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Vor 80 Jahren: Das Luftschiff „LZ 129 Hindenburg“ geht bei der Landung in Flammen auf

Untergang eines Giganten

Es ist ein Unglück vor den Augen der Welt, die Bilder sind dramatisch: Passagiere und Crew springen in Panik aus einem brennenden Luftschiff, viele stürzen zu Tode, andere entkommen nur, um von herabfallenden weißglühenden Wrackteilen getötet zu werden. Binnen 32 Sekunden ist das stolze Luftschiff, das Aushängeschild, zu einem Haufen Aluminiumschrott verbrannt. 13 Passagiere, 22 Angehörige der Besatzung und ein Mitglied der Bodenmannschaft sterben; 62 der 97 Personen an Bord können sich retten.

veröffentlicht am 08.05.2017 um 10:06 Uhr

Bei dem historischen Luftschiffunglück in Lakehurst brannte in der „Hindenburg“ die Füllung aus Wasserstoff lichterloh. Foto: dpa
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Noch nie hat die Öffentlichkeit ein solches Unglück so nah miterlebt, Foto- und Zeitungsreporter, Rundfunkjournalisten und Filmteams dokumentieren den Feuerball, der aus dem Himmel über Lakehurst stürzt. Es ist ein Unglück, das eine ganze Epoche beendet, denn danach will niemand mehr mit einem Zeppelin fliegen.

Das Luftschiff „Zeppelin 129 Hindenburg“ ist benannt nach dem greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, ist zusammen mit ihrem Schwesterschiff „LZ 130“, der „Graf Zeppelin II“, das größte je gebaute Flugobjekt. 245 Meter lang ist die Zigarre, sie hat einen Durchmesser von gut 41 Metern und einen Gasinhalt von 200 000 Kubikmetern. Voll betankt mit 88 000 Litern Diesel hat sie bei ihrem durchschnittlichen Reisegewicht von etwa 200 Tonnen eine Reichweite von 16 000 Kilometern. Sie ist das erste Passagierluftschiff, das für Transatlantikflüge taugt. Rio de Janeiro und Lakehurst in den USA werden von Frankfurt aus angeflogen; mehr als 30 Mal hat der Zeppelin seit dem Jungfernflug am 4. Mai 1936 den Atlantik gekreuzt. Für den Zeppelin-Konzern geht ein Traum in Erfüllung: Das erste Passagierluftschiff der Welt befährt wirtschaftlich die Atlantikrouten von Deutschland nach Nord- und Südamerika. Der Ticketpreis für eine Transatlantikreise beträgt auf heutige Kaufkraft umgerechnet durchschnittlich etwa 10 000 Euro.

Die Hindenburg, das ist ein fahrendes Luxushotel am Himmel, eine Titanic der Lüfte. Die Ausstattung ist modern und edel: Schlafkabinen mit fließend warmem Wasser, ein Speisesaal mit Menüs à la carte und eigens angefertigtem Porzellanservice, sogar einen Rauchsalon beherbergt der Zeppelin.

Wasserstoff hält die Hindenburg in den Wolken, und der ist leicht entflammbar. Helium brennt nicht und wäre sicherer, aber die USA haben praktisch ein Monopol auf das Gas und liefern nicht ins Ausland. Also bleibt es beim riskanten Wasserstoff, gebändigt in 16 Zellen. Bis heute ist nicht geklärt, wie genau es zu dem Unglück habe kommen können, aber in einer dieser Zellen scheint bei der Landung ein Leuchten auf: Feuer! Ein Ruck geht durch das Luftschiff, plötzlich schlagen Flammen über die „Hindenburg“. Die Nase stellt sich hoch.

Kapitän Pruss glaubt später an Sabotage. Tatsächlich ist es wohl eine elektrische Entladung, die den Wasserstoff in Brand setzt, ergeben Untersuchungen sowohl in den USA als auch in Deutschland. Ein loser Spanndraht hat wohl ein Leck gerissen, sodass sich im hinteren Teil des Schiffes ein brennbares Wasserstoff-Luft-Gemisch bilden kann, das sich dann entzündet, weil sich das Luftschiff mit seinem Aluminiumgestänge in der gewittrigen Atmosphäre aufgeladen hat und durch Landetaue geerdet wird. Das Ende der „Hindenburg“ ist nicht das schwerste Unglück der Luftschifffahrt. Doch es spielt sich vor der Öffentlichkeit und laufenden Kameras ab; die schrecklichen Bilder brennen sich ins kollektive Gedächtnis der Menschen. Die Explosion ist wie eine Prophezeiung des Kommenden – ein Fanal des Vergehens der „Alten Welt“ in den Feuerstürmen des nahenden Krieges.

Die Nazis schließen das Kapitel Zeppelin. Am 6. Mai 1940, dem dritten Jahrestag des „Hindenburg“-Unglücks, werden die Luftschiffhallen in Frankfurt von ihnen gesprengt.



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