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Was uns die Forschung für das Leben lehrt – oder auch nicht

Streng wissenschaftlich

Was wären wir ohne Wissenschaft? Kein Kühlschrank, kein Atomstrom, und den Mond hätten wir nie betreten. Nun gut, eigentlich waren wir fast alle noch nie auf dem Mond, und das mit dem Atomstrom hat sich hierzulande bald erledigt, aber Kühlschränke waren eine tolle Idee, oder? Von der Sache mit dem FCKW und dem ganzen Strom mal abgesehen. Sprechen wir noch über weitere große wissenschaftliche Leistungen.

veröffentlicht am 27.04.2019 um 08:44 Uhr

Illustration: cn
Frank Henke

Autor

Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite

Kürzlich habe ich in dem Bioladen-Magazin „Schrot & Korn“ ein interessantes Beispiel gefunden: US-Forscher haben sich unserem schädlichen Konsum von Süßkram gewidmet. Eine Erkenntnis: Wenn Schokopralinen auf unserem Schreibtisch stehen, essen wir mehr davon, als wenn sie – Obacht! – dort nicht stehen. Da sind Sie jetzt erst mal baff, nehme ich an. Aber so sagt’s nun mal die Wissenschaft: Zuckerzeug, das vor der Nase der Probanden stand, wurde tatsächlich auch gegessen. Verrückt. Lag es in der Schublade oder ein paar Meter entfernt, erwies es sich als haltbarer. Klar, diese Erkenntnis hätte nun wohl jeder Mensch, der a.) schon mal an einem Schreibtisch gearbeitet und/oder b.) jemals Schokolade gegessen hat, auch ganz ohne Studie liefern können. Aber für solchen ungeplanten Erkenntnisgewinn gibt es keine Forschungsgelder, keine Titel, keine Veröffentlichungen – alles komplett unwissenschaftlich also.

Täglich wächst der Schatz weiterer interessanter Forschungsergebnisse: Eine Studie hat zum Beispiel belegt, dass unter bestimmten Umständen weiblichen Seeschnecken ein Penis auf dem Kopf wachsen kann. Lachen Sie nicht, das ist für die Seeschnecke nicht schön. Eine andere sagt, dass Stockentenweibchen um so größere Eier legen, je gelber der Schnabel des Männchens ist. Steht alles im Internet.

Und da wir schon im Tierreich sind: bärtige Männer – und Hunde. Diese waren die Protagonisten einer Untersuchung in Luzern. Am Ende hieß es allerorten: Männer sind dreckiger als Hunde. „Du dreckiger Mann!“, beschimpft man sich in Hundekreisen.

Glauben Sie nicht? Ich auch nicht. Sehen wir uns also den Versuchsaufbau an: Verglichen wurden die Barthaare von 18 Männern mit dem Halsfell von 30 Hunden. Und siehe da: Die Bärtigen brachten es auf deutlich mehr Bakterien im Haar als die Fellträger. Doch fair ist das alles nicht. Hätte man nicht auch das Hundefell in Maulnähe untersuchen müssen, nicht nur den Männerpelz? Lautet das Resultat nicht eigentlich so: Es gibt eine sehr saubere Stelle am Hund: den Hals. Und eine sehr dreckige am Mann: den Bart. Dass auch beim Vergleich der Mundschleimhäute die Hunde sauberer, zumindest mikrobenärmer abschnitten, lasse ich einfach mal außer Acht. So machen große Wissenschaftler das, wenn es darum geht, die eigene Position zu retten.

Gut gefallen hat mir auch eine Untersuchung, von der ich vor Jahren mal in einer Sportzeitschrift las. Es ging um den Effekt von Alkohol auf unsere körperliche Leistungsfähigkeit. Der Versuch lief, wenn ich mich richtig erinnere, folgendermaßen: Sportler liefen eine Strecke. Danach genehmigten sie sich eine überschaubare Menge Alkoholisches und liefen erneut. Das Resultat: Die beschwipsten Läufer meinten, nun bestimmt eine bessere Zeit hingelegt zu haben – hatten sie aber nicht. Eher im Gegenteil.

Ein hübsches Experiment, keine Frage. Neues liefert allerdings auch dies nicht. Zum selben Ergebnis kommen wir schließlich am Rande jeder Tanzfläche innerhalb weniger Minuten: Alkohol lässt dich denken, du wärst einfach toller. Ein tollerer Tänzer – rhythmisch hochbegabt, athletisch, sexy. Bist du aber nicht. Und nur am Rande: Diese freundliche Wirkung des Alkohols dürfte ein Hauptgrund sein, warum wir ihn trinken. Und da gibt es ganz bestimmt auch irgendwo eine Studie zu.



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