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Das Risiko bei der Gartenarbeit ist kalkulierbar – eigentlich

…und plötzlich brennt die Hecke

Schon wieder rauscht ein roter Löschzug an meiner Haustür vorbei. Alarmfahrt. Da bin ich selbstverständlich neugierig. Wenn so nah dran die Feuerwehr unterwegs ist, dann gehe ich für gewöhnlich in den ersten Stock und schaue aus dem Fenster, ob irgendwo irgendwas zu sehen ist. Diesmal: nichts. Kein Qualm, keine aufsteigenden Rauchschwaden, nicht mal ein Atompilz.

veröffentlicht am 08.08.2020 um 09:00 Uhr

Lars Lindhorst

Autor

Redaktionsleiter zur Autorenseite

„War wahrscheinlich ein Fehlalarm“, denke ich mir. Hat wieder mal ein Rauchmelder ohne Grund angeschlagen. Ok, keine Panik, das kommt ja wirklich öfter vor.

Auf dem Weg zurück ins Erdgeschoss sehe ich durchs Fenster meine Nachbarin. Sie steht da draußen und weiß schon Bescheid. Viel schneller als die Feuerwehr, na klar. Was los ist, frage ich sie. „Dahinten brennt die Hecke“, antwortet sie. Ahja, hat mal wieder einer sein Unkraut mit dem Gasbrenner gekillt, nicht schon wieder, denke ich. Aber gut, keine Panik, das kommt ja wirklich öfter vor: Erst geflämmt, dann geflennt. Das nennt man wohl Gärtnerglück mit melancholischem Ausgang. Und ich bleibe fragend zurück: Warum macht der das nur?

Der Blick auf den gärtnerischen Mikrokosmos hilft wohl für klare Erkenntnisse: Das ganze Übel steckt also in der Wurzel. Tief unten im Boden. Und das muss halt weg! Nieder mit dem Unkraut! Ich verstehe so langsam: All dies sind die Gründe, warum der Unkrauthasser dem unansehnlichen Kraut mit offenem Feuer zu Leibe rückt. Einen Verdienstorden für den, der das Abflammgerät erfunden hat!

Aber auch bei mir ist das mit der Vernunft so eine Sache: Als ich meine Nachbarin mit dem Wissen über die Gründe des Aufruhrs im Dorf verabschiede, kommt mir eine Liedzeile des Schlagerbarden Wolfgang Petry in den Kopf. „Der Himmel brennt, die Engel fliehen…“ (Nein, ich war noch nie am „Ballermann“, den Song kann ich trotzdem auswendig – das rührt allerdings von Partys, an die ich besser nicht mehr erinnert werden will – oder mich nicht mehr erinnern kann)

Also erwische ich mich dabei, wie ich diese Zeile leise vor mich hinsumme und laut in Gedanken singe: „Die Hecke brennt, die Igel fliehen…“

Nennen Sie es, wie Sie wollen, vielleicht schwingt da ein bisschen Schadenfreude mit. Und glücklicherweise ist beim Abflämmen ja auch kein Großschadensereignis entstanden, sondern eine skelettierte Hecke zum Vorschein gekommen. Meine gärtnerische Erkenntnis des Tages lautet jedenfalls: Auch Immergrünes währt nicht ewig!

Ich gebe zu: Den „grünen Daumen“ suchen Sie bei mir vergeblich. Ich bin nicht überzeugt von der Boshaftigkeit von Giersch, Disteln und Zaunwinden. Kopfschüttelnd stehe ich da, wenn ich mal wieder (und das kommt oft vor) von Heckenfeuer höre – und genauso verständnislos schaue ich in meinen eigenen Garten, wenn die liebe Gattin schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche den Rasen mäht und alle Grashalme und Gänseblümchen bis zur Unkenntlichkeit schreddert. Und ich bleibe fragend zurück…

Liebe Rasen-Mäher, Unkraut-Vernichter und Hecken-Scherer, gestatten Sie mir einen Klugscheißer-Hinweis, auch wenn ich gar keine Ahnung habe: Es ist heiß und staubtrocken. Bevor Sie jetzt die Zündautomatik Ihres Turbo-Hochleistungsbrenners aktivieren, denken Sie noch einmal kurz darüber nach, ob Ihnen in wenigen Minuten nicht auch die ganze Bude abfackeln könnte. Der Igel wird es Ihnen danken! Und ohnehin: Die Abflamm-Mühe ist vergebens. Unkraut vergeht schließlich nicht.



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