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Der Vorsitzende des Hamelner Stadtelternrates zur Debatte um Schulträgerschaft und Schulzentrum Nord

Soll alles auf eine Karte gesetzt werden?

Als sich im Februar dieses Jahres die Schulleiter der weiterführenden Schulen, die sich in der Trägerschaft der Stadt Hameln und der Stadt Bad Pyrmont befinden, in einem offenen Brief zur Frage der Verlagerung der Schulträgerschaft von den Städten an den Landkreis äußerten, wurde damit eine wichtige Debatte eröffnet. Es geht darum, eine mögliche Verlagerung nicht nur unter fiskalischen Gesichtspunkten zu betrachten, sondern vor allem nach einem inhaltlich sinnvollen Weg einer Trägerschaftsdiskussion zu suchen, der geprägt sein sollte vom Vorrang der Schulentwicklungsplanung. Dieser Forderung hat sich der Stadtelternrat bei voller Übereinstimmung auch öffentlich angeschlossen, so unter anderem in der Sitzung des Schulausschusses im März 2014 und dabei seinen Willen zum Ausdruck gebracht, den Prozess einer Überführung der Schulträgerschaft wohlwollend zu begleiten.

veröffentlicht am 19.04.2014 um 06:00 Uhr

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Autor:

Dr. Volker Schöpe

Hervorzuheben ist bei einer Fokussierung auf die Schulentwicklungsplanung aus Sicht des Stadtelternrates vor allem eine Orientierung am Elternwillen, gerade wenn es um den Erhalt von Schulstandorten geht. Aus diesem Grund ist neben Weiterem eine Befragung von Eltern geplant, deren Kinder jetzt in Hameln eine Grund- oder weiterführende Schule besuchen, die sich zurzeit in der Trägerschaft der Stadt Hameln befindet. Wichtig ist es, in die Diskussion einzuführen, welche Standorte aus Sicht von Eltern auch im Falle einer Übernahme der Schulträgerschaft durch den Landkreis erhalten bleiben sollten. Dass eine solche Umfrage sinnvoll ist, zeigt sich nicht nur generell daran, dass selbst die Politik den Elternwillen in den Vordergrund rückt und die Personengruppe, die mit am meisten betroffen ist, gehört werden sollte. Sondern es zeigt sich auch ganz konkret daran, dass beispielsweise das Schulzentrum Nord bei sinkenden Schülerzahlen auch nach dem Wunsch des Landkreises achtzügig bleiben soll, also dafür gegebenenfalls andere Schulstandorte aufgegeben werden müssten. Von Bedeutung wäre es deshalb für alle Beteiligten zu wissen, wie im Rahmen einer Verlagerung von Standorten einerseits Hameln als Zentrum innerhalb des Landkreises gefestigt werden kann, und zwar trotz rückläufiger Schülerzahlen und ob für den Fall eines entsprechend artikulierten Elternwillens andererseits gut funktionierende Hamelner Schulen etwa aus dem Oberschulbereich zugunsten eines einheitlichen Schulzentrums geopfert werden würden.

Damit verbunden und vielleicht inhaltlich noch bedeutender in der Verlagerungsdebatte ist die Forderung nach einer stetigen Verbesserung der Schulqualität. Strukturell sind hierbei zuerst die einzelnen Bundesländer gefordert, in deren Zuständigkeit sich das Schulwesen aufgrund des Föderalismusprinzips immer noch befindet und was in den einzelnen Ländern zu erheblichen Leistungsunterschieden führt. Die Gebietskörperschaften, also Städte und Landkreise, können als Schulträger nur sekundär etwa bei der Gebäudeunterhaltung zu einer Qualitätsverbesserung beisteuern. In einem Land wie der Bundesrepublik Deutschland, deren eigentliche und beinahe ausschließliche Ressource seine Menschen sind, darf und kann es sich aber auch eine Kommunalverwaltung nicht leisten, bei der Aus- und Weiterbildung von Kindern und Jugendlichen an falscher Stelle zu sparen oder eben nur einseitig bestimmte Schulformen zu fördern oder zu unterstützen. So haben viele Untersuchungen gezeigt, dass in einem mittleren Bildungssegment noch eine Notwendigkeit zur Leistungsverbesserung im Vergleich etwa mit ausländischen Schulen besteht. Investitionen in diesem Bereich dürfen jedoch auch im Rahmen der Gesamtverantwortung eines Schulträgers nicht dazu führen, dass in anderen Segmenten, wie zum Beispiel bei den sehr gut funktionierenden Gymnasien, gespart wird. Eine Nivellierung des Bildungsniveaus mündet in der Folge schnell in einen Verlust von Spitzenpositionen in Forschung und Entwicklung, die die Bundesrepublik weltweit zum Teil noch innehat sowie der Möglichkeit, auch in anderen Bereichen in derartige Spitzenpositionen vorzudringen.

Es wird sich also zeigen, wie ein anderer Schulträger die ihm zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen gedenkt, ob er hierbei also alles „auf eine Karte“ setzen wird oder ob er versucht, sie gleichmäßiger zu verteilen. Dies gilt sowohl für Standorte als letztlich auch für Schulformen. An diesen Kriterien muss sich ein Schulträger messen lassen, auch wenn er in Zukunft Landkreis Hameln-Pyrmont heißen könnte.

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  • Werden andere Hamelner Schulen für das neue Schulzentrum Nord ge opfert? Dana


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