm Gustloff“ zu ihrer letzten Fahrt aus. Mit an Bord: rund 10 000 Menschen – den Schätzungen nach.

Nach dem Durchbruch der Roten Armee an der Ostfront waren Millionen Deutsche in Ostpreußen eingeschlossen. Am 21. Januar erteilte Großadmiral Karl Dönitz den Befehl, alle deutschen Schiffe sollen retten, „was vor den Russen zu retten ist“. Gemeint waren Frauen, Kinder und die U-Boot-Kadetten, die noch gebraucht wurden. Die deutsche Marine versuchte, mit den letzten noch vorhandenen Schiffen, die Menschen auf dem Seeweg zu evakuieren.

Am Mittag des 30. Januar 1945 verlässt die „Wilhelm Gustloff“, überfüllt mit rund 10 000 Flüchtlingen, die Danziger Bucht Richtung Westen. Doch die Flucht über das Meer wird zur tödlichen Falle: Am Abend wird das Schiff von drei Torpedos eines sowjetischen U-Boots getroffen. Die „Wilhelm Gustloff“, die lediglich für gut 2000 Passagiere und Mannschaftsmitglieder ausgelegt ist, sinkt innerhalb nur einer Stunde. Etwa 1200 Menschen können gerettet werden. Wegen der Überfüllung gibt es viel zu wenig Rettungsboote. Tausende ertrinken oder erfrieren in der eiskalten Ostsee.

1937 vom Stapel gelaufen, 208 Meter lang, 24 Meter breit, war die „Wilhelm Gustloff“ kurze Zeit das größte Kreuzfahrtschiff der Welt gewesen. Für Hitlers Freizeit-Organisation „Kraft durch Freude“ hatte das Schiff bis Kriegsbeginn Urlaubsreisen mit deutschen Werktätigen nach Schweden oder Norwegen gemacht . Während des Zweiten Weltkriegs wurde es der Marine als Lazarettschiff unterstellt, diente aber auch zur Ausbildung.

Weil das Schiff unmittelbar auch Kriegszwecken diente, ist die Versenkung der „Wilhelm Gustloff“ nach dem Kriegsvölkerrecht deshalb wohl vertretbar, dennoch umstritten. Zwar war die „Wilhelm Gustloff“ durch ein Rotes Kreuz als Flüchtlingsschiff gekennzeichnet, zugleich aber in grauer Tarnfarbe gestrichen. Nach sowjetischer Darstellung war die „Wilhelm Gustloff“ nicht als Passagierschiff einzustufen. Es seien „3800 deutsche Seeleute und 6000 Offiziere samt Familien“ und damit „die Elite der deutschen U-Boot-Flotte“ vernichtet worden. Nach deutschen Dokumenten sollen lediglich 1500 Wehrmachtsangehörige an Bord gewesen sein, darunter Kadetten der 2. U-Boot-Lehrdivision, Marinehelferinnen und zahlreiche Verwundete. Alle anderen Passagiere seien Zivilisten gewesen. Die „Wilhelm Gustloff“ war nicht das einzige Schiff, das noch in den letzten Kriegstagen versenkt wurde. Die „Steuben“ trafen in der Nacht zum 10. Februar 1945 Torpedos, die „Goya“ versank am 16. April nach Beschuss. Schätzungen zufolge sollen diese drei gesunkenen Schiffe über 20 000 Todesopfer gefordert haben.

Der 30. Januar ist nicht nur wegen des Untergangs der „Wilhelm Gustloff“ im Jahr 1945 in die Geschichte eingegangen. Zwölf Jahre zuvor gelangte Adolf Hitler an die Macht. Hitler wurde am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt. Die bis dahin bestehende Demokratie der Weimarer Republik wurde durch die Diktatur der Nationalsozialisten endgültig abgelöst.

Für rund 2000 Menschen war der Kreuzfahrer „Wilhelm Gustloff“ ausgelegt. Auf der letzten Fahrt des Schiffes sollen knapp 10 000 Menschen an Bord gewesen sein.

Foto: Archiv, ThyssenKrupp Marinesystems



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