weather-image
20°

Von der Kantine zum Eingangsbereich – heute bietet sich den Gästen in Pyrmont ein völlig anderes Bild

Stühlerücken im Schloss-Museum

Innenräume sind nicht unbedingt die Lokalitäten, die das Erscheinungsbild einer Stadt– etwa von Bad Pyrmont – nachhaltig prägen. Aber in diesem Fall sei es dennoch erlaubt, über einen auf den ersten Blick so alltäglichen Raum mit Tischen und Stühlen zu schreiben, der nicht nur wie eine Kantine aussieht, sondern um 1950 auch wirklich diese Funktion erfüllte. In der Tat, es war ein Speiseraum im Pyrmonter Schloss, in dem die Mahlzeiten etappenweise, gegliedert nach den einzelnen Lehrgängen, ausgeteilt wurden.

veröffentlicht am 07.10.2013 um 06:00 Uhr

270_008_6646804_rueck102_0710.jpg

Autor:

von Dr. Dieter Alfter

Dank der einzigartigen Initiative von Dr. Werner Grieshammer wurde in den Gebäuden von Schloss Pyrmont, also auch im Kommandantenhaus und in den neu errichteten Wellblechhütten auf der Schlosswallanlage, ab 1947 die Landes-Versehrtenberufsfachschule Bad Pyrmont eingerichtet. Es war im Übrigen das erste Rehabilitationszentrum für stark körperbehinderte Umschüler nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis zum Jahr 1957, also zehn Jahre insgesamt, wurde auf diese Weise das Pyrmonter Schloss eine Schule für all diejenigen, die als Kriegsinvaliden sonst kaum eine Chance erhalten hätten, wenn es um eine Perspektive für das eigene Leben ging. Immerhin lebten in der Lazarettstadt Pyrmont 1945 insgesamt 7000 schwer Kriegsversehrte. Einige davon nutzten die Chance, über die berufliche Ausbildung auf der Schlossinsel zu einem „normalen“ Weg zu finden. Viele Umschüler wohnten damals in den Pensionshäusern der Lazarettstadt Pyrmont.

Die Kantine bot damals sowohl Frühstück als auch Mittagessen und Abendbrot an. Wäre eine der beiden Türen geöffnet, hätte man sogar auf eine Kücheneinrichtung und einen Herd blicken können. Gegen Ende des Jahres 1950 haben insgesamt 212 Schwerkriegsbeschädigte an den Umschulungslehrgängen teilgenommen. Die Chronik dieser außerordentlich bedeutsamen Einrichtung ist ausführlich vom heutigen Berufsförderungswerk aufgearbeitet worden, aber man kann nie genug darauf hinweisen, wie segensreich und bedeutend diese Landesversehrten-Berufsfachschule für die Geschichte Pyrmonts nach Ende des Zweiten Weltkrieges war.

Tatsächlich blieb in dieser Museumsetage nahezu alles unberührt nach 1957; auch, als man in den 60er Jahren die Räume der darüberliegenden Beletage für Kurgäste wieder öffnete. Bis zu dem Zeitpunkt 1986/87, als die Pläne für das Museum entstanden.

Geht man heute die knarrenden Treppen vom Sockelgeschoss hinauf zum Museumseingang, bietet sich nun ein völlig anderes Bild. Im Jahre 1986 entsteht hier ein heller und einladender Raum, in dem neben dem Kassentresen genügend Raum ist, um Kataloge, Publikationen, Postkarten und Souvenirs anzubieten. Hinter der einen Glastür findet man nun die Garderobe, hinter der anderen gelangt man vom Museumsshop zum eigentlichen Rundgang durch das stadt- und badgeschichtliche Museum. Auch dies wird nun bald wieder Historie sein. Dank der Initiative des Museumsvereins und der Stadt wird noch in diesem Jahr auf der Grundlage von Plänen des Leipziger Museumsplaners KOCMOC.NET dieser Eingangbereich völlig neu gestaltet. Was hat sich nicht alles in diesem Raum binnen 65 Jahren ereignet. Von der Kantine zu einem eleganten Entree ins Pyrmonter Schloss.

Weitere historische Fotos: zeitreise.dewezet.de

Wo früher die Kantine war, ist heute der Museumsshop zu finden.

Museum/jl



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?