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Ungefragte Erziehungstipps nerven einfach tierisch

Sitz. Platz. Schnauze!

Neulich im Urlaub: Wir wollen unserem Hund einen Fahrradanhänger als Mitfahrgelegenheit schmackhaft machen. Klar, er hat vier eigene Beine, auf denen er auch rasant unterwegs ist. Aber für längere Touren wollten wir – vielleicht auch nur zu unserer eigenen Beruhigung – ihm eben mal eine Erholungspause gönnen. Er allerdings wollte und will nicht einsehen, warum er Platz machen soll in einem Ding auf Rädern. Mit Engelszungen, Überredungskunst und Leckerchen haben wir es probiert. Erfolglos.

veröffentlicht am 19.10.2019 um 08:00 Uhr

Kerstin Hasewinkel

Autor

Redaktionsleiterin zur Autorenseite

Nun sollte im Urlaub noch einmal frei vom Alltagsstress trainiert werden. Pfiffig ausgedacht: Wir drehen eine klitzekleine Runde und am Ziel winkt die Belohnung. Keine schnöde Wurst – Toben am Strand, Schwimmen im Meer, das liebt er. Das Einsteigen ist nach dem vierten Anlauf gemeistert, na ja, ehrlicherweise ist das Reinheben gemeistert (unser Hund ist übrigens keine Fußhupe, also nicht gerade leicht). Glücklich guckt er nicht.

Trotzdem losgeradelt. Angekommen. Verdeck auf – doch jetzt will er nicht wieder aussteigen. Da es sich um den Strandzugang handelt, bildet sich binnen Sekunden eine Menschentraube um das Gefährt. Das Problem haben sofort alle erkannt: Der Hund will nicht aussteigen. Und es gibt Tipps. Und noch mehr Tipps. „Sie müssen ihn mit Leckerchen locken“– ach was. „Sie müssen so tun, als ob Sie weggehen“ – tolle Idee. So müssen sich Kleinkinder fühlen, wenn die Erwachsenen ihre Köpfe in den Kinderwagen stecken – unser Hund zittert. „Der zittert ja“ – warum wohl? Und dann, an Frauchen gerichtet: „Sie müssen vom Fahrrad weggehen“ – geht nicht, dann fällt das Ganze um, und dann ist es wohl ganz vorbei.

„Schnauze!“ hätten wir am liebsten gerufen. Stattdessen höflich in die immer größer gewordene Runde: „Vielleicht würde es helfen, wenn Sie einfach alle weggehen und uns machen lassen?“

Es war wirklich freundlich formuliert, wir haben nicht gebrüllt. Nur so laut, dass es auch die Klugscheißer in der letzten Reihe mitbekommen. Die waren zwischenzeitlich nämlich in ein Gespräch darüber vertieft, dass der Hund der Tochter der einen Frau auch in einen Fahrradanhänger… DER geht da nämlich ganz freiwillig und ohne diese Probleme rein. Na ja, Sie wissen schon.

Endlich war alles gut. Die Leute zogen von dannen, ein bisschen pikiert. (Hunde hätten hier wohl den Schwanz eingekniffen).

Unser Hund durfte endlich alles vergessen und wedelnd durchs Wasser toben. Er freut sich, wenn man Steinchen schmeißt und fordert das regelrecht ein. Die Klugscheißereien von vorhin waren vergessen. Fast. „Sie frustrieren Ihren Hund“, ruft eine Mittfünfzigerin von der Seite. Bitte? „Der hat ja gar keine Chance, die Steine zu bekommen, weil sie untergehen.“ Aber genau das ist doch das Spiel, unser Hund ist ja nicht blöd. Und ja, unser Hund hat auch jede Menge Spielzeug. Wenn wir Steine werfen, findet er das aber spannender.

Übrigens: Neulich habe ich gesehen, wie ein junger Mann sich an eine Hauswand lehnte, plötzlich kreidebleich wurde, sich auf den Bürgersteig setzen musste. Nun war er nicht gerade der Typ Banker. Trotzdem: Er brauchte ganz offensichtlich Hilfe. Da blieb niemand stehen und mischte sich ein.

Finde den Fehler. Kommentare abgeben, wo es nicht gefragt ist – und achtlos vorbeigehen, ohne sich zu kümmern, wo es ein absolutes Muss wäre. Da läuft doch was schief.



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