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Tipps für gute Smartphone-Videos

Jeder Smartphonebesitzer hat auch eine leistungsstarke Videokamera in der Tasche. Was aber leider nicht heißt, dass die damit aufgenommenen Filme auch immer Spitzenklasse sind. Manche Fehler machen einfach jeden Film unschaubar - besser man vermeidet sie. Ein paar Tipps von Video-Experte Ulrich Hilgeforth und Medientrainer Daniel Baumbach.

veröffentlicht am 23.09.2018 um 12:30 Uhr

Lieber im Quer- als im Hochformat filmen. Foto: Pixabay

Autor:

Till Simon Nagel

Drehbuch: Unzusammenhängende Filmschnipsel ohne roten Faden sind so uninteressant wie das stumpfe Durchklicken der Urlaubs-Dias in den 80ern. „Ein Film muss eine Geschichte erzählen“, sagt Ulrich Hilgeforth, Videoexperte beim Fachmagazin „c’t“. Was nicht heißt, dass heutzutage jedes Urlaubsvideo Spielfilmqualität haben muss. Eine gedankliche Brücke zwischen den verschiedenen Einstellungen bringt aber Zusammenhalt in den Film. Meist hilft es schon, sich selbst zu fragen, was man über einen Ort oder eine Situation gern wissen würde- so entsteht das Drehbuch im Kopf, und man vermeidet viele gängige Fehler.

Eine Frage der Haltung: „Filmen Sie nie hochkant“, sagt Ulrich Hilgeforth. Der Grund: Das sieht fast immer einfach nur schrecklich aus. Und sollen die Bilder später noch optisch einigermaßen schön mit anderen Aufnahmen im Querformat zusammengeschnitten werden, geht das nur mit Tricks. Aufnahmen im Querformat wirken einfach besser, sagt auch Journalist und Medientrainer Daniel Baumbach. Das hat einerseits biologische Gründe: „Unsere Augen sind horizontal, wir gucken horizontal.“ Andererseits sind Bildschirme seit jeher quadratisch oder breiter als hoch. Eine Ausnahme: Soll das Video wirklich nur auf dem Smartphone laufen, kann man auch mal hochkant filmen. Um das leidige Hoch-Quer-Thema zu vermeiden, empfehlen die Experten, ein quadratisches Format zu wählen. Und noch etwas: „Schiefhalten rächt sich“, warnt Ulrich Hilgeforth. Schiefe Grundlinien oder Häuser sehen später sehr unschön aus und lassen sich kaum beheben. Manche Smartphones bieten an, über die Einstellungen Hilfslinien oder eine digitale Wasserwaage einzublenden.

Nähe und Distanz: Filmt man mit dem Smartphone, ist Zoomen schwierig. Manche Geräte können das zwar, aber das Tippen und Wischen auf dem Bildschirm sorgt für unschöne Wackler. Daniel Baumbach rät zur Nähe: „Je näher Sie an das Motiv rangehen, desto besser“, sagt er. Etwas Bewegung und abwechslungsreiche Einstellungen bringen Leben in den Film. Also ruhig mal auf ein Motiv langsam zu schwenken oder herantreten und auch Distanzaufnahmen einplanen. „Die Kombination macht es spannend, immer nur die gleiche Einstellung ist langweilig.“ Wichtig: Keine Hektik ins Bild bringen, lieber mit Ruhe filmen. Dabei helfen auch kleine Stative für das Smartphone oder Handgriffe zum Anklemmen.

Die Perspektive macht den Unterschied: Jede Perspektive hat ihren eigenen Effekt. Filmt man etwa von unten, erscheinen Dinge und Personen besonders groß. Ulrich Hilgeforth rät, solch besondere Aufnahmewinkel sehr bewusst einzusetzen und sich vorher gut zu überlegen, was man damit aussagen möchte. „Wenn man von oben oder von unten filmt, dann muss das auch eine Funktion im Film haben“, sagt er. Am besten zu verkraften ist die Normalperspektive ungefähr auf Augenhöhe. Vom Einsatz von Selfie-Sticks für außergewöhnliche Perspektiven rät er ab.

