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Zum Aussterben zu schön: Fast vergessene Wörter

Vermaledeite Fisimatenten

Vielen Dank! Auf einem der kleinen Pinnwand-Zettelchen, die stets neben unserer Samstagskolumne stehen, hatten wir uns kürzlich um Wörter gesorgt, dessen Bestand uns – bei all ihrer Schönheit – bedroht scheint. Rote-Listen-Wörter. Fast schon ausgestorben. Und siehe da: Wir sind nicht allein.

veröffentlicht am 08.09.2018 um 08:35 Uhr

Illustration: cn
Frank Henke

Autor

Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite

Viele weitere hübsche Exemplare wurden von Sprachverliebten via Facebook, per Mail, gar per Fax ins Gespräch gebracht. Noch einmal: danke dafür! Hier nun ein kleiner Rundflug durch die Welt der fast vergessenen Wörter:


Fisimatenten: Zeitraubender Unsinn aller Art, gerne falsch geschrieben als „Fiesematenten“ oder gar „Fiese Matenten“. Aber was zum Teufel sind dann „Matenten“? Genug davon: Friedrich-Wilhelm Geitel liefert wertvollere Hinweise: Fisimatenten müsste eigentlich mit „V“ geschrieben werden, erklärt er, denn es komme wohl aus dem Französischen und bedeutete „Visitez ma Tente“ (Besuchen Sie mein Zelt“). Dazu forderten wohl zu Zeiten der napoleonischen Besatzung französische Soldaten gerne mal einheimische Fräuleins auf. Wenn abgeneigt, machten diese aber lieber „keine Fisimatenten“. So ganz gesichert ist diese Wortherkunft aber nicht.


Butschern: Matthias Bittner bringt dieses Verb in Erinnerung – und das zu Recht. Heute wohl meist gebräuchlich in der Zusammensetzung „Butscherhose“: Wasserabweisende Latzhosen für Kindergartenkinder, die auch bei mehrstündigem Knien in feuchtem Spielplatzsand oder frischem Bachmatsch die Träger halbwegs trocken halten – sieht man mal von den zwei stehenden Gewässern in den Gummistiefeln ab. Aber so was passiert halt beim „Butschern“ …

Verbumfiedeln: Ein Traum von einem Wort und in Brigitte Schranks Familie gebräuchlich, wie sie schreibt. Steht für: „verlegen, verlieren“. Ursprünglich, sagt der Duden wohl: „sein Geld beim Tanzvergnügen ausgeben“. Gibt schlechtere Gelegenheiten zum Verbumfiedeln.

Vermaledeit: Ein hübsches Adjektiv, das Unhübsches meint, Brunhild Reusche weist uns darauf hin. „Maledeien“ stand im Mittelalter mal für verfluchen oder verwünschen. Entsprechend unangenehm ist heute noch Vermaledeites.


Kladderadatsch: Mehr Lautmalerei geht kaum. Steht für heilloses Durcheinander, früher auch mal „Zusammenbruch“ – kladderadatsch! Andrea Reusche gefällt’s offenbar so gut wie uns.


Dölmer: Das hört man jetzt im Weserdorf Dölme so gerne nicht, aber: Dölmer sind kleine Tollpatsche, gar Trottelchen. So zumindest die Bedeutung, des von Claudia Thiemann Meyer ins Spiel gebrachten Wortes. Stammt wohl eher aus dem Ostwestfälischen, der „Dölmer“. Das hören dann hiesige Niedersachsen allgemein nicht ganz so gerne.


Ausbaldowern: Steht für auskundschaften, klingt aber besser. Thomas Tietz weist auf den Ursprung im Rotwelsch hin, der Sprache vieler „fahrender Völker“ und Bettler.


Mischpoke: Kommt – wie so viele schöne Wörter (meschugge, Maloche, Stuss) – aus dem Jiddischen und heißt ursprünglich: Familie. Heute wird es aber oft auch für „üble Gesellschaft“ verwendet. Sagt vielleicht auch etwas darüber, wie Familien oft halt so sind …


Gallern: Ganz eindeutig ein bedrohtes Wort! Klar wissen wir alle, dass es heftig regnet, wenn’s „gallert“ (auch ein Hinweis von Matthias Bittner). Aber weiß das auch der Rest der deutschsprachigen Welt? Zweifel sind angebracht: Im Duden steht „gallern“ nicht. „Pekig“ (dreckig) übrigens auch nicht.


Ramentern: Auch hier erklärt das reine Wortgeräusch schon fast seine Bedeutung: Rumlärmen, Radau machen, nerven. Das Wort findet sich auch auf einem Plakat, das Iris Artzenroth für uns abfotografiert hat. „Lippische Wörter“ steht drüber. Lassen wir jetzt einfach mal so stehen.


Spökes: „Die bei der Dewezet machen nur Spökes“, kommentiert Patti Vietze unsere Aktion. Wir fühlen uns ertappt. Scherze und Unsinn, das sind Spökes. Eigentlich eher im Deutsch des Ruhrgebiets – abba so weit wech is das ja au nich …

Zwei Rätsel auflösen müssen wir allerdings auch noch: „Bagaluten“ und „Menkenke“ tauchten in unserer ersten kleinen Liste auf. „Was soll das denn sein?“, fragte daraufhin mancher. Also:


Bagaluten: Sind im Norddeutschen Rüpel, Radaubrüder, auch mal Kleinkriminelle. Vielleicht kommt’s aus dem Englischen: „bag o’ loot“ – ein Beutel voller Diebesgut. Vielleicht auch nicht.


Menkenke: Menkenke meint so viel wie „unnötiges Theater, Umstände, Schwierigkeiten“. Das Wort schwappt – zugegeben – nur selten aus den östlichen Bundesländern zu uns herüber.

Dass man bei beklagenswert selten gewordenen Wörtern auch auf ganz andere Beispiele kommen kann, beweist übrigens Marcel Wolf. Sein Vorschlag: bitte und danke.



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