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Über Hunde, Katzen, Kommunikation und Kommunismus

Und das Tier sagte ...

"Hm", macht der Hund nachdenklich. „Hast recht“, antworte ich und lege die Fernbedienung aus der Hand. „Lauter sprechende Tiere.“ Die Suche nach einem brauchbaren Familienfilm ist erst mal aufgeschoben. Wir gehen in den Garten. „Warum möchten Menschen, dass Tiere reden?“, frage ich. Der Hund streckt sich auf der Sonnenliege aus und seufzt.

veröffentlicht am 04.07.2020 um 07:00 Uhr
aktualisiert am 04.07.2020 um 12:06 Uhr

Frank Henke

Autor

Reporter zur Autorenseite

Seltsam, dass ich mich gerade dran erinnere, aber: Schon damals, Ende der 80er, als „Alf“ uns als die lustigste Fernsehserie aller Zeiten galt, erklärte irgendein Experte, dass das außerirdische Pelzvieh unserem tiefen Wunsch nach einem sprechenden Haustier entspreche. „Unsinn“, sagt der Hund auf seiner Liege, dem es nun wohl doch zu bunt wird. „Als ich neulich den Regenwurm gegessen habe, hast du nicht ausgesehen, als wolltest du auch noch drüber reden.“ Stimmt schon. Wäre es – so viel Alf-Reminiszenz muss jetzt wohl sein – eine Katze gewesen, hätte ich das auch nicht gewollt. Beides nicht: das Essen und das Reden.

Vermutlich ist tiefe Liebe zu Tieren überhaupt nur möglich, weil sie die Klappe halten. Das haben sie einfach so unglaublich vielen Menschen voraus. Ich habe zumindest noch von keinem Herrchen- oder Frauchen-Hund-Verhältnis gehört, das zerrüttet wäre, weil man sich einfach nichts mehr zu sagen hat. Weil man nie einer Meinung ist. Oder auch aufgrund weltanschaulicher Differenzen. Stellen Sie sich vor: dreimal täglich Gassi mit einem dämlichen Rassisten an der Leine. Nein, Haustiere sind für uns eine fast leere Projektionsfläche. Der Hund grunzt sehr uneinverstanden.

Aber lustig ist es eben doch, wenn sie nicht nur grunzen können. Trotz der inzwischen erschienenen wohl rund vier Millionen Animationsfilme mit quatschenden Tieren: Der hiesige König der sprechenden Tiere ist derzeit Marc-Uwe Klings Känguru. Känguru-Chroniken gedruckt, vorgelesen, verfilmt, als Gesellschaftsspiel. Die einen bringt das kommunistische Känguru zum Lachen, weil sie ihm recht geben. Die anderen, weil das drollige Tier so einen Unsinn plappert. Am Ende lachen alle – ohne weltanschauliche Differenzen.

Jede Kommunikationshürde – das klingt jetzt nur zufällig ein bisschen wie „Kommunismus“ – zu Hund und Katze überwinden, das wollen aber wohl unabhängig vom Karriere-Känguru recht viele Leute: Im Netz finden sich eine Menge „Tierkommunikatoren“, die sich und ihre Arbeit überraschend ernst nehmen. Eine solche „telepathische“ Verbindung herzustellen, sei auch im Grunde „nichts Mystisches, sondern eine ganz natürliche Fähigkeit“, die in jedem Menschen vorhanden sei, schreibt eine von ihnen. „Ist im Grunde mit der Telepathie also genau das Gleiche wie mit Supermans Röntgenblick“, sage ich. „Wenn man’s kann, ist es ganz einfach.“ Der Hund lacht kein bisschen.

Der Schutzheilige der Tierkommunikatoren ist dann wohl Franz von Assisi. Der Heilige konnte gut mit Tieren und hat sogar mal Vögeln eine Predigt gehalten, heißt es. Als er die Vogelschar sah, lief er „eilig dahin und begrüßte sie, als wären sie der Vernunft teilhaftig“, hat es mal jemand beschrieben. „Ha“, höhnt der Hund, „genauso machen wir das jeden Tag bei euch.“ Jetzt lache ich mal nicht.

Ist ja auch egal. Vielleicht macht das ganze Gequassel auch aus tierischer Sicht einfach überhaupt keinen Sinn. Auf Borneo, habe ich mal gehört, sagen Einheimische über die Orang-Utans in den Wäldern, diese hätten sich einfach entschieden, nicht zu sprechen, weil sie sonst ja auch arbeiten müssten. „Das finden die Menschen dort ziemlich schlau.“ „Bestimmt nur Geschwätz“, gähnt der Hund. „Ach“, antworte ich, „sei doch einfach still.“



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