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1. Juni 1972: Baader, Raspe und Meins werden verhaftet

Showdown vor der Garage

Am 1. Juni werden die RAF-Terroristen Raspe, Meins und Baader verhaftet. Wir blicken zurück auf die letzten Tage des RAF-Terrors in Deutschland.

veröffentlicht am 01.06.2017 um 07:00 Uhr

Andreas Baader, wird von Polizisten aus einer Garage im Frankfurter Dornbusch-Viertel geschleift. Bei der vorangegangenen Schießerei wurde er durch einen Schuss leicht verletzt. Foto. dpa
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite

Die Polizei lässt die Garage in Frankfurt seit zwölf Stunden überwachen, mehr als ihren Inhalt kennen die Gesetzeshüter nicht. Aber der hat es in sich: Chemikalien, aus denen man Bomben bauen kann gelagert. Dann fährt doch noch ein Wagen vor, ein Porsche Targa rast in falscher Fahrtrichtung durch eine Einbahnstraße zu der Garage. Zwei Männer gehen hinein, einer bleibt draußen, er hält wache. Danach kommt es zum Showdown vor der Sprengstoffgarage. Es dauert Stunden, eingesetzt werden Panzerwagen, Maschinenpistolen, Tränengas.

Der Mann, der draußen die Wache hält, ist zwar weggerannt, doch eine Anwohnerin kann helfen: Er habe sich unter einem Holunderbusch versteckt, lässt sie zwei Polizisten wissen. Als er verhaftet wird, ahnt niemand, wer dort in Handschellen abgeführt wird, auch die beiden Beamten wissen es nicht: Es ist Jan-Carl Raspe, der Techniker der Roten Armee Fraktion (RAF).

Erst nach Stunden endet das Feuergefecht zwischen den beiden Männern in der Garage und den Polizeibeamten: Als einer einen Schuss in den Oberschenkel erhält, gibt der andere auf – und kommt, wie gefordert, nur in seiner Unterhose heraus. Es ist Holger Meins, RAF-Mitglied der ersten Stunde, der Verletzte wird als Andreas Baader identifiziert: der meistgesuchte Verbrecher jener Tage, ein Terrorist und ein Staatsfeind.

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Baader, 1943 in München geboren, hatte sich 1968 an Brandanschlägen auf zwei Frankfurter Kaufhäuser beteiligt. Mit den Anschlägen sollte gegen die Gleichgültigkeit protestiert werden, mit der die Menschen in der Bundesrepublik den Krieg in fernen Vietnam hinnehmen. Baader wird verhaftet, vor Gericht gestellt und zu drei Jahren Haft verurteilt, er wird vorzeitig entlassen, flüchtet nach Frankreich, kehrt zurück, wird erneut verhaftet, aus dem Gefängnis befreit und lässt sich mit anderen Sympathisanten in Jordanien sowie weiteren Sympathisanten von palästinensischen Guerillas für den sogenannten „bewaffneten Kampf“ ausbilden. 1970 kommt Baader zurück in die Bundesrepublik, taucht in den Untergrund ab und überfällt Banken, um mit der Beute Wohnungen, Autos, Waffen und gefälschte Papiere zu besorgen.

Im Mai 1972 erreicht der Terror der RAF ihren ersten Höhepunkt: In Frankfurt, Augsburg, Karlsruhe, beim Springer-Verlag in Hamburg und im US-Hauptquartier in Heidelberg werden Bombenanschläge verübt. Beim Anschlag auf den das Hauptquartier der 7. US-Armee in Heidelberg kommen drei amerikanische Soldaten kamen ums Leben, fünf weitere Menschen werden schwer verletzt. Anschließend verstärkt das Bundeskriminalamt die Fahndung nach den Tätern erheblich, am 1. Juni werden Raspe, Meins und Baader verhaftet. Danach gehet es Schlag auf Schlag. Die Top-Terroristin Gudrun Ensslin wird eine Woche später in Hamburg verhaftet, nachdem einer Verkäuferin eine Schusswaffe in Ensslins Handtasche aufgefallen ist. Die ehemalige Journalistin Ulrike Meinhof, die zusammen mit Baader, Ensslin und Horst Mahler die RAF 1970 gegründet hat, wird wenige Tage danach in Hannover festgenommen, nachdem ein Sympathisant sie erst in seiner Wohnung aufgenommen, dann aber die Polizei informiert hat.

Ende Juni 1972 ist die gesamte Führungsriege der ersten RAF-Generation in Haft. Doch erst am 20. April 1998 endet die Geschichte der RAF. Bei der Nachrichtenagentur Reuters in Köln geht ein achtseitiges, als authentisch eingestuftes Schreiben ein, in dem die RAF ihre Selbstauflösung verkündet: „Vor fast 28 Jahren, am 14. Mai 1970, entstand in einer Befreiungsaktion die RAF. Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte.“

34 Todesopfer werden dem Terror der RAF zugerechnet, Baader, Raspe und Meins sind zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr am Leben: Meins hungert sich zu Tode, Baader, Ensslin und Raspe nehmen sich in der sogenannten Todesnacht von Stammheim am 18. Oktober 1977 das Leben.



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