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Psychologin analysiert das Beziehungsgeflecht der Kommissarinnen und Kommissare

So lieben die Tatort-Ermittler

Sie klären Morde auf, jagen die Täter und verbringen Tag und Nacht auf dem Revier. Doch wer wartet auf die Tatort-Kommissare, wenn sie nach Hause kommen? Die Berliner Psychologin und Paartherapeutin Diana Boettcher hat nun das Privatleben der Ermittler unter die Lupe genommen und ist dabei zu teils überraschenden, teils vorhersehbaren Ergebnissen gekommen.

veröffentlicht am 22.07.2018 um 11:30 Uhr

Ein Sonderfall: Die Weimarer Ermittler Lessing und Kira Dorn sind privat ein Paar und haben auch bereits Nachwuchs. Foto: dpa

Tatort-Kommissare lassen sich nur selten auf Beziehungen ein: Zum Flirten bleibt den Beamten kaum Zeit, was sich auch in ihrem Liebesleben zeigt. Über vier Fünftel der TV-Ermittler sind noch zu haben. In der Realität sieht das ganz anders aus: Im bundesweiten Vergleich sind mit gut 46 Prozent nur halb so viele Deutsche auf der Suche nach ihrer besseren Hälfte. In einer festen Partnerschaft ist dagegen nur jeder zehnte Tatort-Kommissar. Mit knapp elf Prozent ist lediglich ein Bruchteil der Ermittler verheiratet. Besonders auf dem Revier scheinen die Herzen der Ermittler höherzuschlagen. Gleich fünf Kommissare sind eine Beziehung oder Affäre mit ihren Kollegen eingegangen. Am Tatort haben sich die TV-Ermittler außerdem zweimal auf ein Liebesabenteuer mit dem Täter eingelassen.


Homosexualität sucht man beim Tatort vergebens:Hetero, Homo oder Bi: Bei den TV-Ermittlern gestalten sich die Liebes-Konstellationen meist einseitig. Mit knapp 96 Prozent ist die große Mehrheit der Kommissare heterosexuell. Nur zwei Kommissare outeten sich als bisexuell und bis heute lebt kein einziger Polizeibeamter der Erfolgsserie in einer homosexuellen Beziehung. Die Realität spiegelt das nicht wider, denn laut Statista lieben fünf Prozent der Deutschen gleichgeschlechtlich.


Nachwuchs ist bei den Beamten Mangelware:Die Familiengründung gerät für die Beamten wohl oft in den Hintergrund. Nur knapp jeder dritte Tatort-Ermittler durfte sich über einen Sprössling freuen und 13 Prozent sind Eltern zweier Kinder geworden. Besonders die Affären der Ermittler sind nicht immer ohne Folgen geblieben. Gleich fünf Kinder sind aus den kurzen Intermezzi der Beamten entstanden. Rund 55 Prozent der Kommissare haben wiederum noch keine Kinder. Mit durchschnittlich 0,57 Kindern pro Kopf liegen die Leinwand-Beamten im Nachwuchs-Vergleich weit hinter dem deutschen Schnitt. Hierzulande beläuft sich der Mittelwert auf 1,59 Kinder pro Kopf.


Ehen werden öfter geschieden, als sie halten: Im Tatort werden rund 59 Prozent aller Ehen wieder geschieden. Das sind 19 Prozentpunkte mehr als im deutschen Durchschnitt (39,6 Prozent). Lediglich vier Kommissare sind verheiratet, davon 75 Prozent Frauen. Nur ein TV-Ermittler hat sich nach einer Scheidung wieder verliebt und zwei weitere Figuren sind verwitwet. Besonders tragisch: In beiden Fällen ist nicht nur der Ehepartner gestorben, sondern auch die gemeinsamen Kinder.


Männliche Kommissare sind treuer als die Frauen: Treue steht bei den Ermittlern an oberster Stelle. Knapp 94 Prozent legen einen großen Wert auf Loyalität und vor allem den Männern ist mit 96 Prozent Ehrlichkeit in einer Beziehung wichtig. Allerdings hatte mit 42,5 Prozent auch fast jeder zweite Kommissar schon einmal eine Affäre. Im Vergleich gehen die weiblichen Ermittler mit 45 Prozent öfter fremd als die Männer (41 Prozent).

Für ihre Studie hat Diana Boettcher den Beziehungsstatus sowie die Anzahl der Kinder aller 47 aktuellen Tatort-Kommissare näher untersucht. „Es gibt viele Gründe, warum eine Beziehung nicht funktioniert“, sagt sie. „Im Tatort werden fast 60 Prozent aller Ehen wieder geschieden. In Deutschland ist die Scheidungsrate nicht so hoch im Vergleich zur TV-Serie, jedoch wird auch hier jede dritte Ehe wieder annulliert.

Grund dafür kann der Zeitmangel in einer Beziehung, aber auch Untreue gegenüber dem Partner sein. Viele der Ursachen sind sich bei aller individuellen Eigenheiten der Beziehungen durchaus ähnlich – und vor allem therapierbar. Die sogenannte Beziehungsmüdigkeit ist ein häufiges Phänomen und zeigt sich darin, dass sich einer der Partner emotional aus der Beziehung zieht, während der Andere um die Beziehung kämpft. Bei einer Paartherapie schauen wir uns die Verbundenheit des Paares genauer an und erarbeiten, wie die Bindung beider Partner nachlassen konnte. In 75 Prozent der Fälle finden Paare nach einer Paartherapie wieder einen Weg, sich emotional aufeinander einzulassen und ihre Partnerschaft neu aufleben zu lassen.“

Die komplette Analyse gibt es im Internet auf der Seite https://www.diana-boettcher.de/tatort-beziehungen

red

Information

Das sind die aktuellen Tatort-Ermittler (Rollennamen)

  • Ludwigshafen: Lena Odenthal, Mario Kopper, Johanna Stern;
  • München: Ivo Batic, Franz Leitmayr;
  • Köln: Max Ballauf, Freddy Schenk;
  • Bremen/Bremerhaven: Inga Lürsen, Nils Stedefreund;
  • Wien: Moritz Eisner; Bibi Fellner;
  • Hannover: Charlotte Lindholm;
  • Münster: Frank Thiel, Prof. Karl-Friedrich Boerne;
  • Kiel: Klaus Borowski, Sarah Brandt;
  • Stuttgart: Thorsten Lannert, Sebastian Bootz;
  • Wiesbaden: Felix Murot;
  • Luzern: Reto Flückiger, Liz Ritschard;
  • Dortmund: Peter Faber, Martina Bönisch, Nora Dalay, Daniel Kossik;
  • Saarbrücken: Jens Stellbrink, Lisa Marx;
  • Hamburg: Nick Tschiller, Yalcin Gümer;
  • Norddeutschland: Thorsten Falke, Katharina Lorenz, Julia Grosz:
  • Weimar: Lessing, Kira Dorn;
  • Berlin: Nina Rubin, Robert Karow;
  • Franken (Nürnberg): Paula Ringelhahn, Felix Voss;
  • Frankfurt am Main: Anna Janneke, Paul Brix;
  • Dresden: Karin Gorniak, Henni Sieland, Peter Michael Schnabel;
  • Freiburg, Mainz: Ellen Berlinger, Martin Rascher;
  • Schwarzwald (Freiburg): Friedemann Berg, Franziska Tobler.

(Sortiert nach Reihenfolge der Erstausstrahlung)



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