weather-image
23°

Denkmal im Klüt erinnert an Georg Gottfried Kleinschmidt

Stadtforstpionier und Wohltäter der Armen

Hameln. Oberhalb vom Felsenkellerweg führt eine alte steile Treppe, gehalten von geschlagenen Sandsteinen, den Kleinschmidtweg hinauf. Noch am Waldrand, im ersten Knick auf dem Weg, geht man geradeaus auf den Kanonenweg. Bereits aus gut 50 Metern Entfernung ist ein verwitterter Sandstein-Monolith zu erkennen. Steht man nun davor, ist folgende Innenschrift zu lesen: „Hier ruhet Georg Gottfried Kleinschmidt, geboren am 7. Februar 1785, gestorben am 21. August 1860. Dem Wohltäter der Armen und Schöpfer der schönen Wege am Klütberge.“

veröffentlicht am 14.02.2014 um 06:00 Uhr

270_008_6929278_rueck_101_1402_GKleinschmidt_2.jpg

Autor:

VON FABIAN GRÄFLICH

Doch wer war dieser Georg Gottfried Kleinschmidt, der zeit seines Lebens Junggeselle blieb? Als Sohn einer wohlhabenden Alt-Hamelner Familie wuchs er in der Weserberglandstadt auf (berichteten wir im Sommer 2005). Sein Vater hieß Anton Wilhelm Kleinschmidt, dessen Ehefrau Catherine Luise Charlotte, geborene Lakemann. Vater und Großvater mütterlicherseits waren angesehene Senatoren der Stadt Hameln - die Senatoren, in der Regel vier an der Zahl, waren damals ehrenamtlich tätig, jedoch neben dem Bürgermeister und seinem juristischen Berater die wichtigsten Entscheidungsträger in der Verwaltung der Stadt. Nach Georg Gottfried Kleinschmidts Schullaufbahn und der Konfirmation 1799 erlernte er das Lohgerber-Handwerk – wobei Rinderhäute zu Sätteln und Stiefeln verarbeitet werden. Nach Abschluss jener Lehre begab er sich auf Wanderschaft und lernte die Sitten und Bräuche anderer Kulturen kennen. Daraufhin schloss Kleinschmidt sich den ländlichen Husaren – eine Truppengattung der leichten Kavallerie – an, mit denen er in den Krieg gegen Frankreich zog. Nach dessen Ende kehrte er zurück nach Hameln. Doch statt seinem gelernten Beruf nachzugehen, widmete er sich seinem Wohltätigkeitssinn sowie seinem Interesse an Musik und Natur. Von seinen Eltern übernahm er ein staatliches Erbe.

Eine alte Stadtchronik beschreibt ihn so: „Als Erbe eines nicht kleinen Vermögens lebte er ganz seinen Liebhabereien, ein Mann, dessen Lebensform in ihrer pedantisch geregelten, abgesonderten Art manchem seiner Mitbürger wunderlich erschienen sein mag, der aber auf stille Weise viel Gutes zu schaffen wusste.“

Um 1840 begann Kleinschmidt sein Lebenswerk, wofür ihm vor 139 Jahren ein Denkmal errichtet wurde, und weshalb ein Weg am Klüt ihm noch heute gewidmet ist: die Erschließung des Klüts als Erholungslandschaft – in Form von Wegen. Dabei nutzte er seinen Reichtum zur Rekrutierung von Helfern, packte bei der Arbeit aber selbst mit Schaufel und Hacke an. Die Eröffnung der Spazierwege auf dem Klüt teilte Kleinschmidt 1855 dem Hamelner Volk mit. Fünf Jahre später verstarb er. Sein Erbe ging zu zwei Dritteln an die Armen, und ein Drittel sollte zum Erhalt seiner Klütwege dienen.

Nur warum war er damals Pionier und erschloss als erstes den Klüt mit Wegen? „1808 hatte die französische Armee Fort George auf dem Klüt geschleift. Da das Festungsgebiet jedoch in hannoverscher Hand lag, konnte die Stadt auch für den Klütwald zunächst keine planerischen Maßnahmen ergreifen. Erst 1850 wurde der Stadt in einem Vergleich mit dem hannoverschen Kriegsministerium das ehemalige Festungsgelände überlassen“, erklärt Stadtarchivar Olaf Piontek.

Doch wer errichtete vor 139 Jahren für den Klüt-Pionier das Denkmal? Das war Friedrich Wilhelm Heise, der den Klüt verschönerte und den „Georgsturm“ bauen ließ. Mit dem Denkmal wollte er an den Pionier erinnern, der für Heises Arbeit den Grundstein legte. Der damalige Pastor Schläger verfasste laut alter Stadtchronik für Kleinschmidt einen Nachruf: „Wie er die Pfade zu ebnen strebte und im Schweiße seines Angesichts mit der Schaufel die Höhen und Tiefen ausglich, und durch keine Witterung sich von der Arbeit abhalten ließ.“

Neben dem Kleinschmidt-Denkmal und seinem Namensweg erinnert noch das Haus in der Osterstraße 37 an ihn. Dies hatte er 1847 verkauft.

Das Denkmal oberhalb des Felsenkellerweges erinnert an den ersten Pionier, der den Klüt als Erholungslandschaft erschloss.fg

In diesem Haus lebte Georg Gottfried Kleinschmidt zeit seines Lebens. 1847 verkaufte er das Anwesen. fg



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?