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9. Oktober 1967: Che Guevara wird erschossen / Heldenmythos um Revolutionär

Tod einer Ikone

Ernesto Guevara ist kein angenehmer Mensch. Er ist eitel, launisch und autoritär; ein ungepflegter Macho, der sich nur sehr selten wäscht, er kann ungerecht sein und brutal. Aber als er hingerichtet wird, beginnt seine Unsterblichkeit: Der Vorzeigekämpfer wird von einem betrunkenen Unteroffizier mit dem Schnellfeuergewehr erschossen, irgendwo im bolivianischen Dschungel, verraten von den Bauern, die er befreien will: Am 9. Oktober 1967 ist „Che“, wie ihn die Welt nennt, tot.

veröffentlicht am 09.10.2017 um 08:52 Uhr

Ernesto „Che“ Guevara (hier im Januar 1965) hat an der Seite Fidel Castros für die Kubanische Revolution gekämpft und dann versucht, seine sozialistischen Ideale in den Kongo und nach Bolivien zu exportieren. foto: dpa
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Als marxistischer Revolutionär hat Guevara an der Seite Fidel Castros für die Kubanische Revolution gekämpft und dann versucht, seine sozialistischen Ideale in den Kongo und nach Bolivien zu exportieren.

Che Guevara ist zeit seines Lebens ein abenteuerlustiger Mann. Alles, was außergewöhnlich ist, anders als sonst, zieht ihn an. Er sucht einen Platz, an dem er etwas bewirken konnte. „Man muss nicht warten, bis die Bedingungen für eine Revolution gegeben sind; der aufständische Fokus kann sie schaffen“, schreibt er in seinem Buch „Der Guerillakrieg“. Eine kleine kämpfende Einheit hier, dann eine da und noch eine dort – so, glaubt er, kann er der Geschichte eine kommunistische Wende geben. Maßlos überschätzt hat er sich eben auch.

Denn den Erfolg, der ihm auf Kuba vergönnt war, kann er nicht wiederholen, und nach mehreren Monaten in der bolivianischen Wildnis wird er schließlich ausgezehrt in einer Urwaldschlucht in die Enge getrieben. In der Nacht schickt der Chef der Militärjunta ein Telex mit dem Todesurteil. Unteroffizier Mario Téran meldet sich freiwillig, aber er muss sich stundenlang Mut antrinken, ehe er zwei Salven auf den Guerillero feuert.

Ein paar Stunden nach seinem Tod am 9. Oktober 1967 wird sein Leichnam an den Kufen eines Hubschraubers befestigt und in das nicht weit entfernt liegende bolivianische Dorf Vallegrande geflogen. In der Waschküche des dortigen Krankenhauses bahren Soldaten seine Leiche auf, das Bild von Ches blutverschmierter, ausgestreckter Leiche geht um die Welt, es zeigt einen modernen Jesus Christus.

Che, das ist jetzt ein malträtierter Märtyrer. Die bolivianische Regierung entscheidet sich schnell für ein heimliches Begräbnis; bloß keine Wallfahrtsstätte schaffen, an der der Heldenmythos des Revolutionärs weiter genährt wird. Daher wird Ches Leiche zwei Tage nach seinem Tod in einem geheimen Grab versenkt, das man in der Nähe des bei Vallegrande gelegenen Flugfelds ausgehoben hat.

Aber vor dem Begräbnis ist eine grundlegende Frage zu klären, denn mit dem Rebellenführer würden ja auch sämtliche Beweise für seinen Tod verschwinden. Ein bolivianischer General will die Leiche köpfen lassen und das Haupt aufbewahren, doch das ist der CIA „zu barbarisch“: Der Leiche werden daher die Hände abgetrennt. 30 Jahre später finden Experten aus Argentinien und Kuba den Leichnam nach zweijähriger Suche. Das Skelett ist leicht zu identifizieren: Die Hände fehlen. Doch auch die Untersuchung des Gebisses, die Struktur der Gesichtsknochen und die Schussverletzungen überzeugten die Fachleute: Das sind die bleichen Knochen von Che Guevara.

Im Oktober 1997, rund 30 Jahre nach Ches Tod, werden seine Gebeine schließlich in Havanna zur letzten Ruhe gebettet. Danach werden seine Gebeine nach Santa Clara gebracht, dem Schauplatz seines größten militärischen Erfolgs, dort hat man ein Mausoleum für ihn gebaut.

Vier Jahrzehnte später gibt es ein revolutionäres Rührstück, das selbst abgefeimte Doku-Schreibern von RTL als zu realitätsfern verworfen hätten: Der Mann, der Che Guevara erschossen hat, bekommt sein Augenlicht zurück – von kubanischen Ärzten. Denn Mario Téran ist am grauen Star erkrankt und wird erfolgreich operiert, in einem Krankenhaus, das von Fidel Castro gestiftet wurde. Es ist eine Geschichte, die von der der redaktionellen Staatspropaganda prima verkauft werden kann. Die Überschrift in der Zeitung lautet dann so: „Che gewinnt noch ein Gefecht“.



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