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Hier residierten namhafte Kurgäste: Richters Pension in der Brunnenstraße

Spion versteckte sich unterm Fenster

Das repräsentative Fachwerkgebäude aus dem 17. Jahrhundert, erbaut im Jahr 1668 von dem Pyrmonter Amtmann Heinrich Ortgies, befindet sich am Ende der Brunnenstraße, also in Richtung Oesdorf. Dieses zweigeschossige Gebäude beherbergte im 17., im 18. und im 19. Jahrhundert namhafte Kurgäste wie den hannoverschen Kurfürsten und späteren englischen König Georg I. von England oder in den Jahren 1744 und 1746 den preußischen König Friedrich II., später bekannt als der „Alte Fritz“. So wurde das Haus auch genannt, nämlich „Alter Fritz“, als Christian Holborn ab 1895 diese Pension unter dem Namen „Richters Pension“ leitete.

veröffentlicht am 25.11.2013 um 06:00 Uhr

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Autor:

Dr. Dieter Alfter

Tatsächlich erstreckte sich damals das Gartengelände von der Brunnenstraße bis zur Rathausstraße – eine parkähnliche Gartenlandschaft, in der drei weitere Häuser als Logismöglichkeiten, aber auch als gesellschaftliche Treffpunkte ihren Platz hatten.

Von einem Haus soll hier die Rede sein. Der sommerliche Kurbetrieb war in Pyrmont ausgesprochen gut organisiert. Die Brunnenstraße war ausschließlich eine Straße der Hotels und Pensionen, um die anspruchsvollen Gäste angemessen unterzubringen. Eine besondere Rolle spielte zu Beginn der Entwicklung, die 1720 mit der Gründung der Akzisestadt Pyrmont einen markanten Anfang hatte, der Brunnenarzt Dr. Johann Philipp Seip. Ihm gehörte das stattliche Gebäude in der Brunnenstraße 3, das aber häufig für seine berühmten Badegäste, die oft mit einer großen Delegation und mit viel Personal anreisten, zu wenig Wohnraum bot. Nach den Erfahrungen mit seinem Gast Zar Peter dem Großen erwarb Seip das gesamte Gelände der Brunnenstraße 16. Auf diesem Areal befand sich nicht nur das repräsentative Fachwerkgebäude an der Logisstraße, sondern auch ein kleineres Gartenhaus. Die Fotografie zeigt die Rückansicht dieses Hauses, das auf den Garten in Richtung Rathausstraße ausgerichtet war. In diesem Haus logierte der preußische König Friedrich II. in den Jahren 1744 und 1746. Typisch für diesen Regenten, dass er einen Wohnort bevorzugte, wo er in aller Ruhe und Zurückgezogenheit seinen beruflichen Aufgaben, aber auch seinen privaten Leidenschaften wie dem Flötespielen nachgehen konnte.

Der große Pyrmont-Kenner Dr. Herman Engel hat für eine Ausstellung im Schloss die beiden königlichen Kuraufenthalte nachgezeichnet und viel neues Archivmaterial ausgewertet. Darunter auch die bemerkenswerten Spionageangriffe, die den heutigen NSA-Lauschangriffen in nichts nachstehen. Um zu erfahren, welche wichtigen Briefdiktate im Gartenhaus erfolgten, welche Gespräche in seinem Zimmer stattfanden, versteckte sich der wohl bekannteste hannoversche Spion, der Geheimrat Unger, unter dem Fenster des Gartenhauses, um die Gespräche zu protokollieren und an den englischen Hof weiterzuleiten. Protokolle, die übrigens heute noch erhalten sind.

Heute existiert dieses Gartenhaus nicht mehr. Ein Großteil der Gartenfläche wurde überbaut durch den Bau der Dana-Seniorenresidenz Brunnenkolonnaden, vermutlich frei von Lauschangriffen…

Weitere historische Fotos: zeitreise.dewezet.de

Das Haus sieht unscheinbar aus, ist aber das Gartenhaus, in dem der Alte Fritz zur Kur weilte. Es wurde im 19. Jahrhundert „modernisiert“. Das Foto stammt aus den 1960er Jahren. Heute gibt es von dem Haus keine Spur mehr. Jetzt steht an der Brunnenstraße die Dana-Seniorenresidenz.

Museum/jl



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