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Universität Göttingen will noch weiter forschen / Rinteln wartet auf Entscheidung

Sohnrey-Entschluss erst im Sommer?

Rinteln/Göttingen (ll). Eindeutige Klarheit über die Verstrickungen des Heimatdichters Heinrich Sohnrey im Nationalsozialismus wird es auf kurze Sicht nicht geben. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Sohnreys Schriften wird noch einige Zeit andauern. Das bestätigte Romas Bielke, Sprecher der Universität Göttingen, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir peilen jetzt den Sommer an“, sagte Bielke.

veröffentlicht am 12.02.2013 um 17:57 Uhr
aktualisiert am 18.04.2013 um 10:35 Uhr

Die Universität prüft derzeit, ob sie die Ehrenbürgerschaft, die sie Sohnrey 1934 verliehen hatte, im Nachhinein aberkennen soll. Im November 2011 war eine Studie des Göttinger Literaturwissenschaftlers Dr. Frank Möbus herausgekommen, die Sohnrey als ideellen Wegbereiter des Nationalsozialismus charakterisierte.

Damit wird es womöglich auch keine kurzfristige Entscheidung über die Straßenumbenennung in der Rintelner Nordstadt geben. Der Rintelner Ortsrat hatte sich nach heißer politischer Debatte und einigem Hin und Her dazu entschieden, die Prüfung der Universität abzuwarten, bevor es endgültig die Umbenennung des „Heinrich-Sohnrey-Wegs“ veranlasst – oder eben auch nicht.

Nach Angaben von Universitätssprecher Bielke hat der mit der Prüfung beauftragte Historiker Prof. Dirk Schumann bisher alle im Bundesarchiv verfügbaren Schriften Sohnreys, darunter auch Aufsätze und Tagebücher, gesichtet. Hierbei handele es sich überwiegend um Schriftstücke, die veröffentlicht wurden. Diese reichen dem Göttinger Historiker aber offenbar nicht aus.

„Eigentlich sollte es schon zum Jahreswechsel ein Ergebnis geben“, so Romas Bielke, auf Grundlage der Materialien aus dem Bundesarchiv wolle Prof. Schumann aber noch weiter an der Personalie Sohnrey forschen.

Nun ist geplant, dass Sohnreys Nachlass noch genauer unter die Lupe genommen wird. Das Problem: Die Unterlagen besitzt die Heinrich-Sohnrey-Gesellschaft in Jühnde bei Göttingen. Das Archiv ist laut Bielke nicht öffentlich zugänglich. Die Wissenschaftler der Universität seien auf „Good Will“ der Sohnrey-Gesellschaft angewiesen. Die Sohnrey-Gesellschaft wiederum sieht die Ergebnisse aus der Studie von Möbus weiter als problematisch an, sie weist die Schlüsse, zu denen Sohnrey-Kritiker Möbus kommt, entschieden zurück.

Gleichermaßen aber sperrt sie sich laut einer veröffentlichten Stellungnahme nicht gegen weitere Forschungen. „Wir hoffen, dass Herr Prof. Dr. Dirk Schumann bei seiner Aufarbeitung gründlicher und sachlicher vorgeht als Dr. Frank Möbus“, heißt es dort. Das lässt zumindest darauf hoffen, dass die Sohnrey-Gesellschaft auch ihre Privatarchive öffnet – auch, wenn sie dazu in keiner Weise verpflichtet ist. Am morgigen Donnerstag tagt der Ortsrat Rinteln um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Die Personalie Sohnrey steht nicht auf der Tagesordnung.

Dichter Heinrich Sohnrey (1859 - 1948): Seine literarischen Texte sollen die Ideologie des Nationalsozialismus unterstützt haben.

Foto: Archiv



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