Automatik nicht immer sinnvoll: Wer schonmal versucht hat, ein Foto gegen die Sonne oder aus dem Sonnenlicht in ein dunkles Gebäude zu schießen, kennt das: Das Ergebnis ist meist mies. Beim Videofilmen ist es ähnlich. Die eine Einstellung gibt es nicht, vor allem bei schwierigen Lichtverhältnissen. Die richtige Einstellung für Weißabgleich, Blende und Fokus muss her. „Die gängigen Apps schalten alles auf Automatik“, sagt Hilgeforth. Deswegen rät er zunächst zu einer Probeaufnahme. Sehen dann etwa die Farben falsch aus, könne man den automatischen Weißabgleich abstellen. Passt der Fokus nicht, setzt man ihn lieber manuell. Und: falls vorhanden unbedingt die Bildstabilisierung einschalten, rät Kameratrainer Baumbach.

Ton: „Bei hochwertigen Telefonen sind die Mikros schon sehr gut“, sagt Baumbach. Außer es weht starker Wind, versteht sich. Wer ein externes Mikrofon nutzt, sollte den Flugmodus des Telefons aktivieren. Dann gibt es keine Probleme mit eingehenden Anrufen oder Störungen durch Funkwellen. Ulrich Hilgeforth empfiehlt hier Mikrofone, die noch den Anschluss eines Kopfhörers ermöglichen. So lässt sich der Ton kontrollieren. Bluetooth-Modelle funktionieren nach seiner Erfahrung auch gut, seien aber gerade bei größeren Veranstaltungen nicht immer zuverlässig. Auch beim Mikro gilt: nicht gleich drauflosfilmen, sondern erst einmal die Technik kennenlernen.

Länger laufen lassen: Am Anfang und am Ende jeder Einstellung gilt es, drei bis vier Sekunden stillzuhalten, um Extramaterial aufzuzeichnen, raten die beiden Experten. Das erleichtert später den Schnitt. Ohnehin kann man nie genug Bildmaterial haben - wo wieder das innere Drehbuch ins Spiel kommt. Wer etwa seine Urlaubsreise „verfilmen“ will, kann schon den Weg zum Flughafen filmen, zwischendurch ein paar Stadtszenen, ein paar Sekunden Strand oder ein paar vorbeiziehende Wolken. So kann man am Ende daheim am Rechner alle Einzeleinstellungen lose zu einer Geschichte verflechten. Schneiden sollte man übrigens lieber am Computer als auf dem Smartphone. Das ist zum einen nicht so fummelig, und zum anderen kann man sich die Aufnahmen in voller Größe ansehen.

Rechtliche Fallstricke: Grundsätzlich sollte man niemanden filmen, der das nicht möchte und das Recht am Bild anderer beachten, sagt Daniel Baumbach. Im Zweifel also lieber fragen oder so filmen, dass Menschen nicht erkennbar sind. Es lohnt auch, sich über die Rechtslage sowie Sitten und Gebräuche im Reiseland zu informieren - das kann einigen Ärger ersparen. In vielen Ländern gibt es zum Beispiel Filmverbote für bestimmte öffentliche Gebäude oder Militäranlagen. „In Museen und Kirchen lohnt es sich, die kleine Extragebühr für die Fotoerlaubnis zu zahlen“, meint Hilgeforth.

Soll der Film Hintergrundmusik haben und auf irgendeine Art und Weise veröffentlicht werden, braucht man dafür die nötigen Rechte. Sonst kann es teuer werden. Daniel Baumbach rät zu Apps wie Luma Fusion (iOS). Sie bieten eine Auswahl an rechtefreier Musik, ebenso wie einige Datenbanken im Netz, wo eventuell eine kleine Gebühr fällig wird.

Strom und Speicher: „Manchmal scheitern Filme daran, dass der Akku leer ist“, sagt Ulrich Hilgeforth. Deswegen sind Smartphonefilmer mit einer zusätzlichen Powerbank auf der sicheren Seite. Auch eine Extra-Speicherkarte schadet nie, falls das Telefon sie aufnehmen kann.



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